19.04.2016

Die innerbetriebliche Sicherheitsbeleuchtung laut Technischem Regelwerk

Wie sehr wir am Arbeitsplatz von einer stabilen und kontinuierlichen Beleuchtung abhängig sind, zeigt sich erst, wenn diese – z. B. durch einen Ausfall des Stromnetzes – zusammenbricht. Je nach Arbeitsplatz und Tätigkeit kann es dann zu kritischen Situationen kommen, wenn Beschäftigte im Dunkeln z. B. mit gefährlichen Keimen hantieren oder Leitstände von Kraftwerken oder Chemie-Anlagen überwachen. Für solche Fälle hat der Gesetzgeber die ASR A3.4/3 „Sicherheitsbeleuchtung, optische Sicherheitsleitsysteme“ geschaffen.

Die ASR A3.4/3 ist eine Technische Regel zur Arbeitsstättenverordnung. Sie befasst sich – neben den Normen und Regelwerken zur Sicherheitsbeleuchtung – mit der Lichttechnik für die Systeme zur Sicherheitsbeleuchtung.

Die Bedeutung der ASR für Unternehmen und Elektrofachkräfte

Eine Sicherheitsbeleuchtung ist in Arbeitsstätten immer dann erforderlich, wenn durch den Ausfall der Allgemeinbeleuchtung Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten gefährdet sind. Die Inhalte der Arbeitsstättenregel ASR A3.4/3 sind auch für Elektrofachkräfte relevant. Wer elektrische Anlagen zur Sicherheitsbeleuchtung installiert oder wartet, sollte um die grundlegenden Begriffe und Anforderungen wissen.

Die Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR) konkretisieren die Anforderungen der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV). Die ASR sind dabei nicht rechtsverbindlich für den Arbeitgeber. Es sind daraus keine unmittelbaren Pflichten abzuleiten.

Es gilt jedoch die Vermutungswirkung. Diese besagt, dass der Arbeitgeber / Unternehmer, der sich nach den Vorgaben der ASR richtet, davon ausgehen kann, dass er die jeweiligen auf die ASR bezogenen Vorgaben der ArbStättV einhält. Unangemeldeten Kontrollen durch die Gewerbeaufsicht oder das Amt für Arbeitsschutz kann der Betrieb dann gelassen entgegen sehen.

Hinweis: Die frühere Berufsgenossenschaftliche Regel BGR 216 „Optische Sicherheitsleitsysteme (einschließlich Sicherheitsbeleuchtung)“ wurde zurückgezogen, da ihre Inhalte durch die ASR A3.4-3 ersetzt wurden.

Sicherheitsbeleuchtung zur Unfallprävention bei Netzausfall

Die ASR A3.4/3 nennt unterschiedliche Fälle, wann eine Sicherheitsbeleuchtung erforderlich ist. Zu diesen Arbeitsbereichen mit besonderer Gefährdung zählen z. B.

  • Laborräume, und zwar dann, wenn es notwendig ist, dass Mitarbeiter einen laufenden Versuch beenden oder unterbrechen müssen, um eine akute Gefährdung von Beschäftigten und Dritten, z. B. durch eine Explosion, Brand, Freisetzen von Krankheitserregern oder giftigen Stoffen usw. zu verhindern
  • Arbeitsplätze, die aus technischen Gründen dunkel gehalten werden müssen
  • elektrische Betriebsräume und Räume für haustechnische Anlagen, die bei Ausfall der künstlichen Beleuchtung betreten werden müssen
  • Schaltwarten, Leitstände und Steuereinrichtungen für ständig zu überwachende Anlagen, z. B. Kraftwerke, chemische und metallurgische Betriebe usw.
  • Arbeitsplätze in der Nähe heißer Bäder oder Gießgruben, die aus produktionstechnischen Gründen nicht durch Geländer oder Absperrungen gesichert werden können
  • Bereiche um Arbeitsgruben, die aus arbeitsablaufbedingten Gründen nicht abgedeckt sein können
  • Arbeitsplätze auf Baustellen

Diese Liste ist nicht abschließend. Grundsätzlich gilt, dass der Arbeitgeber in seiner Gefährdungsbeurteilung ermitteln muss,

  • inwiefern alle Mitarbeiter bei Ausfall der Beleuchtung ihre Arbeitsplätze gefahrlos verlassen können
  • inwiefern bei einem Verlassen des Gebäudes nach Stromausfall Unfallgefahren drohen

Für den zweiten Punkt gilt: Unabhängig von der ASR A3.4-3 regelt die ASR A2.3 „Fluchtwege und Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan“ u. a., unter welchen Bedingungen eine Sicherheitsbeleuchtung für Fluchtwege erforderlich ist.

Sicherheitsbeleuchtung: Mindestens 15 Lux bei erhöhter Gefährdung

Die ASR A3.4/3 unterscheidet Sicherheitsbeleuchtung, langnachleuchtende Sicherheitsleitsysteme und elektrische Sicherheitsleitsysteme:

Eine Sicherheitsbeleuchtung

  • dient dem gefahrlosen Verlassen der Arbeitsstätte bei Stromausfall,
  • muss für Fluchtwege mindestens 1 Lux betragen (gemessen in 20 cm Höhe über Böden oder Stufen),
  • muss die erforderlichen 1 Lux binnen 15 Sekunden nach Ausfall der Allgemeinbeleuchtung erreichen und
  • diese für mindestens 60 Minuten aufrechterhalten.

Die genannten Werte gelten für „unverdächtige“ Arbeitsbereiche. Für alle Arbeitsbereiche mit besonderer Gefährdung gemäß ASR A3.4/3 Abs. 4.2 (s. o.) gilt:

  • Die Sicherheitsbeleuchtung sollte mindestens 15 Lux betragen. Empfohlen werden mindestens 10 Prozent der „normalen“ Beleuchtungsstärke.
  • Die Beleuchtungsstärke sollte binnen maximal 0,5 Sekunden erreicht sein.

Sicherheitsleitsystem langnachleuchtend oder elektrisch

Optische Sicherheitsleitsysteme kennzeichnen sicherer Fluchtwege durch bodennahe Markierungen. Für diese Leitsysteme schreibt die ASR vor:

  • Sie dürfen nicht höher als 40 cm über dem Fußboden liegen.
  • Sie bestehen aus Sicherheitszeichen und Leitmarkierungen.
  • Sie können langnachleuchtend ausgeführt sein oder elektrisch betrieben, auch eine Kombination beider Systeme ist möglich.
  • Auch die Umrandung von Türen in Fluchtwegen sowie eine nachleuchtende Hinterlegung von Türgriffen zählen dazu.

Langnachleuchtende Systeme leuchten nach einer Anregung durch Licht ohne Energiezufuhr von selbst nach. Dabei muss die Leuchtdichte mindestens 80 mcd/m2 nach 10 Minuten betragen.

Elektrisch betriebene Sicherheitsleitsysteme müssen im Abstand von maximal 10 Metern im Verlauf des Fluchtweges angebracht sein. Ihre Beleuchtungsstärke muss in 20 cm Höhe mindestens 1 Lux betragen. Die Stromquelle für Sicherheitszwecke muss ortsfest aufgestellt sein und darf nicht gleichzeitig für andere Zwecke genutzt werden. Besonders wichtig für Elektrofachkräfte ist Abschnitt 6 der Arbeitsstättenregel. Darin heißt es, dass der Arbeitgeber die Sicherheitsbeleuchtung und die Sicherheitsleitsysteme „in regelmäßigen Abständen sachgerecht warten und auf ihre Funktionsfähigkeit prüfen“ lassen muss. Für das Festlegen von Prüffristen sind neben der Gefährdungsbeurteilung die Angaben des Herstellers maßgeblich.

Autor: Dr. Friedhelm Kring