10.01.2018

Dürfen ortsveränderliche elektrische Arbeitsmittel von einer EuP geprüft werden?

Nachdem sich in der Welt der Normen, Verordnungen und Vorschriften in letzter Zeit sehr viel getan hat, besteht allerorts eine recht große Unsicherheit hinsichtlich der Fragestellung, wer denn überhaupt noch ortsveränderliche elektrische Arbeitsmittel prüfen darf. Darf eine elektrotechnisch unterwiesene Person (EuP) ortsveränderliche elektrische Arbeitsmittel prüfen? Unser Experte liefert Antworten.

EuP

Anforderungen an das Prüfpersonal

Für eine sichere Durchführung der Prüfungen sowie der Beurteilung des ordnungsgemäßen Zustands des zu prüfenden Arbeitsmittels ist eine hohe Qualifikation des Prüfpersonals unerlässlich. In vielen Fällen sind neben der elektrischen Sicherheit auch andere Gefährdungen bei der Beurteilung durch die prüfende Person zu berücksichtigen.

Prüfung nur durch befähigte Personen!

Bei der Durchführung einer ordnungsgemäßen Prüfung ortsveränderlicher elektrischer Arbeitsmittel kann es auch zu einer Gefährdung des Prüfers und/oder der Prüfumgebung kommen. Der Prüfer muss dies erkennen und bei der Durchführung der Prüfung berücksichtigen sowie geeignete Schutzmaßnahmen treffen. Aus diesem Grund dürfen solche Prüfungen nur von hierzu befähigten Personen durchgeführt werden.

Der Arbeitgeber trägt nach der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) und dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) die Auswahlverantwortung für die Personen, die von ihm mit der Durchführung der wiederkehrenden Prüfungen zur Erhaltung des ordnungsgemäßen Zustands von Arbeitsmitteln beauftragt werden. Denn Arbeitsschutz ist eine primäre Unternehmerpflicht.

Qualifikation der befähigten Person

Zur erforderlichen Qualifikation der befähigten Person gehören also die Berufsausbildung, die Berufserfahrung und die zeitnahe berufliche Tätigkeit. Aus diesen Forderungen wird deutlich, dass der sicherheitstechnischen Beurteilung elektrischer Arbeitsmittel immer die Qualifikation einer Elektrofachkraft mit zeitnahem Einsatz im entsprechenden Tätigkeitsbereich und Kenntnis der aktuellen Normen, Verordnungen und Gesetze zugrunde liegen.

Aussagen der DGUV Vorschrift 3 zur Fragestellung

Die berufsgenossenschaftliche Vorschrift DGUV Vorschrift 3 trifft in der Durchführungsanweisung (DA) zu § 5 DGUV Vorschrift 3 die Aussage: „… Stehen für die Mess- und Prüfaufgaben geeignete Mess- und Prüfgeräte zur Verfügung, dürfen auch elektrotechnisch unterwiesene Personen unter Leitung und Aufsicht einer Elektrofachkraft prüfen. …“

Auch die Messgerätehersteller stützen diese Aussage u.a. dadurch, dass sie in ihren Verkaufsprospekten immer auf einen automatisierten Messablauf mit eindeutiger Aussage (sogenannte Rot-Grün-Anzeige) verweisen, mit dem auch eine elektrotechnisch unterwiesene Person (EuP) die Prüfung durchführen kann.

Prüfung muss unter Leitung und Aufsicht einer Elektrofachkraft erfolgen!

Aber Vorsicht! Der letzten Passage der Aussage in der DA zu § 5 DGUV Vorschrift 3, wonach die elektrotechnisch unterwiesene Person (EuP) nur unter Leitung und Aufsicht einer Elektrofachkraft (EFK) prüfen darf, wird in der Praxis sehr häufig keine Rechnung getragen. So kommt es häufig vor, dass ein elektrotechnischer Laie (z.B. ein Maschinenführer, Hausmeister usw.) auf ein zweitägiges Seminar geschickt wird, um anschließend als elektrotechnisch unterwiesene Person eigenverantwortlich mit der Prüfung ortsveränderlicher elektrischer Arbeitsmittel betraut zu werden. Eine Elektrofachkraft (EFK) bzw. eine verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK), die die Aufsicht und Leitung übernimmt, fehlt oftmals im Betrieb.

Der zuvor beschriebene Sachverhalt war und ist natürlich, wegen der fehlenden Leitung und Aufsichtsführung durch eine Elektrofachkraft, nicht rechtskonform!

Befähigte Person nach BetrSichV

Zur Konkretisierung der Forderung nach der Befähigung einer Person (befähigte Person) aus § 2 Abschn. 7 BetrSichV ist die Technische Regel zur Betriebssicherheit (TRBS) 1203 Teil 3 „Elektrische Gefährdungen“ im September 2006 in Kraft getreten.

Anforderungen an befähigte Personen nach TRBS 1203 Teil 3

Folgende Anforderungen resultieren aus der TRBS 1203 Teil 3:

1. Berufsausbildung

Die befähigte Person für die Durchführung von Prüfungen zum Schutz vor elektrischen Gefährdungen muss:

  • eine elektrotechnische Berufsausbildung abgeschlossen haben oder
  • eine andere für die vorgesehenen Prüfaufgaben vergleichbare elektrotechnische Qualifikation nachweisen.

Der Arbeitsgeber/Unternehmer hat dabei zu prüfen:

  • ob die elektrotechnischen und die darüber hinaus notwendigen Kenntnisse ausreichen, um die durchzuführenden Arbeiten zu beurteilen und die entstehenden Gefahren zu erkennen und – ganz wichtig –
  • ob ein Dokument vorliegt, das die relevanten Inhalte der Qualifikation wiedergibt

2. Berufserfahrungen

Die befähigte Person muss Erfahrungen im praktischen Umgang mit zu prüfenden Arbeitsmitteln während eines nachgewiesenen Zeitraums gesammelt haben. Weitergehend legt TRBS 1203 Teil 3 fest, dass eine mindestens einjährige Erfahrung bei der Errichtung, dem Zusammenbau oder der Instandhaltung von elektrischen Arbeitsmitteln und/oder Anlagen notwendig ist, um die befähigte Person in die Problematik der Prüfung von elektrischen Arbeitsmitteln einzuarbeiten. Während der praktischen Tätigkeit muss die befähigte Person Erfahrungen gesammelt haben:

  • mit intakten elektrischen Arbeitsmitteln (Aufbau, bestimmungsgemäßer Betrieb, möglicher Fehlgebrauch, Prüfumfang, Prüfablauf),
  • mit diesen Arbeitsmitteln in Störungs- und Instandsetzungssituationen und
  • bei der Durchführung wiederkehrender oder vergleichbarer Prüfungen sowie bei ihrer Bewertung.

3. Zeitnahe berufliche Tätigkeit

Die befähigte Person muss eine zeitnahe berufliche Tätigkeit entsprechend der Prüfaufgabe ausgeübt haben. Das bedeutet, dass die Berufserfahrungen praktisch und aktuell sein müssen. Sie muss über die für die vorgesehenen Prüfaufgaben im Einzelnen erforderlichen Kenntnisse der Elektrotechnik sowie der relevanten technischen Regeln verfügen. Außerdem muss die befähigte Person eine für elektrische Gefährdungen angemessene Weiterbildung betreiben, um die vorhandenen Kenntnisse zu aktualisieren. Die Weiterbildung kann z.B. durch Teilnahme an Schulungen oder an einem einschlägigen Erfahrungsaustausch erfolgen.

Auswahl erforderlicher Weiterbildungsmaßnahmen

An dieser Stelle gibt die TRBS dem Arbeitgeber eine recht große Freiheit bei der Auswahl der erforderlichen Weiterbildungsmaßnahmen. Wichtig ist, dass bei einem möglichen Unfall klar und deutlich die erforderliche Befähigung des Prüfers belegbar ist bzw. juristisch nachweisbar belegt werden kann.

Elektrotechnisch unterwiesene Person (EuP) ist nicht befähigte Person nach BetrSichV

Im Umkehrschluss ist es durch die geforderte Weiterbildung fast ausgeschlossen (Ausnahme: Selbststudium), dass eine Person, die zwar einen Gesellen-/Facharbeiterbrief besitzt, aber über keinerlei fachliche Weiterbildung verfügt, eine befähigte Person im Sinne der TRBS 1203 Teil 3 darstellt. Eine elektrotechnisch unterwiesene Person besitzt in keinem Fall die geforderte Befähigung nach TRBS 1203 Teil 3.

Schlussfolgerung

Die vorstehend genannten Personenkreise dürfen nur unter der Leitung und Aufsicht einer befähigten Person (Anforderung siehe TRBS 1203 Teil 3) für das Prüfen ortsveränderlicher elektrischer Arbeitsmittel eingesetzt werden.

Die befähigte Person muss die zur Anwendung kommende Prüftechnologie vorgeben und ist für die Auswertung der Prüfergebnisse verantwortlich. Das heißt, es müssen sogenannte Prüfteams gebildet werden. Das ist auch gut so. Wer nicht nur Plaketten auf seinen elektrischen Arbeitsmitteln haben möchte – und damit glaubt eine lästige Pflichtmaßnahme abhaken zu können –, sondern sicherstellen will, dass den Beschäftigten nur elektrische Arbeitsmittel zur Verfügung stehen, bei denen Sicherheit und Gesundheitsschutz gewährleistet sind, der muss die Prüfung vor elektrischen Gefährdungen zwingend von einer für diese Aufgabe befähigten Person oder unter deren Leitung und Aufsicht durchführen lassen.

Wer die Sicherheit von elektrischen Geräten prüft, muss nicht nur die Messtechnik beherrschen und die Grenzwerte kennen, er muss vor allem die Messwerte interpretieren können. Ein noch nicht erreichter Grenzwert (also grüne Anzeige beim Prüfverfahren des Messgeräts) kann aber durchaus bedeuten, dass das Gerät nicht in Ordnung ist, da der Messwert ein Vielfaches des angemessenen Werts beträgt und auf eine schleichende Verschlechterung hinweist.

Der automatisierte messtechnische Ablauf wertet jedoch die statische Einhaltung eines vordefinierten Grenzwerts als „in Ordnung (i.O.)“, also Aufleuchten der grünen LED am Messgerät. Die Entscheidung, ob die gemessenen Werte zu einem ordnungsgemäßen Zustand des Prüflings passen, muss und kann nur der sachkundige Prüfer treffen. Eine solche Entscheidung kann eine „auf die Schnelle angelernte Kraft“ nicht fachgerecht treffen, dies kann nur eine für diese Aufgabe besonders befähigte Person sein. Sie muss neben einer fundierten Grundausbildung in der Elektrotechnik für diese Prüfungen besonders geschult und die relevanten elektrotechnischen Regeln und Vorschriften sehr gut kennen und zur Anwendung bringen. Auch muss sie ständig auf dem neuesten Stand der Normen, Verordnungen und Gesetze sein.

Autor: Stefan Euler