Fachbeitrag | Norm
28.10.2015

Die neue VDE 0105-100: Das müssen Sie wissen

Im Oktober 2015 wurde eine der wichtigsten Normen für Elektrofachkräfte novelliert: die VDE 0105-100 „Betrieb von elektrischen Anlagen – Allgemeine Festlegungen“. Sie regelt die Bedienung und Anforderungen bei anfallenden Arbeiten an und in der Nähe von elektrischen Anlagen aller Spannungsebenen. Dieser Fachbeitrag erläutert die wichtigsten Änderungen der neuen VDE 0105-100.

© Dmitry Kalinovsky/​iStock/​Thinkstock

VDE 0105-100: Neue Definition des Anlagenbetreibers

Im Abschnitt 3.2.1 der neuen VDE 0105-100 findet sich jetzt eine neue Definition für den Anlagenbetreiber. Dieser ist eine „Person mit der Gesamtverantwortung für den sicheren Betrieb der elektrischen Anlage, die Regeln und Randbedingungen der Organisation vorgibt“. Anlagenbetreiber kann der Eigentümer, Unternehmer, Besitzer oder eine beauftragte Person sein, die die Unternehmerpflichten wahrnimmt. Einige mit dieser Verantwortung einhergehende Verpflichtungen können erforderlichenfalls auch auf andere Personen übertragen werden.

Neu: Definition des Arbeitsverantwortlichen in der VDE 0105-100

Der Arbeitsverantwortliche wurde in der VDE 0105-100 bisher nicht definiert. Laut Abschnitt 3.2.3 der Norm handelt es sich um eine Person, die beauftragt ist, die unmittelbare Verantwortung für die Durchführung der Arbeit an der Arbeitsstelle zu tragen. Einige mit dieser Verantwortung einhergehende Verpflichtungen können laut Anmerkung auch auf andere Personen übertragen werden

Änderungen im Abschnitt Organisation (4.3) der neuen VDE 0105-100

Im Abschnitt Organisation der neuen VDE 0105-100 eingefügt, dass der Anlagenverantwortliche mit Weisungsbefugnis für den sicheren Betrieb nach Abschnitt 3.1.2 Elektrofachkraft sein muss. Außerdem wurde ergänzt, dass vor Beginn der Arbeiten bzw. bei Wiederaufnahme nach Unterbrechungen eine Klärung der Rollen von Arbeitsverantwortlichem und Anlagenverantwortlichem herbeizuführen ist. Weiterhin wird gefordert, dass abgeschlossene elektrische Betriebstätten verschlossen gehalten werden müssen.

Maßnahmen für den Notfall (4.9)

Im neuen Abschnitt 4.9 der VDE 0105-100wird gefordert, dass für den Fall eines elektrischen Unfalls oder Zwischenfalls geeignete Notfallpläne ausgearbeitet werden müssen und durch den Anlagenbetreiber in Kraft zu setzen sind. Von den an, mit oder in der Nähe von elektrischen Anlagen arbeitenden Personen muss eine ausreichende Anzahl so ausgebildet und unterwiesen sein, dass sie bei elektrischem Schlag und/oder Verbrennungen Erste Hilfe leisten kann.

VDE 0105-100: Erhaltung des ordnungsgemäßen Zustands (5.3.)

In Abschnitt 5.3.101 der neuen VDE 0105-100 wird jetzt festgeschrieben, dass sich eine Anlage in ordnungsgemäßem Zustand befindet, wenn sie zum Zeitpunkt ihrer Errichtung den Errichternormen entsprochen hat und bei der wiederkehrenden Prüfung keine sicherheitsrelevanten Mängel festgestellt werden. Sicherheitsrelevante Mängel können sich u.a. durch Alter, Abnutzung, Betriebs- und Umgebungsbedingungen der Betriebsmittel ergeben.

Arbeiten im spannungsfreien Zustand nach VDE 0105-100 (6.2.)

In Abschnitt 6.6.2.3 Spannungsfreiheit feststellen wird eine Vielzahl neuer Anforderungen bezüglich der Spannungsprüfer gemacht – diese müssen für die zu erwartende Betriebsspannung, Frequenz und Umgebungsbedingungen geeignet sein. Spannungsprüfer und Spannungsprüfsysteme müssen der DIN EN-61243-1,2 ,3 bzw. 5 entsprechen. Spannungsprüfer und Phasenvergleiche, die nach der DIN VDE 0681 hergestellt wurden, dürfen jedoch weiterverwendet werden.

Neue Anhänge der VDE 0105-100: Lichtbogenschutz, Notfallmaßnahmen, Prüfbericht

In zwei informativen (also nicht verpflichtenden!) Anhängen (B.6 und B.7) thematisiert die überarbeitete DIN VDE 0105-100 den Lichtbogenschutz und gibt wichtige Hinweise für einen Notfallplan an. Im Gegensatz zur Vorgängerversion sind die Anforderungen an die Mindestinhalte eines Prüfberichts jetzt nicht nur informativ, sondern normativ. Das heißt, es handelt sich hier künftig um zwingende Normforderungen. Unter Allgemeine Angaben des Prüfberichts sind jetzt verpflichtend aufzuführen:

  1. Name und Anschrift des Auftraggebers und des Auftragnehmers
  2. Bezeichnung der einzelnen Prüfprotokolle für die Dokumentation von Messwerten oder Bezeichnung des Objekts wie Anlage, Gebäude, Gebäudeteile, Verteiler und Stromkreise
  3. Verwendete Mess- und Prüfgeräte

Bezüglich der Bewertung der Prüfung verlangt die neue Norm, dass alle beim Besichtigen, Erproben und Messen ermittelten Informationen sowie Berechnungsergebnisse vom Prüfer bewertet werden müssen – die Bewertung bildet das Prüfungsergebnis, welches zu dokumentieren ist.

Bild: © Dmitry Kalinovsky/iStock/Thinkstock

Autor: Ernst Schneider

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