23.01.2019

Wo Kobalt herkommt: Ford und IBM dokumentieren das nun per Blockchain

Kobalt – kaum ein Rohstoff ist so umstritten. Ohne ihn kein Handy, keine Batterien, keine E-Mobilität. Doch wo er abgebaut wird, in erster Linie im Kongo, da herrschen Unmenschlichkeit, Zwangs- und Kinderarbeit. Ford und IBM wollen dem auf die Schliche kommen – mithilfe von Blockchain.

Ford und IBM dokumentieren Kobalt-Herkunft zukünftig per Blockchain.

Begehrter Konfliktrohstoff

Kobalt ist ein Konfliktrohstoff. Man benötigt es für Lithium-Ionen-Batterien, die beispielsweise in Elektrofahrzeugen verwendet werden. Einem Bericht der US-Investmentbank Morgan Stanley zufolge soll sich die Nachfrage bis 2026 vervierfachen. Abgebaut wird es hauptsächlich in der Demokratischen Republik Kongo – oft unter menschenunwürdigen Bedingungen, wie „bizz-energy.com“ schreibt. Die Plattform beruft sich auf Berichte über Zwangs- und Kinderarbeit. Die Erlöse aus dem Rohstoffabbau landen demgegenüber in den Taschen kongolesischer Kriegsfürsten.

Ford startet Pilotprojekt zur Nachverfolgung

Dem Treiben will Autobauer Ford nicht länger tatenlos zusehen. Zusammen mit Computerbauer IBM startet der Konzern ein Pilotprojekt, um die Herkunft von Kobalt sicher nachzuverfolgen. Hebel dafür ist eine von IBM bereitgestellte Blockchain-Technologie. An dem Pilotprojekt sind Unternehmen aus allen Stufen der Wertschöpfungskette beteiligt. Sie wollen ein offenes Blockchain-Netzwerk schaffen, in dem die Rohstoffe verantwortungsvoll produziert, gehandelt und verarbeitet werden.

Mithilfe der Blockchain hat jeder Teilnehmer des Pilotprojektes jederzeit einen uneingeschränkten Einblick in die Daten. So könne jeder Teilnehmer in dem Netzwerk nachvollziehen, wo genau das Kobalt herkommt. Als dezentrale Datenbank bietet die Technologie gute Voraussetzungen für sichere Herkunftsnachweise.

Transparenz in globaler Lieferkette

„Wir setzen uns weiter für Transparenz in unserer globalen Lieferkette ein“, zitiert die Energie-Plattform Ford-Managerin Lisa Drake.
Durch die Zusammenarbeit in dem Netzwerk und die moderne Technologie wolle man dazu beitragen, Menschenrechte und Umwelt bei der Förderung zu schützen. Die Nachfrage nach Kobalt werde weiter steigen.
Vor diesem Hintergrund wolle man aufzeigen, „wie die Blockchain für mehr Sicherheit in Bezug auf die soziale Verantwortung in der Bergbauversorgungskette eingesetzt werden kann“, kommt in dem Bericht IBM-Manager Manish Chawla zu Wort.
Die Technik soll auch anderen Industrien offenstehen. Das Projekt will man über Kobalt hinaus auf andere Batteriemetalle und -rohstoffe ausdehnen wie Tantal, Zinn, Wolfram und Gold sowie Seltene Erden. Sie gelten ebenfalls als Konfliktmineralien. Zu den Industrien, in denen die Mineralien verwendet werden, zählen neben der Automobilindustrie auch Luft- und Raumfahrt, Verteidigung und Unterhaltungselektronik.

Simulation eines Beschaffungsszenarios

Das Pilotprojekt soll voraussichtlich Mitte dieses Jahres abgeschlossen sein. Es simuliert dem Bericht auf „bizz-energy.com“ zufolge ein Beschaffungsszenario. Es verfolgt das in der Huayou-Mine im Kongo produzierte Kobalt über die gesamte Lieferkette hinweg – von der Mine und der Schmelze über die Batterieanlage von LG Chem bis zum Ford-Werk in den USA.

Ein unveränderlicher Prüfpfad in der Blockchain enthält alle Daten, um die Kobaltproduktion lückenlos nachzuweisen. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bewerte die Teilnehmer des Netzwerks anhand ihrer Standards für verantwortungsbewusste Beschaffung.

Auslaufmodell als Batterie-Rohstoff?

Der Preis für Kobalt hatte sich an den Rohstoffbörsen in den vergangenen drei Jahren laut Angaben verdoppelt, sinke aber seit Ende 2018 von durchschnittlich 86,54 Euro an der Londoner Metallbörse auf mittlerweile noch 46,85 Euro. Einen möglichen Grund sieht „bizz-energy.com“ in den Anstrengungen der Industrie, den Kobalt-Anteil in Batterien zugunsten von Nickel als vielversprechender Ersatz-Rohstoff zu verringern.

Neue Lithium-Ionen-Batterien, sogenannte NMC-Zellen, hätten einen Anteil von 60 Prozent Nickel und nur noch 20 Prozent Mangan und Kobalt. Der Kobalt-Anteil könnte nach Ansicht von Experten auf zehn Prozent sinken. Der US-Autobauer Tesla will die Batterien seines Partners Panasonic für das Model 3 verwenden, die nur noch 2,8 Prozent Kobalt enthalten sollen, die nächste Batterie-Generation sogar gar kein Kobalt mehr.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)