03.01.2019

Warum Amazon Business auf dem deutschen Markt so erfolgreich ist

Klick, Kauf, Kasse – mit privaten Haushalten macht Amazon schon seit längerem Kasse im Onlinehandel. Zwei Jahre nach dem Start in Deutschland setzt sich auch Amazon Business immer mehr durch. Damit erwächst kleinen und mittleren Anbietern eine neue Bedrohung.

Gründe für den Erfolg von Amazon Business

Büromaterial von Amazon Business

Von Laptops über Lager- und Büroeinrichtung bis zu elektronischem Zubehör und Reinigungsgeräten – das US-Internetkaufhaus Amazon bietet mit Amazon Business jetzt auch Unternehmen einen speziellen Zugang zu 250 Millionen Produkten.

„Die Firmen sind interessiert daran, effizienter zu werden“,

sagte Florian Böhme, Deutschlandchef von Amazon Business, dem „Handelsblatt“. Amazons neues Geschäftsfeld bietet zahlreiche auf Betriebe zugeschnittene Funktionen wie:

  • Kauf auf Rechnung
  • Darstellung von Nettopreisen
  • Mengenrabatt
  • interne Kataloge

Das kommt bei den deutschen Kunden gut an, mutmaßt der Zeitungsbericht. Deren Kosten beim Einkauf würden auf diese Weise sinken.

„An den Produkten lässt sich wenig sparen, dafür aber an den Abläufen“, meint Böhme.

Noch immer würden in Deutschland Millionen Beschäftigte Faxe verschicken, wenn sie etwas bestellten. Das sei zeitraubend. Die Verantwortlichen könnten so kaum den Überblick behalten. Mit Amazon Business könne das nicht geschehen. Es mache die Ausgaben für den Einkaufsleiter transparent, so Böhmes Einschätzung.

Megamarkt bislang ohne digitale Revolution

Deutscher B2B-Markt: 1,2 Billionen Euro Volumen

Auf rund 1,2 Billionen Euro schätzt das Handelsforschungsinstitut IFH Köln den Umsatz im elektronischen Geschäftsverkehr zwischen Unternehmen (B2B) allein in Deutschland.

Das ist ein Megamarkt, an dem die digitale Revolution bisher weitgehend vorbeigegangen sei, so das „Handelsblatt“.

Ein Großteil davon laufe über E-Procurement, die direkte Abwicklung zwischen Besteller und Lieferanten. Erst langsam setzten sich Web-Shops und digitale Plattformen durch. Sie brächten Transparenz und neue Konkurrenz in diesen Markt. Auf 46 Milliarden Euro schätzt dem Bericht zufolge das Beratungsunternehmen Arthur D. Little den Umsatz in diesem eigentlichen B2B-E-Commerce für 2019.

Amazon-Angriff auf traditionelle Lieferanten

Was für ein riesiges Potenzial auf diesem Markt! Darauf zielt Amazon Business ab, und diesen Angriff werden vielleicht zahlreiche kleinere, traditionelle Lieferanten nicht überleben.

Lennart Paul ist Beschaffungsexperte und Herausgeber des E-Commerce-Blogs Warenausgang. Die Gründe für den Erfolg von Amazon Business sieht er in dessen Stärke, Geschäftsprozesse zu standardisieren. Das sei vor allem für Mittelständler attraktiv. Amazon Business sei bisher eher bei kleineren und mittleren Unternehmen erfolgreich. Diese wickeln über die Plattform einen großen Teil ihrer Beschaffung von nicht strategischen Waren ab – vom Büromaterial über den Blumenkübel bis hin zur Türklinke.

22 Konzerne nutzen bereits Amazon Business

Amazon zufolge nutzen 22 der 30 Dax-Konzerne den Einkaufsservice; zudem zwölf der 15 größten deutschen Städte und auch Universitäten. Zum Umsatz hierzulande macht der Konzern keine Angaben. Deutschland war nach den USA der zweite Markt, in dem Amazon die Dienstleistung anbot. Inzwischen ist sie auch in Großbritannien, Italien, Frankreich, Spanien, Indien und Japan verfügbar. Amazon selbst rechnet mit einem auf das Jahr hochgerechneten Umsatz von mehr als zehn Milliarden Dollar über die Plattform.

Der Onlinehändler wirbt mit der Aussage, dass Mitarbeiter in einem Unternehmen normalerweise mit einer Bestellung von Verbrauchsmaterialien 25 Minuten beschäftigt seien – mit Amazon Business lasse sich diese Zeit auf 10 Minuten verkürzen.

Hundert Euro Bestellkosten für einen Kugelschreiber?

Studien sehen teilweise ein noch größeres Einsparpotenzial: Danach koste es in vielen Firmen wegen der umständlichen Beschaffungsprozesse teilweise bis zu hundert Euro, einen normalen Kugelschreiber zu bestellen.

Zulieferer müssen sich umstellen

Viele Zulieferer, deren Geschäftsmodell bisher auf einer Unkenntnis dieser Zusammenhänge beim Kunden beruhte, müssten sich jetzt umstellen, wenn sie überleben wollen. Plattformen wie Amazon Business werden wohl für Preistransparenz im B2B-Handel sorgen. Zudem könnten den Lieferanten die direkte Kundenbeziehung verloren gehen, befürchten Beobachter.

Doch nicht nur Amazon ist angetreten, diesen Bereich aufzurollen. Auch zahlreiche deutsche Firmen sehen darin gewaltige Chancen. Die Procurement Services GmbH (PSG) aus Lohmar sieht sich als einer der Pioniere in der Digitalisierung der Beschaffung. Die PSG hat bereits jahrelang Erfahrungen gesammelt mit Dienstleistungen im E-Procurement. Das Unternehmen zählt 300 Kunden, bündelt 60.000 Lieferanten und wickelt im Jahr ein Transaktionsvolumen von rund 150 Millionen Euro ab.

Jetzt geht das Unternehmen in die Offensive. Im Oktober hat PSG eine Kooperation geschlossen mit dem Start-up Crowdfox, der ersten Preisvergleichsmaschine für Großkundenbestellungen.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)