Fachbeitrag | Informieren und Recht
06.06.2016

Auszubildende im Elektrohandwerk

Die Verträge sind unterschrieben, in knapp drei Monaten starten die neuen Ausbildungsjahrgänge. Auch im Elektrohandwerk betreten allerorten Schulabgänger zum ersten Mal ihre Arbeitsstätte. Für die Beschäftigung dieser Jugendlichen hat der Gesetzgeber zu deren besonderem Schutz einige Rahmenbedingungen festgelegt. Lesen Sie hier die wichtigsten Punkte, die Ausbilder im Elektrohandwerk kennen sollten.

Bild: © lisafx/ iStock/ ThinkstockBild: © lisafx/​iStock/​Thinkstock

Die ersten Tage im Betrieb können den weiteren beruflichen Weg eines Jugendlichen entscheidend prägen. Fühlt er sich angenommen und aufgenommen, wertgeschätzt und motiviert? Oder bekommt er von Anfang das Gefühl, nur billige Arbeitskraft zu sein? Ausbildenden Elektrofachkräften und Meistern im Elektrohandwerk kommt daher eine besondere Verantwortung für ihre Schützlinge zu.

Auszubildende: Start in einen neuen Lebensabschnitt

Arbeits- und damit auch Elektrosicherheit sollten jedem Auszubildenden von Beginn an klar und verbindlich vermittelt werden. Führen Sie sich vor Augen, dass die Jugendlichen von Arbeitssicherheit, Unfallverhütung und Gesundheitsschutz in ihrem bisherigen Leben vielleicht noch nichts oder nur wenig gehört haben. Arbeitgeber, Führungskräfte und Ausbilder stehen daher in einer besonderen Fürsorgepflicht und müssen über jede Sicherheitsregel in ihrem Betrieb gründlich informieren. Dazu gehören auch die Aspekte, die mit der Ausbildung als Elektroinstallateur oder Systemelektroniker nicht direkt zu tun haben wie etwa Brandschutz, Umweltschutz oder Datenschutz.

Bewährt hat sich, die wichtigsten Betriebsräume der Arbeitsstätte einmal gemeinsam abzugehen. Die Neuankömmlinge sollten dabei die folgenden Standorte kennenlernen:

  • Sanitär- und Pausenräume
  • Feuerlöscheinrichtungen wie Feuerlöscher, Schläuche, Löschdecken usw.
  • Flucht- und Rettungswege und deren Kennzeichnung
  • Erste-Hilfe-Räume und Büro des Betriebsarztes
  • Erste-Hilfe-Einrichtungen wie Verbandkästen, Tragen, Defibrillatoren usw.

Weisen Sie bei diesem Rundgang auch auf die Räume und Zuständigkeiten wichtiger betrieblicher Akteure in Sachen Schutz und Sicherheit hin wie Brandschutzbeauftragter, Fachkraft für Arbeitssicherheit, ggf. Umweltbeauftragte usw.

Pflicht für Auszubildende: halbjährliche Sicherheitsunterweisungen

Für Jugendliche unter 18 Jahren hat der Gesetzgeber verschärfte Anforderungen an die Unterweisungspflichten festgelegt. Denn Auszubildende zählen neben Praktikanten, Schwangeren und Leiharbeitnehmern zu den besonders gefährdeten Personengruppen.

Der Arbeitgeber muss sicherstellen, dass alle Auszubildenden in seinem Unternehmen eine Sicherheitsunterweisung erhalten, und zwar

  • vor Beginn der Ausbildung/Beschäftigung
  • mindestens halbjährlich
  • vor jedem Wechsel der Arbeitsbedingungen, z. B. neue Tätigkeiten oder Aufgaben an anderen Maschinen
  • vor allen gefährlichen Arbeiten oder solchen, bei denen Jugendliche mit gesundheitsgefährdenden Stoffen in Berührung kommen

Achtung: Für diese Pflichten gibt es keine Übergangsregelungen, sie gelten vom ersten Ausbildungstag an. Sie dürfen – auch wenn das noch so gut gemeint ist – z. B. auf keinen Fall Ihre Schützlinge zunächst ein paar Tage an verschiedenen Arbeitsplätzen den Betrieb kennenlernen lassen, um dann, wenn es „richtig“ los geht, mit dem Unterweisen zu beginnen.

Allgemeine Erstunterweisung für Auszubildende

In vielen Betrieben bewährt hat sich ein Aufteilen der Unterweisung in eine allgemeine Erstunterweisung und eine auf den Arbeitsplatz und die Tätigkeit bezogene speziellere Unterweisung. Der allgemeine Teil umfasst die sicherheitsrelevanten betriebsübergreifenden Aspekte. Nach dem Besuch dieses Teils sollten Ihre Auszubildenden u. a. Folgendes wissen:

  • Ich muss bei allen Tätigkeiten die dafür vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung (PSA) tragen bzw. benutzen.
  • Ich weiß, wo ich meine PSA erhalte und wo ich sie aufbewahre.
  • Ich kenne die Bedeutung der im Betrieb vorhandenen Sicherheitskennzeichnungen, Gebotsschulder, Warnhinweise usw.
  • Ich darf keine Arbeiten ausführen und keine Maschine bedienen, bevor ich dazu nicht unterwiesen wurde.
  • Wenn ich einen Defekt an einer Maschine oder ein mangelhaftes Werkzeug erkenne, muss ich dies sofort meinem Vorgesetzten melden.
  • Ich weiß, wie ich mich bei einem Unfall verhalte, wohin und auf welche Weise ich einen Unfall melde und wie ich Ersthelfer finde.
  • Ich weiß, wo ich Verbandmaterialien und (sofern vorhanden) Augenspülstationen und Notduschen finde.
  • Ich weiß, was bei einem Feuer zu tun ist, wie und wem ich einen Brand melde, wo ich welche Löschmittel finde und welche ich auf welche Weise benutzen sollte.
  • Ich weiß, wie ich den Betriebsarzt, die Fachkraft für Arbeitssicherheit und die Sicherheitsbeauftragten finde.

Auch Vorgaben zur Arbeitskleidung, zum Tragen von Schmuck oder Armbanduhren, zum Benutzen von Handys und selbstverständlich zum Verbot von Alkohol und Drogen gehören in eine solche Erstunterweisung.

Arbeitsplatzbezogene Unterweisung

Die arbeitsplatzbezogene Unterweisung sollte sich möglichst konkret auf die Werkzeuge, Maschinen, Geräte, Materialien und Gefährdungen der jeweiligen Tätigkeit beziehen. Bitte beachten Sie, dass Sie sich den Unterweisungsnachweis von den teilnehmenden Jugendlichen unterzeichnen lassen.

So lange dürfen jugendliche Auszubildende arbeiten

Sie dürfen Jugendliche unter 18 Jahren laut Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) nur einsetzen:

  • von Montag bis Freitag
  • von 6 bis 18 Uhr
  • für maximal 8 Stunden am Tag
  • für maximal 40 Stunden pro Woche.
  • mit mindestens 30 Minuten Pause ab 4,5 Stunden Arbeit und mindestens 60 Minuten Pause ab 6 Stunden Arbeitszeit

Von diesen strikten Vorgaben zum Jugendarbeitsschutz gibt es viele Ausnahmen. z. B. für die Gastronomie, in Krankenhäusern, in der Altenpflege, in der Landwirtschaft, in Bäckereien usw., die jedoch für Auszubildende im Elektrohandwerk nur selten zutreffen dürften.

Diese Tätigkeiten sind für Jugendliche verboten

Verboten für Jugendliche unter 18 Jahren sind

  • Akkord- und Fließbandarbeit
  • Arbeiten mit einer Gefährdung durch Hitze, Kälte, Nässe, Lärm oder Strahlung
  • Arbeiten mit Gefahrstoffen oder Biostoffen (Bakterien, Viren, Keime)
  • Tätigkeiten, bei denen Jugendliche die Unfallgefahren nicht richtig einschätzen

Die genannten Tätigkeiten sind nur dann erlaubt, wenn Sie zum Erreichen des Ausbildungsziels notwendig sind UND wenn Sie unter Aufsicht erfolgen.

Zu guter Letzt: Achten Sie darauf, dass jeder neue Auszubildende eine Bescheinigung über die laut JArbSchG vorgeschriebene ärztliche Untersuchung vorlegt.

Bild: © lisafx/iStock/Thinkstock

Autor: Dr. Friedhelm Kring 

Produkte und Veranstaltungen

Produktempfehlungen