18.09.2018

Virus bedroht die Kakaoernte 2018

Bitterer Beigeschmack der Schokolade: ihre Zutat Kakao ist ernsthaft bedroht. Das Virus „Swollen Shoot“ grassiert derzeit in den Plantagen. Hauptbetroffener ist die Elfenbeinküste. Das Land muss 100.000 Hektar Plantagen zerstören.

Ein Virus bedroht die Kakaoernte in den Ländern Elfenbeinküste und Ghana. Es nennt sich "Swollen-Shoot-Virus".

Ernte 2017/2018 wahrscheinlich noch gut

Der weltweite Handel mit Kakao ist ein sensibles Geschäft: Über die Hälfte der weltweiten Ernte kommt aus den Ländern Elfenbeinküste und Ghana. Sobald es Anzeichen dafür gibt, dass die Ernte hier weniger gut ausfallen könnte als in den Vorjahren, werden die Händler unruhig – wie zuletzt im vergangenen Frühjahr.

Erntemengen von Kakao in den Jahren 1990 bis 2018
In fast 30 Jahren stieg die jährliche Kakaoernte um fast 100 Prozent an.

Wie die Infografik auf Basis aktueller Zahlen der International Cocoa Organization zeigt, gibt es nun Entwarnung: die Ernte in den Jahren 2017/18 dürfte insgesamt gut ausfallen. Die Preise an den Rohstoffbörsen sind zuletzt auch wieder gefallen, die Lage entspannt sich. Darüber dürften sich auch Naschkatzen freuen: Die Preise für schokoladige Süßwaren werden vermutlich nur moderat steigen.

„Swollen-Shoot-Virus“ bedroht Kakaoernte

Dass sich unsere Naschkatzen da mal nicht zu früh freuen. Denn andere Berichte über die weltweite Kakaoproduktion zeichnen ein etwas anderes Bild. Einem Bericht auf „t-online.de“ zufolge muss die Elfenbeinküste, größter Kakaoproduzent der Welt, wohl 100.000 Hektar Plantagen zerstören. Grund: das gefährliche „Swollen-Shoot-Virus“. Im Südwesten und im Westen des Landes seien große Teile der Produktion bedroht, schreibt die Plattform unter Berufung auf die französische Nachrichtenagentur Agence France Presse (AFP).

Um eine weitere Ausbreitung von „Swollen Shoot“ zu verhindern, müssten die Bauern drei Jahre lang die Pflanzen auf den befallenen Plantagen ausreißen, zitiert „t-online.de“ Gneneyeri Silué. Dieser ist zuständig für Pflanzenschutz im Landwirtschaftsministerium der Elfenbeinküste. Darauf folge eine zweijährige Quarantäne, ehe sie wieder neue Kakaopflanzen setzen könnten.

Kein Gegenmittel gegen das gefährliche Virus

Das Virus war 2003 in der Provinz Marahoué im Innern des Landes ausgebrochen und hatte den Kakaoanbau auf 8.000 Hektar zerstört. Das Swollen-Shoot-Virus befällt den Angaben zufolge nur Kakaobäume und wird durch Läuse übertragen. Bei der betroffenen Pflanze schwellen der Stamm und junge Triebe an; die Pflanze stirbt schließlich ab. Ein Mittel dagegen gebe es nicht.

Auch das Nachbarland Ghana sei betroffen, zweitgrößter Kakaobohnenproduzent der Welt. Die Elfenbeinküste produziert jährlich rund zwei Millionen Tonnen Kakaobohnen. Die Branche ist der größte Arbeitgeber des Landes. Seit Juli 2016 ist die Produktion um rund 40 Prozent zurückgegangen.

Preisprognosen für Kakao

Wie Michaela Kuhl, Rohstoff-Analystin bei der Commerzbank auf der Nachrichtenplattform bereits Ende 2017 berichtete, werde die Kombination aus stabiler Nachfrage und schwächerem Angebot aufgrund geringerer Kakaoernte den Preis für den Schokoladengrundstoff wieder nach oben treiben.

Innerhalb des Jahres 2018 soll der Preis den Prognosen der Bank zufolge von rund 1.900 Dollar pro Tonne Kakaobohnen Ende 2017 auf dann 2.300 Dollar steigen. Die Deutsche Bank sah damals den Preis Ende 2018 bei 2046 Dollar. „Wir sind zuversichtlich, dass sich der Preis relativ kurzfristig wieder über die Marke von 2.000 Dollar bewegen wird“, zitiert „t-online.de“ Kuhl.

Kakao nur kleiner Teil der Schokoladeproduktion

Verbraucher würden einen Preisanstieg jedoch kaum spüren, denn der Kakao mache nur einen kleinen Teil der Endkosten von Schokoladenprodukten aus. Zudem war Kakao schon viel teurer: 2014 kostete eine Tonne Kakaobohnen im Schnitt noch 3.200 Dollar. Seither ist der Preis wegen guter Ernten gefallen.

Im Frühsommer wurde der Commerzbank zufolge ein Zehnjahrestief von 1.800 Dollar erreicht. In der westafrikanischen Elfenbeinküste wurden in der Kakao-Saison 2017 erstmals mehr als zwei Millionen Tonnen geerntet. Für die Saison 2017/2018 erwartete Kuhl indes eher 1,7 bis 1,9 Tonnen. Die Internationale Kakao-Organisation (ICCO) rechne ebenfalls mit einer etwas geringeren Ernte.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)