21.08.2017

Die neue DGUV Information 203-070: „Fachwissen für Prüfer“

Seit Ende Februar 2017 ist im Regelwerk der DGUV eine überarbeitete Version der DGUV Information 203-070 (ehemals BGI/GUV-I 5090) vom Dezember 2016 erhältlich. Konkret geht es hier um das Fachwissen für Prüfer bezüglich der wiederkehrenden Prüfung ortsveränderlicher elektrischer Arbeitsmittel (Betriebsmittel). Das 87-seitige Werk ergänzt nach Angabe der Herausgeber die DGUV Information 203-071 „Wiederkehrende Prüfungen ortsveränderlicher elektrischer Arbeitsmittel – Organisation durch den Unternehmer“, in der die rechtlichen Grundlagen und die Notwendigkeit der Prüfungen beschrieben sind.

DGUV Information 203-070

Bei der DGUV Information 203-070 handelt es sich um eine sogenannte Praxishilfe für Elektrofachkräfte (EFK), die als zur Prüfung befähigte Personen (bP) im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) wiederkehrende Prüfungen an ortsveränderlichen elektrischen Arbeitsmitteln durchführen. Das regelmäßige Überprüfen elektrischer Arbeitsmittel soll laut der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung deren ordnungsgemäßen Zustand sicherstellen und gehört zur vorbeugenden Instandhaltung. Im Vorwort der neuen DGUV Information wird darüber hinaus herausgestellt, dass umfangreiche Kenntnisse und Erfahrungen zum Schutz vor elektrischen Gefährdungen für das ordnungsgemäße Vorbereiten und Durchführen von Prüfungen für das Prüfpersonal erforderlich sind.

Hinweis

Diese Kenntnisse müssen in angemessenen Zeitabständen – z.B. durch Teilnahme an Schulungen oder an einem einschlägigen Erfahrungsaustausch – auch grundsätzlich aktualisiert werden.

Prüfungen im DGUV-Regelwerk

DGUV-Regelwerk regelt Unfallverhütung

Das Regelwerk der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung umfasst seit 2014 die sogenannten

  • DGUV-Vorschriften,
  • DGUV-Reglen,
  • DGUV-Grundsätze und
  • DGUV-Informationen.

Das Regelwerk verpflichtet den Arbeitgeber (also den Eigentümer elektrischer Anlagen und Betriebsmittel) gegenüber den Berufsgenossenschaften, bezüglich der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes seiner Beschäftigten bestimmte technische und organisatorische Anforderungen zwingend einzuhalten. Bei Verstößen gegen Unfallverhütungsvorschriften können hohe Bußgelder von den Berufsgenossenschaften gegen den Arbeitgeber verhängt werden und – was finanziell noch entscheidender ist – auch Regressforderungen bezüglich gezahlter Renten geltend gemacht werden.

Die DGUV Vorschrift 3 als Basisvorschrift für elektrische Sicherheit

Seit 2014 hat die für die Elektrotechnik eminent wichtige Unfallverhütungsvorschrift Elektrische Anlagen und Betriebsmittel eine neue Nummerierung erhalten – aus der BGV A3 in der Fassung 2006 wurde die DGUV Vorschrift 3. Inhaltliche Änderungen waren damit nicht verbunden. In der wohl für die meisten Elektrofachkräfte einschlägigen Fassung der BG ETEM sind ebenfalls die sogenannten Durchführungsanweisungen (DA 3) aus dem Jahr 2005 enthalten. Diese enthalten weitere Erläuterungen zu Unfallverhütungsvorschriften.

Hinweis

Durchführungsanweisungen geben laut DGUV vornehmlich an, wie die in den Unfallverhütungsvorschriften normierten Schutzziele erreicht werden können. Sie schließen andere, mindestens ebenso sichere Lösungen, die in technischen Regeln anderer Mitgliedstaaten der Europäischen Union bzw. des Europäischen Wirtschaftsraums ihren Niederschlag gefunden haben können, nicht aus.

Das bedeutet für Sie als Elektrofachkraft, dass Sie die DGUV Vorschrift 3 bezüglich ihres Wortlauts unmittelbar anwenden müssen. Bei den Durchführungsanweisungen gilt dies aber nicht zwingend.

Praxistipp

Trotzdem ist zu empfehlen, genau Letzteres zu tun. Wenn Sie nämlich andere „sichere Lösungen“ wählen, sind Sie gegenüber der BG bei einem Unfall z.B. verpflichtet, nachzuweisen, dass die von Ihnen praktizierte Lösung ebenso sicher ist. Diesen Beweis müssen Sie im Falle eines Gerichtsverfahrens – meist durch ein diesbezügliches Gutachten – führen können.

Prüfungsberechtigung nach DGUV Vorschrift 3

Prüfen dürfen zunächst nur Elektrofachkräfte. Als Elektrofachkraft nach § 2 Abs. 3 DGUV Vorschrift 3 gilt, wer aufgrund seiner

  • fachlichen Ausbildung,
  • Kenntnisse und Erfahrungen sowie
  • Kenntnis der einschlägigen Bestimmungen

die ihm übertragenen Arbeiten beurteilen und mögliche Gefahren erkennen kann.

Laut Durchführungsanweisung wird die fachliche Qualifikation als Elektrofachkraft im Regelfall durch den erfolgreichen Abschluss einer Ausbildung, z.B. als Elektroingenieur, Elektrotechniker, Elektromeister oder Elektrogeselle, nachgewiesen.

Praxistipp

Die Qualifikation kann auch durch eine mehrjährige Tätigkeit mit Ausbildung in Theorie und Praxis nach Überprüfung durch eine Elektrofachkraft nachgewiesen werden. Der Nachweis ist zu dokumentieren.

Wenn Mitarbeiter, die die obigen Voraussetzungen nicht erfüllen, für festgelegte Tätigkeiten (z.B. nach § 5 Handwerksordnung) bei der Inbetriebnahme und Instandhaltung von elektrischen Betriebsmitteln eingesetzt werden, können diese durch eine entsprechende Ausbildung eine Qualifikation als „Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten (EFKffT)“ erreichen. Festgelegte Tätigkeiten sind laut Anweisung „gleichartige, sich wiederholende Arbeiten an Betriebsmitteln, die vom Unternehmer in einer Arbeitsanweisung beschrieben sind. In eigener Fachverantwortung dürfen nur solche festgelegten Tätigkeiten ausgeführt werden, für die die jeweilige Ausbildung der Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten nachgewiesen ist“. Die Durchführungsanweisung enthält noch weitere Anforderungen bezüglich der Ausbildung, die hier aber nicht dargestellt werden müssen.

 

Autor: Ernst Schneider