Fachbeitrag | Informieren und Recht
21.12.2015

Die elektrotechnisch unterwiesene Person (EuP)

In welchem Rahmen können elektrotechnisch unterwiesene Personen (EuP) für elektrotechnische Arbeiten rechtssicher eingesetzt werden? Und welche Maßnahmen (z.B. Unterweisung, Bestellung etc.) sind hierfür erforderlich? Unser Fachbeitrag gibt Antwort.

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Rechtssichere Unterweisung der EuP

Die Unterweisung für elektrotechnisch unterwiesene Personen sollte auf den Grundlagen der DGUV Vorschrift 3 „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“ und der VDE 0105-100 „Betrieb von elektrischen Anlagen, Teil 100: Allgemeine Festlegungen“ durchgeführt werden. Augenmerk sollte gelegt werden auf:

  • das Fehlen der elektrischen Regeln (§ 4 DGUV Vorschrift 3)
  • die allgemeinen Grundsätze des sicheren Betriebs (Abschn. 4 der VDE 0105-100)
  • die Arbeitsmethoden „Arbeiten in der Nähe von aktiven elektrischen Teilen“ (Abschn. 6.4 der VDE 0105-100; § 7 DGUV Vorschrift 3) und „Arbeiten im spannungsfreien Zustand (mit den fünf Sicherheitsregeln)“ (Abschn. 6.2 der VDE 0105-100; § 6 Abs. 2 DGUV Vorschrift)

Welche Arbeiten darf eine EuP nach der Unterweisung durchführen?

Elektrotechnisch unterwiesene Personen können nur für Tätigkeiten eingesetzt werden, für die sie (körperlich sowie geistig) geeignet, unterwiesen (ausgebildet) und beauftragt wurden. Tätigkeiten wie „Arbeiten unter Spannung“ (Arbeitsmethode nach Abschn. 6.3 der VDE 0105-100) und „Arbeiten an/in elektrischen Anlagen über 1 kV“ (Hochspannungsanlagen) gehören nicht dazu.

Durch ein spezielles Ausbildungsprogramm (Abschn. 6.3.2 der VDE 0105-100), das auch für Elektrofachkräfte (EFK) gilt, können elektrotechnisch unterwiesene Personen Fähigkeiten zum Arbeiten unter Spannungen erhalten.

Überwachung der EuP

Das hängt von den elektrotechnischen Tätigkeiten ab, die von den elektrotechnisch unterwiesenen Personen ausgeführt werden. Elektrotechnisch unterwiesene Personen müssen durch eine verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK) beaufsichtigt werden. Das heißt, die Elektrofachkraft (EFK) muss die Anforderungen der elektrotechnischen Tätigkeiten (Tätigkeitsmerkmale, Schwierigkeitsgrade) mit dem Können der elektrotechnisch unterwiesenen Personen (berufliche Qualifikation, Berufserfahrung, zeitnahe berufliche Tätigkeit) abgleichen/bewerten. Entsprechend dieser Bewertung durch die Elektrofachkraft sind die elektrotechnischen Tätigkeiten der elektrotechnisch unterwiesenen Personen zu planen, zu beauftragen und, wenn erforderlich, zu überprüfen.

Nur eine Elektrofachkraft kann selbstständig tätig werden und die fachliche Leitung über alle Arbeiten an der elektrischen Anlage übernehmen (Abschn. 5.1 und 5.3 der VDE 1000-10).

Bestellung der EuP

Die verantwortliche Elektrofachkraft muss vom Arbeitgeber für seine Tätigkeit beauftragt werden. Dies kann durch eine Stellenbeschreibung im Arbeitsvertrag oder durch eine Beauftragung durch den Arbeitgeber erfolgen.

Werden Mitarbeiter (Beschäftigte) als elektrotechnisch unterwiesene Personen eingesetzt, so liegt erst einmal die Auswahlverantwortung beim Arbeitgeber (Pflichten des Arbeitgebers). Wie bei der verantwortlichen Elektrofachkraft kann dies im Arbeitsvertrag oder durch eine zusätzliche Beauftragung erfolgen.

Ist eine Beauftragung erforderlich, so sollte diese folgende Inhalte haben:

  1. Name des Auftraggebers, ggf. Anschrift
  2. Name des Beauftragten (elektrotechnisch befähigte Personen), ggf. nur mit Geburtsdatum und/oder Mitarbeiternummer
  3. Angaben zu den Tätigkeitsbereichen (Arbeitsbereich)
  4. Angaben zu den Tätigkeiten, die ausgeführt werden dürfen (Tätigkeitsbeschreibung)
  5. Angaben zu Tätigkeiten, die nicht ausgeführt werden dürfen (Ausschluss)
  6. Unterschrift des Arbeitsgebers/Auftraggebers

Beispiel

Der Mitarbeiter XXX (geb. am XX.XX.XX, Mitarbeiter-Nr. XXX) darf als elektrotechnisch unterwiesene Person an der elektrischen Anlage des Unternehmens folgende Tätigkeiten ausführen:

  • Schalthandlungen (Abschn. 5.2 der VDE 0105-100) bis max. 63 A
  • Tätigkeiten zum Erhalt des ordnungsgemäßen Zustands (Messen, Erproben, Prüfen) (Abschn. 5.3 der VDE 0105-100) einschließlich wiederkehrender Prüfungen (Abschn. 5.3.101 der VDE 0105-100)
  • Arbeiten an der elektrischen Anlage nur mit den Arbeitsmethoden „Arbeiten im spannungsfreien Zustand“ (Abschn. 6.2 der VDE 0105-100) und „Arbeiten in der Nähe unter Spannung stehender Teile“ (Abschn. 6.4 der VDE 0105-100)
  • Arbeiten der Instandhaltung unter Beachtung des Abschn. 7.4 der VDE 0105-100 über Stromgrenzen für das gefahrlose Auswechseln.

Der Mitarbeiter hat die allgemeinen Grundsätze der Elektrotechnik aus der VDE 0105-100 bzw. DGUV Vorschrift 3 zu beachten.

Folgende Tätigkeiten darf der Mitarbeiter nicht durchführen:

  • Arbeitsmethode „Arbeiten unter Spannung“ (Abschn. 6.3 der VDE 0105-100)
  • Arbeiten an elektrischen Anlagen mit einer Nennspannung über 1.000 Volt

EuP: Was Sie sonst noch beachten müssen

Elektrotechnisch unterwiesene Personen sind keine 100-prozentigen Elektrofachkräfte, sie können jedoch je nach Bildungsstand für festgelegte Tätigkeiten eingesetzt werden.

Elektrotechnisch unterwiesene Personen können auch das Qualifikationsniveau von Elektrofachkräften erreicht haben, wenn sie durch die berufliche Ausbildung Kernkompetenzen der Elektromechanik, Mechatronik, Elektronik und Elektrotechnik erworben haben.

Die Verantwortung, welche elektrotechnischen Tätigkeiten welche Personen (berufliche Qualifikation, Berufserfahrung, zeitnahe berufliche Tätigkeit) ausführen dürfen, liegt immer beim Auftraggeber (Auswahlverantwortung).

Bild: © nd3000/iStock/Thinkstock

Autor: Sven Ritterbusch 

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