06.05.2021

Das richtige Messgerät kaufen

Worauf müssen Elektrofachkräfte beim Kauf eines Messgeräts eigentlich achten, wenn sie normengerecht prüfen und dokumentieren möchten? Unser Experte gibt Antwort.

Messgerät und Prüfgerät

Der Einsatz von Messgeräten mit Messwertspeicher, einer Software zum Auslesen bzw. zum Ansteuern der Geräte sollte auf dem aktuellen Stand der Technik sein. An diesem muss man sich orientieren, will man bei der Durchführung von Prüfungen rechtssicher aufgestellt sein. Dieser Beitrag informiert Sie darüber, in welchen Normen sich die Anforderungen an ein Messgerät finden.

Messgeräte: Installationstester oder Maschinentester?

Für die Auswahl eines Prüfgeräts ist grundsätzlich Folgendes zu beachten: Die DIN VDE 0100-600:2017-06 „Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 6: Prüfungen“ enthält Anforderungen an die Erstprüfung elektrischer Anlagen durch Besichtigen, Proben und Messen. Für wiederkehrende Prüfungen sind die Anforderungen in der DIN VDE 0105-100:2015-10 „Betrieb von elektrischen Anlagen – Teil 100: Betrieb von elektrischen Anlagen“ festgelegt.

Demnach muss die Wahl auf einen Installationstester (nach VDE 0100) fallen. Diese Geräte sind seit der Neuausgabe der DIN EN 60204-1 (VDE 0113-1):2019-06 „Sicherheit von Maschinen – Elektrische Ausrüstung von Maschinen – Teil 1: Allgemeine Anforderungen“ auch für die meisten Wiederholungsprüfungen elektrischer Maschinen geeignet. Der Nachweis einer niederohmigen Schutzleiterverbindung kann nun wie bei der normalen Anlagen- und Geräteprüfung mit 200 mA durchgeführt werden. Die 10-A-Methode darf sicherlich – und ist teilweise unabdingbar – weiterhin zur Anwendung gelangen.

Ein wichtiger Aspekt bei der Überprüfung der Durchgängigkeit der Schutzleiter ist in der DIN EN 60204-1 VDE 0113-1:2019-06 die zusätzliche Beurteilung der Impedanz von Fehlerschleifen. Soll dies messtechnisch erfolgen, wird in der Regel zusätzlich zum Maschinentester ein Installationstester benötigt. Konventionelle Maschinentester besitzen in der Regel keine Funktion, um Schleifenimpedanzen zu messen.

Messgerät: Sicherheitsaspekte beachten

Unterschiedliche Prüfgeräte wie Schutzmaßnahmentester nach E DIN EN 61557 VDE 0413-1:2018-03, Gerätetester nach DIN EN 61557-16 VDE 0413-16:2015-12, Maschinentester nach DIN EN 60204-1 VDE 0113-1:2019-06 und auch Messzubehör nach DIN EN 61010-031 VDE 0411-031:2016-07 müssen dennoch eines gemeinsam haben: Sie müssen den einschlägigen Hersteller- und Gerätenormen entsprechen.

Angabe der Überspannungskategorie ist erforderlich

Nicht nur die richtige Normenangabe auf den Geräten ist erforderlich, sondern auch die Angabe einer Überspannungskategorie von CAT I bis CAT IV gemäß DIN EN 61010-1. Da es beim Auftreten von Transienten (z.B. Schaltüberspannungen) zu Lichtbogenzündungen kommen kann, die an der Spannungsquelle (z.B. Stromschienen einer Hauptverteilung) zu energiereichen Entladungen führen, ist dort der Einsatz von Geräten mit einer CAT-IV-Kennzeichnung erforderlich.

Die Angabe der Kategorie ist immer mit einer Spannungsangabe gekoppelt. An Drehstromschienen einer Hauptverteilung müsste mindestens ein Gerät mit CAT IV 400 V zum Einsatz gelangen. Generell dürfen nur geprüfte und regelmäßig kalibrierte Geräte benutzt werden. Daher sollte auf ein Kalibrierzertifikat und eine Erstprüfung des Herstellers geachtet werden.

Messgerät: Stromversorgung

Ein kritischer Punkt ist die Stromversorgung der Geräte. Akku- oder Batteriebetrieb ist Standard. Einige Geräte bieten eine Ladebuchse, damit ein Akkutausch entfallen kann bzw. eine Netzspeisung ermöglicht wird.

Messgeräte für Schleifenimpedanzmessung

Bei der Schleifenimpedanzmessung lässt die Norm eine Betriebsmessunsicherheit von ± 30 Prozent zu. Diese setzt sich aus der Toleranz der Messgeräte, Netzschwankungen während der Messung und aus den Beeinflussungen durch Umgebungsbedingungen (Temperatur, Luftfeuchte, Lage usw.) zusammen. Gute Prüfgeräte liefern anhand patentierter Interpolationsmethoden und mittels regelmäßiger Kalibrierung jedoch bedeutend bessere Messergebnisse.

Auf ein normativ nicht gefordertes Messverfahren, die Schleifenimpedanz hinter einer Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) zu bestimmen, kann verzichtet werden, da die Einhaltung der geforderten Abschaltzeit eben durch die Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) nachgewiesen werden muss. Aus diesem Grund ist eine integrierter Tester für Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen mit Auslösestrom, Auslösezeit und Berührungsspannungsmessung obligatorisch.

Nach DIN VDE 0100-410:2018-10 kann die Abschaltung durch die Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) mit dem fünffachen Nennstrom erfolgen. Bei Weitem nicht alle Installationstester können Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) größer 30 mA mit dem fünffachen Strom testen. Zunehmend werden auch allstromsensitive Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) eingesetzt. Bei diesen ist zusätzlich auch das Ansprechen auf Gleichfehlerströme messtechnisch zu prüfen.

Ein Messverfahren zur Bestimmung des Erdungswiderstands ist für wiederkehrende Prüfungen kein Muss, vielmehr sind Messwerte zu ermitteln, die eine Beurteilung der wirksamen Schutzmaßnahme unter Fehlerbedingungen ermöglichen. Dazu gehören z.B. Schleifenimpedanz, Schutzleiterwiderstand, Auslösezeit und Auslösestrom von Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen, Ansprechwert von Isolationsüberwachungseinrichtungen.

Dokumentation im Prüfprotokoll

Sicherlich ist es sinnvoll, ein Prüfgerät zu betreiben, mit dem es so wenig wie möglich der Nachbearbeitung einer Prüfung bedarf, um ein geeignetes Prüfprotokoll zu erhalten. Leider ist es gerade im Bereich von ortsfesten Anlagen immer ein Kompromiss, den man im Bezug auf komfortables Messen, Geschwindigkeit bei der Prüfung und Umfang der Nachbearbeitung bis zum fertigen Protokoll eingehen muss. Gängige Vorgehensweise ist z.B. der Einsatz von Barcodescannern. Eine weitere Methode ist das Erstellen von kompletten Anlagenbäumen vorab am PC.

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Autor: Mirko Engert