10.05.2021

Auszubildende im Elektrohandwerk

Im Jahr 2020 ist die Zahl der neuen Ausbildungsverträge in Deutschland gegenüber dem Vorjahr um 9,4 % gesunken, wie das Statistische Bundesamt jetzt mitgeteilt hat. Besonders stark betroffen waren die Ausbildungsverträge im Handel. Im Handwerk betrug der Rückgang etwas weniger, insgesamt 6,6 %. Sie sind Ausbilder im Elektrohandwerk und haben trotz der widrigen Bedingungen der Corona-Krise neue Ausbildungsverträge abgeschlossen? Dann haben wir einige Tipps für Sie.

Auszubildende im Elektrohandwerk

Förderung von Ausbildungsplätzen durch den Bund

Mit ihrem Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ unterstützt der Staat diejenigen Betriebe, die von der Corona-Krise betroffen sind, aber trotzdem Jugendliche ausbilden. Das betrifft natürlich auch Auszubildende im Elektrohandwerk. Diese Förderungen gibt es:

Ausbildungsprämie und Ausbildungsprämie plus

Gilt für kleine und mittlere Unternehmen mit bis zu 249 Beschäftigten. Das Unternehmen ist erheblich von der Corona-Krise betroffen, hat aber 2020/2021 trotzdem genauso viele Ausbildungsverträge geschlossen wie sonst im Durchschnitt. Hier gibt es eine Prämie von 2.000 Euro je Ausbildungsvertrag. Wenn das Unternehmen darüber hinaus Ausbildungsverträge abgeschlossen hat, gibt es pro Vertrag die Ausbildungsprämie plus mit 3.000 Euro. Mehr Informationen gibt es auf der Webseite der Bundesagentur für Arbeit: Ausbildungsprämie auf arbeitsagentur.de

Zuschuss zur Vermeidung von Kurzarbeit

Der Betrieb ist infolge der Pandemie in Kurzarbeit, die Ausbildung läuft aber trotzdem weiter? Dann unterstützt der Staat, um Kurzarbeit für die Auszubildenden zu vermeiden. Weitere Informationen finden Sie hier: Zuschuss Ausbildungsvergütung auf arbeitsagentur.de

Übernahmeprämie für Auszubildende

Hat das Unternehmen aus einem anderen Unternehmen, welches durch die Corona-Krise geschädigt wurde, Auszubildende übernommen? Dann kann ebenfalls staatliche Unterstützung beantragt werden: Übernahmeprämie auf arbeitsagentur.de

Sonderzuschuss für Kleinstunternehmen

Die vierte Maßnahme betrifft Unternehmen mit höchstens vier Beschäftigten. Musste dort die Geschäftstätigkeit eingestellt oder stark eingeschränkt werden, wird aber trotzdem weiter ausgebildet, gibt es die Möglichkeit des sogenannten Lockdown-II-Sonderzuschusses für Kleinstunternehmen: Sonderzuschuss auf arbeitsagentur.de

Im Folgenden haben wir noch einige praktische Tipps für Ausbilder im Elektrohandwerk, vor allem zu den notwendigen Unterweisungen der Auszubildenden.

Auszubildende: Start in einen neuen Lebensabschnitt

Arbeits- und damit auch Elektrosicherheit sollten jedem Auszubildenden von Beginn an klar und verbindlich vermittelt werden. Führen Sie sich vor Augen, dass die Jugendlichen von Arbeitssicherheit, Unfallverhütung und Gesundheitsschutz in ihrem bisherigen Leben vielleicht noch nichts oder nur wenig gehört haben.

Arbeitgeber, Führungskräfte und Ausbilder stehen daher in einer besonderen Fürsorgepflicht und müssen über jede Sicherheitsregel in ihrem Betrieb gründlich informieren. Dazu gehören auch die Aspekte, die mit der Ausbildung als Elektroinstallateur oder Systemelektroniker nicht direkt zu tun haben wie etwa Brandschutz, Umweltschutz oder Datenschutz.

Bewährt hat sich, die wichtigsten Betriebsräume der Arbeitsstätte einmal gemeinsam abzugehen. Die Auszubildenden sollten die folgenden Standorte kennenlernen:

  • Sanitär- und Pausenräume
  • Feuerlöscheinrichtungen wie Feuerlöscher, Schläuche, Löschdecken usw.
  • Flucht- und Rettungswege und deren Kennzeichnung
  • Erste-Hilfe-Räume und Büro des Betriebsarztes
  • Erste-Hilfe-Einrichtungen wie Verbandkästen, Tragen, Defibrillatoren usw.

Weisen Sie bei diesem Rundgang auch auf die Räume und Zuständigkeiten wichtiger betrieblicher Akteure in Sachen Schutz und Sicherheit hin wie Brandschutzbeauftragter, Fachkraft für Arbeitssicherheit, ggf. Umweltbeauftragte usw.

Pflicht für Auszubildende: halbjährliche Sicherheitsunterweisungen

Für Jugendliche unter 18 Jahren hat der Gesetzgeber verschärfte Anforderungen an die Unterweisungspflichten festgelegt. Denn Auszubildende zählen neben Praktikanten, Schwangeren und Leiharbeitnehmern zu den besonders gefährdeten Personengruppen.

Der Arbeitgeber muss sicherstellen, dass alle Auszubildenden in seinem Unternehmen eine Sicherheitsunterweisung erhalten, und zwar

  • vor Beginn der Ausbildung/Beschäftigung
  • mindestens halbjährlich
  • vor jedem Wechsel der Arbeitsbedingungen, z. B. neue Tätigkeiten oder Aufgaben an anderen Maschinen
  • vor allen gefährlichen Arbeiten oder solchen, bei denen Jugendliche mit gesundheitsgefährdenden Stoffen in Berührung kommen

Achtung: Für diese Pflichten gibt es keine Übergangsregelungen, sie gelten vom ersten Ausbildungstag an. Sie dürfen – auch wenn das noch so gut gemeint ist – z. B. auf keinen Fall Ihre Schützlinge zunächst ein paar Tage an verschiedenen Arbeitsplätzen den Betrieb kennenlernen lassen, um dann, wenn es „richtig“ los geht, mit dem Unterweisen zu beginnen.

Allgemeine Erstunterweisung für Auszubildende

In vielen Betrieben bewährt hat sich ein Aufteilen der Unterweisung in eine allgemeine Erstunterweisung und eine auf den Arbeitsplatz und die Tätigkeit bezogene speziellere Unterweisung. Der allgemeine Teil umfasst die sicherheitsrelevanten betriebsübergreifenden Aspekte. Nach dem Besuch dieses Teils sollten Ihre Auszubildenden u. a. Folgendes wissen:

  • Ich muss bei allen Tätigkeiten die dafür vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung (PSA) tragen bzw. benutzen.
  • Ich weiß, wo ich meine PSA erhalte und wo ich sie aufbewahre.
  • Ich kenne die Bedeutung der im Betrieb vorhandenen Sicherheitskennzeichnungen, Gebotsschulder, Warnhinweise usw.
  • Ich darf keine Arbeiten ausführen und keine Maschine bedienen, bevor ich dazu nicht unterwiesen wurde.
  • Wenn ich einen Defekt an einer Maschine oder ein mangelhaftes Werkzeug erkenne, muss ich dies sofort meinem Vorgesetzten melden.
  • Ich weiß, wie ich mich bei einem Unfall verhalte, wohin und auf welche Weise ich einen Unfall melde und wie ich Ersthelfer finde.
  • Ich weiß, wo ich Verbandmaterialien und (sofern vorhanden) Augenspülstationen und Notduschen finde.
  • Ich weiß, was bei einem Feuer zu tun ist, wie und wem ich einen Brand melde, wo ich welche Löschmittel finde und welche ich auf welche Weise benutzen sollte.
  • Ich weiß, wie ich den Betriebsarzt, die Fachkraft für Arbeitssicherheit und die Sicherheitsbeauftragten finde.

Auch Vorgaben zur Arbeitskleidung, zum Tragen von Schmuck oder Armbanduhren, zum Benutzen von Handys und selbstverständlich zum Verbot von Alkohol und Drogen gehören in eine solche Erstunterweisung.

Arbeitsplatzbezogene Unterweisung

Die arbeitsplatzbezogene Unterweisung sollte sich möglichst konkret auf die Werkzeuge, Maschinen, Geräte, Materialien und Gefährdungen der jeweiligen Tätigkeit beziehen. Bitte beachten Sie, dass Sie sich den Unterweisungsnachweis von den teilnehmenden Jugendlichen unterzeichnen lassen.

Weitere Beiträge

Autor: Dr. Friedhelm Kring