05.12.2016

Vorsicht beim Einkauf von Übersetzungen

Egal ob für Geschäftsführung, Marketing und Vertrieb, technische Dokumentation oder Rechtsabteilung - in Zeiten der Globalisierung benötigen immer mehr Unternehmen Übersetzungen. Jeder kennt die berühmten Benutzerhandbücher, die einem deutschen Kunden ein chinesisches Produkt erklären sollen. Manche davon sind schlicht unverständlich. Wie kann ein Einkäufer sachgerechte Übersetzungen sicherstellen?

Übersetzungen

Übersetzung beauftragen

Verträge über Übersetzungen sind formlos möglich. Wenn ein Übersetzer einem Mitarbeiter der Firma ein Angebot  sendet und dieser es annimmt, ist das Rechtgeschäft unter dem Gesichtspunkt der Anscheins- oder  Duldungsvollmacht wirksam. Was öfter passiert: Die Vertragsparteien haben wichtige Vertragsinhalte wie Vergütung oder Nutzungsrechte an der Übersetzung nicht festgelegt und können sich nicht nachträglich einigen. Dann gelten die gesetzlichen Vorschriften.

Vor dem Einkauf von Übersetzungsdienstleistungen sollten Sie prüfen, welchen Stellenwert der Inhalt der zu übersetzenden Texte hat und wie wichtig die Übersetzung für die jeweilige Abteilung ist. Nutzen Sie dazu die folgende Checkliste.

Checkliste für den Einkauf von Übersetzungen

  1. Benötigt der Übersetzer auch fachliches Know-how?
    Je nachdem, aus welchem Fachbereich die zu übersetzenden Vorlagen stammen, brauchen die Übersetzer neben den nötigen Sprachkenntnissen auch fundiertes fachliches Know-how. Beispiel: Werden juristische Texte falsch übersetzt, kann das gravierende rechtliche Folgen haben.
  2. Sollte ein Muttersprachler die Übersetzung prüfen?
    Manchmal ist es nötig, zusätzlich einen Muttersprachler einzubinden. Nur der verfügt über den entsprechenden kulturellen Hintergrund, um in einem Land auch erfolgreich Geschäfte abzuwickeln. Zum Beispiel wird die direkte Art vieler Deutscher in China als ungeduldig, im schlimmsten Fall als unhöflich wahrgenommen: eine schwierige Ausgangslage für Vertragsverhandlungen.
  3. Ist auf ein einheitliches Wording zu achten?
    Bei sich wiederholenden Textteilen oder bei der Anlage von Basistexten, die mehrfach verwendet werden sollen, ist auf eine einheitliche Ausdrucksweise zu achten.
  4. Muss auf Vertraulichkeit oder Geheimhaltung Wert gelegt werden?
    Befinden sich im Ausgangstext streng vertrauliche Informationen, muss sichergestellt werden, dass sie geheim bleiben – zum Beispiel durch die Auswahl seriöser Vertragspartner und eine entsprechende Vertragsgestaltung.
  5. Ist die rechtliche Verantwortung für die Übersetzung notwendig und abgesichert?
    Übersetzungsunternehmen haben oft keine eigenen Mitarbeiter, sondern arbeiten mit Selbständigen zusammen. Sie vermitteln oder verschaffen dem Besteller deren Dienste nur, ohne für die Übersetzung selbst rechtlich verantwortlich zu sein.
  6. Wurde die Qualifikation der Übersetzer geprüft?
    Die Übersetzer sollten über nachweisbare Qualifikationen wie einem Studium verfügen.

Beim Einkauf von Übersetzungsdienstleistungen ist also an vieles zu denken. Ausführliche Informationen und Tipps zum Einkauf von Übersetzungen finden Sie in unserem Online-Titel „Einkaufsrecht“ – der Rechtsklassiker für den modernen Einkauf! Testen Sie „Einkaufsrecht“ jetzt live für 30 Minuten. Kostenlos und unverbindlich.

 

Autor: Astrid Hedrich (Rechtsanwältin und Dozentin in Augsburg. Beschäftigt sich mit Wirtschaftsrecht.)