Fachbeitrag | Information 30.08.2016

Anforderungsprofil an die Elektrofachkraft

Elektrofachkraft ist keine Qualifikation, die man durch eine klassische Berufsausbildung erwirbt. Vielmehr ist Elektrofachkraft ein Status, für den neben der Ausbildung noch weitere Anforderungen nötig sind. Welche das sind, erläutert dieser Fachbeitrag.

Grundlegendes zum Status Elektrofachkraft

In der DGUV Vorschrift 3 heißt es zum Thema Elektrofachkraft:

„Als Elektrofachkraft im Sinne dieser Unfallverhütungsvorschrift gilt, wer aufgrund seiner fachlichen Ausbildung, Kenntnisse und Erfahrungen sowie Kenntnis der einschlägigen Bestimmungen die ihm übertragenen Arbeiten beurteilen und mögliche Gefahren erkennen kann.“

Die DIN VDE 1000-10 und die DIN VDE 0105-100 lehnen sich an diese Definition an. Elektrofachkraft ist danach, wer aufgrund der Ausbildung, erworbenen Kenntnissen und Erfahrung die übertragenen Arbeiten beurteilen kann. Dazu ist auch ein Wissen über die anzuwendenden Vorschriften, Bestimmungen und Regeln der Technik nötig. Ebenso müssen bei der Arbeit auftretende Gefahren erkannt werden. Das bedeutet also, dass die Elektrofachkraft diese Arbeiten in eigener Verantwortung fachlich einwandfrei und sicher ausführen kann. Es ist also nur derjenige Elektrofachkraft, der über das für die auszuführende Arbeit nötige Wissen und die Fähigkeit zur Durchführung derselben verfügt.

Elektrofachkraft: wichtige Hinweise

Drei Punkte sind im Zusammenhang mit dem Status einer Elektrofachkraft besonders zu beachten:

  • Aufgrund der speziellen Eigenschaften der elektrischen Energie, die für einen Laien häufig schwer verständlich sind, trägt die Elektrofachkraft eine besondere Fachverantwortung.
  • Da die Vielfalt der Anwendungen der elektrischen Energie inzwischen sehr groß geworden ist, ist es unrealistisch, eine „Universal-Elektrofachkraft“ auszubilden.
  • Aufgrund der o.g. Punkte und der fachlichen Kompetenz der Elektrofachkraft muss ihr in ihrem Bereich eine große Unabhängigkeit zugestanden werden. (Darf z.B. von elektrotechnischen Laien keine Weisungen über die Arbeitsausführungen in ihrem Fachgebiet erhalten.)

Ausbildung einer Elektrofachkraft

Üblicherweise gelten folgende Ausbildungen als Nachweis der Fachkunde auf dem jeweiligen Gebiet:

  • Elektroinstallateur
  • Informationselektroniker
  • Energieanlagenelektroniker
  • Elektromaschinenbauer
  • Mechatroniker
  • entsprechende weiterführende Ausbildungen zum Ingenieur, Techniker oder Meister

Auch eine mehrjährige Tätigkeit auf dem jeweiligen Gebiet mit ergänzender Qualifizierung und nachgewiesener (interner) Prüfung ist möglich.

Verantwortung des Vorgesetzten

Trotzdem ist es nötig diese Kenntnisse und das Wissen für die jeweilige Arbeit (Auswahlverantwortung) durch die verantwortliche Elektrofachkraft in regelmäßigen Abständen zu überprüfen (Unterweisungspflicht) und durch Fortbildungen auf dem aktuellen Stand zu halten.

Aufgaben einer Elektrofachkraft

Zu den grundlegenden Aufgaben einer Elektrofachkraft gehören die Installation sowie die Wartung elektrischer Anlagen. Hier reichen die Arbeiten vom einfachen Installieren bis hin zur Fehlerbeseitigung im laufenden Betrieb. Letzteres bedarf sorgfältiger Auswahl seitens des Vorgesetzten (Sorgfaltspflicht). Hier gilt es, die Ausbildung sowie die Tagesform des Mitarbeiters zu beachten. Jemand, der z.B. aufgrund zu hoher persönlicher Belastungen nicht in der Lage ist, sich ausreichend zu konzentrieren, darf keine Arbeiten an unter Spannung stehenden Teilen vornehmen.

Arbeiten in der Nähe von unter Spannung stehender Teile (AiN)

Häufig werden Arbeiten an elektrischen Anlagen im freigeschalteten Zustand, aber in der Nähe zu unter Spannung stehenden Teilen durchgeführt. Die meisten Unfälle mit elektrischem Strom passieren bei ungewollter Berührung. Deshalb sind die Schutzzonen zu berührbaren unter Spannung stehenden Teilen einzuhalten. Im Niederspannungsbereich ist das ein Abstand von 0,5 m. Wird dieser Abstand unterschritten, sind zusätzliche Schutzmaßnahmen nötig.

Sollen Arbeiten sogar an unter Spannung stehenden Teilen durchgeführt werden, ist für die Durchführung eine speziell ausgebildete Elektrofachkraft nötig (Ausbildung und Unterweisung zu Arbeiten an unter Spannung stehenden Teilen).

Einsatzgebiete einer Elektrofachkraft

Viele Elektrofachkräfte werden auch als Arbeitsverantwortliche eingesetzt. Sei es für Kollegen, elektrotechnisch unterwiesene Personen (EuP) oder auch für elektrotechnische Laien als Aufsicht. Hierdurch werden sie im juristischen Sinne zu Vorgesetzten.

Autor: Stefan Euler