18.07.2018

Was die US-Strafzölle für den Einkauf deutscher Unternehmen bedeuten

An dieser Stelle hat er sich nicht versprochen, der amerikanische Präsident. Die US-Strafzölle sind Wirklichkeit geworden und bereiten der deutschen Wirtschaft Sorgen. Die Gegenzölle der EU beschäftigen vor allem den Einkauf in den Unternehmen. Er sollte sich in verschiedene Richtungen absichern, meint der Experte Lars-Peter Häfele, und rät zum Einkaufsbackup bei Lieferanten in der Region.

Angesichts von US-Strafzöllen ist eine Absicherung des Einkaufs ratsam.

Auswirkungen der US-Strafzölle auf Mittelständler

Die US-Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumprodukte aus EU-Ländern und anderen Staaten wie China belaufen sich auf 25 bzw. 10 Prozent. Darunter leiden Mittelständler, die diese Rohstoffe in die Vereinigten Staaten exportieren. Die als Revanche auf Produkte und Rohstoffe aus den USA verhängten Zölle seitens der EU wiederum treffen die Importeure und damit die Einkaufsabteilungen hiesiger Unternehmen. Deutschland bezieht von der anderen Seite des Atlantiks große Mengen Kohle, Maschinen und Elektronik.

Eine mögliche Folge der US-Strafzölle ist dieses Szenario: Wenn für chinesische Stahlhersteller die Exporte in die USA teurer werden, könnten sie sich auf Europa fokussieren und ihre Kapazitäten in unsere Märkte drücken. „Dann bestünde Dumpingalarm“, fürchtet der Einkaufsexperte Lars-Peter Häfele, Geschäftsführer von Inverto. Derzeit sehe er das noch nicht in der Praxis. Man sollte jetzt auch nicht panisch werden, rät er im Gespräch mit „Markt und Mittelstand“.

EU-Zölle auf weniger wichtige Herkunftsmärkte

Vor allem Konsum- und Agrarprodukte wie Motorräder, Erdnussbutter oder Cranberrys aus den USA stehen auf der Liste der Produkte, die von den Gegenzöllen der EU betroffen sind. Diese Zölle träfen vor allem die Verbraucher und weniger die Industrie. Damit habe die EU aus Sicht der Unternehmen umsichtig gehandelt.

Allerdings wisse man auch in diesem Punkt nicht, wie es weitergehe. Selbst Stahlstäbe, legierte Stangen und Rohre sowie Aluminium aus den USA, auf die die EU im Gegenzug ebenfalls Strafzölle erhebe, stellten keine wichtigen Herkunftsmärkte in deutschen Unternehmen dar. Bei den bisher verhängten Importzöllen, die die US-Industrie schützen sollen, seien die USA „schlichtweg nicht wettbewerbsfähig“, so Häfele. Aus diesem Grund habe auch kaum ein deutsches Unternehmen in der Vergangenheit in größerem Umfang Stahl- und Aluminiumprodukte aus den USA bezogen.

Abhängigkeit von den Amerikanern nur in Nischen

Das heiße zwar nicht, dass sich Einkäufer wegen Trump und der US-Strafzölle gar keine Sorgen machen müssten. Bei Rohstoffen wie Kohle oder bei chemischen Erzeugnissen wie Pharmazeutika spielten die USA eine wichtige Rolle. Aber auch Maschinen und Elektronik würden in größerem Stil von Deutschland importiert. Bei vielen dieser Güter sieht Häfele allerdings nur in Nischen eine große Abhängigkeit von den USA. Zudem müsste seiner Ansicht nach die EU erst Zölle auf diese Produkte als Gegenmaßnahme erheben.

Grundsätzlich hätten aber die Unsicherheiten für die Unternehmen zugenommen. Um darauf zu reagieren, müssten die Unternehmen nun mehr Transparenz über ihre Bedarfe und Lieferquellen herstellen. Unternehmen sollten wissen, was ihre wesentlichen Produktionsrohstoffe sind und aus welchen Ländern diese kommen. Nur dann könnten sie bestehende Risiken auch früh erkennen.

Stärker betroffen seien Unternehmen mit einem sehr internationalen Lieferantenportfolio bzw. weltweiten Produktionsstandorten und globalen Absatzmärkten. Tiefgreifende Änderungen in der Produktionsstrategie seien mit hohen Kosten und damit auch Risiken verbunden. Eine flexibilisierte Beschaffungsstrategie mit alternativen Lieferquellen sei dadurch leichter zu erreichen. Die Herausforderung bestehe darin, aufgrund fehlender Planbarkeit eine Absicherung in verschiedene Richtungen vorzunehmen.

Häfele rät Unternehmen, ihre Schlüssellieferanten durch weitere aus anderen Ländern und Kontinenten zu ergänzen. Auch regionale Lieferanten seien ein geeignetes Back-up. Häfele: „Mit mehr Transparenz und Flexibilität sowie einem Lieferantenpool innerhalb Europas können Unternehmen wettbewerbsfähiger werden.“

Lieferantenentwicklung und Preiskonditionen

Im strategischen Einkauf geht es um Lieferantenentwicklung und Preiskonditionen. Je mehr ein Unternehmen mögliche Risiken für die eigene Fertigung im Blick hat, desto besser kann es eine Vorhersage treffen – und sich damit auf Veränderungen einstellen.

Häfele rät von Absicherungsgeschäften zwecks Ausgleich von Preisschwankungen eher ab. Hedging sei lediglich eine kurz- bis mittelfristige Maßnahme. Länger als zwei Jahre machten Unternehmen das selten.

Häfele: „Da wir nicht wissen, ob Donald Trump vier oder acht Jahre an der Macht bleibt, löst Hedging die Probleme also nicht.“

Langfristige Lieferverträge würden weniger beeinträchtigt. Aber es sei unwahrscheinlich, dass Unternehmen einen Lieferanten finden, der sich jahrelang an vereinbarte Konditionen bindet. Veränderten sich die Marktbedingungen, würde dieser Lieferant trotzdem auf das Unternehmen zukommen und Anpassungen fordern.

Autor: Friedrich Ohlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)