17.09.2019

Waldbrände im Amazonas: Bayer AG bezieht Stellung

Brasilien. Aus dem Land stammt die Hälfte der gesamten Sojaexporte der Welt. Agrarkonzerne wie die Bayer AG kaufen dort ein und produzieren sogar dort. Doch Geschäfte auf abgebranntem Regenwaldboden – das wollen die Konzerne nicht. Sie fordern, den Waldbränden im Amazonas ein Ende zu setzen – jetzt.

Appell von Agrarunternehmen, Umweltschutzverbänden und Wissenschaftlern an Brasilien, gegen die Waldbrände im Amazonas vorzugehn

Bayer und Monsanto in Brasilien

Der deutsche Agrarkonzern Bayer betreibt in Brasilien eigene Produktionszentren. Mit einem Drittel des globalen Marktes für kommerzielles Saatgut und einem Viertel des Marktes für Pestizide formt Bayer gemeinsam mit Konzerntochter Monsanto den größten Agrarkonzern der Welt. Eines der Standbeine ist die Soja-Bohne. Für die größte Volkswirtschaft Südamerikas ist die Landwirtschaft von enormer Bedeutung. Agrarerzeugnisse sind das wichtigste Exportgut des Landes – allein die Hälfte der gesamten Sojaexporte der Welt stammt aus Brasilien, schreibt die FAZ. Doch jetzt positioniert sich die Bayer AG zusammen mit anderen Unternehmen gegen die Waldbrände im Amazonas.

Auf dem Handel mit der Bohne vom Amazonas liegt seit einiger Zeit ein Schatten, ein Schatten aus Feuer und Asche. Feuer, das den Regenwald vernichtet, und Asche, die sich über die Wälder legt. Ein Schatten, den die großen Konzerne zusammen mit einer breiten Allianz gleichgesinnter Verbände und Organisationen nicht mehr auf ihrem Geschäft sehen wollen.

Agrarunternehmen, Umweltschutzverbände und Wissenschaftler appellieren

Im Kampf gegen illegale Aktivitäten im Amazonas-Regenwald haben der FAZ zufolge mehr als 200 Agrarunternehmen, Umweltschutzverbände und Wissenschaftler einen dringenden Appell an den brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro gerichtet. In einem Schreiben fordert die „Brasilianische Koalition für Klima, Wälder und Landwirtschaft“ Bolsonaro auf, die „Eskalation der Abholzung“ im brasilianischen Regenwald zu beenden.

Zu den Unterzeichnern gehören dem Bericht zufolge neben dem World Wildlife Fund (WWF) einige der größten Agrar- und Konsumgüterunternehmen der Welt, darunter neben Unilever und Danone die deutschen Chemiekonzerne Bayer und BASF.

20.000 Brände in einem Monat

Seit Wochen brennen in Amazonien riesige Waldflächen. Allein im Monat August 2019 machte das brasilianische Raumforschungsinstitut mit Hilfe von Satellitenbildern mehr als 20.000 Waldbrände im Amazonas aus. Diese sind während der Trockenzeit in der Region zwar keine Seltenheit. In diesem Jahr beobachteten die Wissenschaftler aber einen drastischen Anstieg. Die Zeitung berichtet über eine Zunahme von 83 Prozent.

Bis zum Ende der Trockenzeit im Oktober soll Brasilien demnach deutlich mehr Regenwald verlieren als in vergangenen Jahren.

Grüne Lunge und Präsident Bolsonaro

Verantwortlich für das Inferno in der „grünen Lunge“ des Planeten macht die FAZ die Politik des ultrarechten Präsidenten Bolsonaro. Dieser gilt als einer der schärfsten Verfechter der US-Politik von Präsident Donald Trump auf dem südamerikanischen Kontinent.

Bolsonaro wolle die wirtschaftliche Entwicklung seines Landes vorantreiben, so die FAZ: Er nehme dabei nicht viel Rücksicht auf den Schutz des Amazonaswaldes und die Rechte der dort lebenden indigenen Völker. Seine Maßnahmen zur Lockerung des Umweltschutzes hätten illegale Holzfäller, Goldsucher, Landwirte und Bodenspekulanten offenbar als Einladung verstanden, in das sensible Ökosystem vorzudringen. Sie ständen im Verdacht, die verheerenden Waldbrände im Amazonas verursacht zu haben.

Die Brände im Amazonas auf dem G7-Gipfel

Das Thema hat längst die politischen Entscheidungsetagen Europas erreicht. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron setzte kurzerhand die Brände im Amazonas auf die Agenda des G-7-Gipfels im August 2019. Er drohte damit, das Handelsabkommen der Europäischen Union mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten bis auf Weiteres zu blockieren.

Dieses Szenario fürchteten wohl auch Unterzeichner des Aufrufes an Bolsonaro. Darin heißt es, Brasilien müsse seine Rolle als „ökologische Agrarmacht“ sichern. Die illegale Abholzung

  • schade der Agrarindustrie und deren Reputation,
  • schaffe Unsicherheit und
  • unfaire Wettbewerbsbedingungen.

Motivation der Bayer AG

Zur Motivation des Bayer-Konzerns, das Manifest zu unterzeichnen, zitiert die Zeitung Agrarvorstand Liam Condon: „Der Amazonas-Regenwald ist eines der bedeutendsten Öko-Systeme unserer Erde.“ Nirgendwo sonst werde so deutlich, wie dringend die Landwirtschaft zur Steigerung der Erträge Innovationen brauche, ohne dafür neues Land erschließen zu müssen. „Dieser Herausforderung sollten wir uns alle verpflichtet fühlen“, so Condon. Der WWF Deutschland wollte zu dem Aufruf keine Stellungnahme abgeben.

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Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)