22.12.2016

Bestellung zur elektrotechnisch unterwiesenen Person (EuP)

Muss eine elektrotechnisch unterwiesene Person unbedingt schriftlich bestellt werden? Die Betriebssicherheitsverordnung 2015 (BetrSichV) und andere Rechtstexte verlangen hier Transparenz und Klarheit. Was Sie bei der Bestellung zur elektrotechnisch unterwiesenen Person beachten müssen, erläutert dieser Fachbeitrag.

Zusätzlich zu den rechtlichen Vorgaben gibt es die Auswahlverantwortung, Fürsorgepflicht u.Ä., woran Sie im Falle eines Falles vor Gericht erinnert werden. Deshalb ist es besser, von vorn herein Klarheit und Sicherheit für alle Beteiligten zu schaffen. Nur so kann der Alltag reibungsfrei und sicher ablaufen. Missverständnisse und Vielleichts führen zu leicht zu Unfällen, die für keinen der Beteiligten angenehm sind.

Was ist eine elektrotechnisch unterwiesene Person?

Eine elektrotechnisch unterwiesene Person (EuP) ist, wer durch eine Elektrofachkraft (EFK) über die ihr übertragenen Aufgaben und die möglichen Gefahren bei unsachgemäßem Verhalten unterrichtet und erforderlichenfalls angelernt sowie über die notwendigen Schutzeinrichtungen und Schutzmaßnahmen belehrt wurde.

Elektrotechnisch unterwiesene Person: Voraussetzungen

Nach VDE 1000-10 müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein, um als elektrotechnisch unterwiesene Person tätig werden zu können:

  • Unterweisung durch eine Elektrofachkraft
  • Erläutern der übertragenen Aufgaben
  • Sensibilisierung für die möglichen Gefahren bei unsachgemäßem Verhalten
  • Information über notwendige Schutzeinrichtungen und Schutzmaßnahmen
  • Anlernen, soweit dies für die auszuführende Tätigkeit erforderlich ist

Bei der elektrotechnisch unterwiesenen Person werden nur Kenntnisse für die ihr übertragenen Aufgaben vorausgesetzt. Die Unterrichtung durch eine Elektrofachkraft darf sich also auf diesen begrenzten Bereich beschränken. Sie muss sich nach dem Umfang der übertragenen Aufgaben, aber auch nach den örtlichen Verhältnissen richten.

Achtung!

Da dieser Personenkreis demnach nur einen begrenzten Wissensstand hat, muss mit dem Begriff elektrotechnisch unterwiesene Person gedanklich immer der Zusatz „unterwiesen für eine bestimmte Arbeit“ verbunden werden. Wenn der elektrotechnisch unterwiesenen Person die „Aufsichtführung“ bzw. „Beaufsichtigung“ von Laien übertragen wird, muss die Unterweisung durch die Elektrofachkraft umfassender sein als wenn sie allein eine begrenzte Aufgabe auszuführen hat.

Unterweisung der elektrotechnisch unterwiesenen Person

Die elektrotechnisch unterwiesene Person ist oft nicht in der Lage, von sich aus die mit ihrer Tätigkeit verbundenen Gefahren zu erkennen. Deswegen ist es sehr wichtig, dass mit der Unterrichtung für die übertragenen Aufgaben auch eine Information über mögliche Gefahren verbunden ist. Diese Gefahren können in der Tätigkeit selbst oder dem Arbeitsumfeld begründet sein, sie können aber auch erst bei unsachgemäßem Verhalten entstehen.

Wenn die zu verrichtende Tätigkeit höhere Anforderungen stellt, kann es erforderlich sein, die elektrotechnisch unterwiesene Person nicht nur zu unterrichten, sondern sie für diese Tätigkeit anzulernen. Mit der Unterrichtung und dem Anlernen muss immer eine Information über die im jeweiligen Fall notwendigen Schutzeinrichtungen und Schutzmaßnahmen einhergehen.

Wenn alle Unterweisungen erfolgt sind, kann vorausgesetzt werden, dass die elektrotechnisch unterwiesene Person auch die Fähigkeit besitzt, fachgerecht zu arbeiten und sich richtig zu verhalten. Hiervon muss sich die Elektrofachkraft, unter deren „Leitung und Aufsicht“ die elektrotechnisch unterwiesene Person arbeitet, durch regelmäßiges Kontrollieren überzeugen.

Einsatzbereiche der EuP

Elektrotechnisch unterwiesene Personen können die Elektrofachkräfte im Betrieb sehr wirksam unterstützen. Sie dürfen jedoch keinesfalls selbstständig Maschinen, Anlagen oder Geräte errichten, ändern oder instand halten. Daher arbeiten Sie immer unter Leitung und Aufsicht einer Elektrofachkraft (Pate).

Ausbildung zur elektrotechnisch unterwiesenen Person

Die Ausbildung zur elektrotechnisch unterwiesenen Person hat folgende Ziele:

  1. Erweiterung des Wissens, z.B. über die Instandhaltungsabteilung
  2. dadurch Steigerung der Eigenverantwortung und Motivation der Mitarbeiter
  3. Steigerung der Produktivität durch effektivere Behebung von Störungen
  4. Steigerung der Arbeitssicherheit durch regelmäßige Besprechung möglicher Gefahren und dem richtigen und sicheren Umgang mit diesen Situationen
  5. Erfüllung der Fortbildungspflicht des Unternehmers

Die als elektrotechnisch unterwiesene Person ausgebildeten Mitarbeiter, z.B. der Instandhaltungsabteilung, dürfen danach die in ihrer Bestellung aufgeführten Arbeiten an elektrischen Bauteilen in ihrem Arbeitsbereich fachgerecht, aber ohne eigene Fachverantwortung, durchführen.

Die Mitarbeiter werden im Sinne der VDE-Bestimmungen (VDE 0105-100) zu elektrotechnisch unterwiesenen Personen qualifiziert. Sie lernen ihre Aufgaben und die damit verbundene Verantwortung kennen.

Autor: Stefan Euler