07.06.2019

Verschlafen Sie nicht die Digitalisierung in der Logistik!

Alle reden von Digitalisierung – auch in der Logistik-Branche, nur handeln zu wenige Unternehmen. Neue Technologien wie Blockchain, KI oder 3D-Druck haben es immer noch schwer. Fest steht: Die Herausforderungen für die Firmen sind größer als durch Personalkosten oder Fachkräftemangel.

Digitalisierung in der Logistik: Es gibt noch Handlungsbedarf

Logistik muss Digitalisierung weiter vorantreiben

Die Digitalisierung in der Logistik hat schon einige Errungenschaften vorzuweisen: Routenplanung mit Künstlicher Intelligenz (KI), Warentransport mit autonomen Lkws, Drohnen oder Blockchain für eine transparente Lieferkette. Die digitalen Technologien verändern die Logistik gewaltig. Und das ist zugleich Fluch und Segen.

Bevor die Unternehmen die Segnungen der Digitalisierung genießen können, müssen sie eine riesige Herausforderung meistern. Die große Mehrheit der deutschen Unternehmen, die Waren transportieren, sehen zwar in der Digitalisierung der Logistik zahleiche Vorteile.

Aber nur eine Minderheit setzt heute schon auf neueste Technologien wie 3D-Druck, Blockchain oder KI. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung unter mehr als 500 Unternehmen mit Logistikprozessen im Auftrag des Digitalverbands Bitkom.

Ergebnisse der Bitkom-Studie

Demnach sagen vier von fünf dieser Unternehmen (79 Prozent), dass sie die Digitalisierung in der Logistik vor Herausforderungen stellt. Vor zwei Jahren waren es noch 74 Prozent. Nur Mautgebühren (80 Prozent) sowie Treibstoff- und Energiepreise (91 Prozent) werden als größere Herausforderungen genannt.

Trotzdem liegt die Digitalisierung damit noch vor den anderen drei Top-Herausforderungen:

  • hohe Personalkosten (72 Prozent)
  • fehlende Fachkräfte (70 Prozent)
  • Standortnachteile gegenüber ausländischen Wettbewerbern (45 Prozent)
Aus der Bitkom-Studie über die Digitalisierung der Logistik bei deutschen Unternehmen ergab sich u.a., dass noch viel Handlungsbedarf besteht.
Der Digitalverband Bitkom befragte über 500 deutsche Unternehmen nach dem Stand ihrer Digitalisierung in der Logistik.

Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder ist der Meinung, dass ein effizienter Transport von Rohstoffen, Bauteilen und Waren gleichermaßen betriebswirtschaftlich sinnvoll wie volkswirtschaftlich und ökologisch notwendig ist. Die digitale Transformation helfe den CO2-Ausstoß in der Logistik zu senken und das Klima zu schützen. Rohleders Fazit:

„Die Digitalisierung bietet enorme Chancen für die Logistik.“

Vorteile digitaler Technologien beim Warentransport

Eine große Mehrheit der befragten Unternehmen sieht viele praktische Vorteile digitaler Technologien beim Warentransport, am meisten diese:

  • Beschleunigung des Transports (92 Prozent)
  • langfristig sinkende Logistikkosten (85 Prozent)
  • weniger anfällige Transportketten (79 Prozent)
  • umweltschonender Transport (69 Prozent; 2017 waren es nur 58 Prozent)

Dagegen sagen nur 14 Prozent, digitale Technologien lohnten sich allein für größere Unternehmen. Kein Unternehmen hält digitale Technologien für überflüssig.

Lager bereits heute digital

Schon heute setzen viele Unternehmen vor allem bei der Lagerlogistik auf digitale Technologien. So nutzen vier von fünf Unternehmen mit Logistikprozessen (80 Prozent) Warehouse-Management-Systeme oder planen deren Einsatz.

Drei Viertel (72 Prozent) setzen Sensortechnologien wie RFID-Chips ein oder haben das vor, etwa um schnell eine Inventur durchführen zu können.

Jedes zweite Unternehmen hat elektronische Frachtbegleitdokumente (54 Prozent) oder Tablet Computer und Smartphones (53 Prozent) statt Zettel und Klemmbrett im Lager eingeführt oder plant dies.

Rund jedes dritte Unternehmen verfügt bereits über fahrerlose Staplersysteme (38 Prozent), hat Geräte mit Augmented Reality (35 Prozent) oder Lagerroboter (30 Prozent) im Einsatz bzw. in der Planung.

Zukunftsrenner: digitale Plattformen und Künstliche Intelligenz

Die große Mehrheit der Logistiker ist sich sicher: Die Digitalisierung wird den Warentransport in den kommenden Jahren grundlegend verändern.

So erwarten sieben von zehn (71 Prozent), dass bis 2030 Künstliche Intelligenz viele Aufgaben übernehmen wird, etwa die Planung von Routen.

Sechs von zehn (59 Prozent) sind überzeugt, dass Waren mit autonomen Lieferwagen zwischen Unternehmen transportiert werden. 4 von 10 (42 Prozent) gehen davon aus, dass die Waren mit autonomen Drohnen bis zum Endkunden geliefert werden.

Drei Viertel (76 Prozent) sagen, dass Plattformanbieter in zehn Jahren bedeutende Player in der Logistikbranche sein werden – vor einem Jahr lag der Anteil mit 66 Prozent noch deutlich darunter.

Nur sechs Prozent nutzen KI, vier Prozent Blockchain

Doch trotz der weit verbreiteten Erkenntnis, welche bedeutende Rolle gerade neuere digitale Technologien haben, sind die Unternehmen in der Praxis aktuell noch eher zurückhaltend:

  • Gerade einmal jedes fünfte Unternehmen (20 Prozent) setzt Datenanalysen ein, nur etwas mehr (21 Prozent) plant dies aktuell.
  • Lediglich jedes zehnte Unternehmen (zehn Prozent) nutzt Software für vorausschauende Wartung, 15 Prozent planen dies.
  • Und ebenfalls nur zehn Prozent nutzen 3D-Druck, acht Prozent sind derzeit in der Planungsphase.
  • Eine kleine Minderheit von sechs Prozent nutzt Künstliche Intelligenz, kaum mehr (acht Prozent) planen dies.
  • Blockchain ist sogar nur bei vier Prozent im Einsatz, weitere drei Prozent wollen die Technologie einsetzen.
  • Auf Drohnen setzen aktuell zwei Prozent, vier Prozent wollen dies bald tun.

Technologie-Bremsen: Kosten und Datenschutz

Abgeschreckt werden die Unternehmen vor allem durch hohe Kosten vom Einsatz digitaler Anwendungen in der Logistik.

So sagen drei von fünf (62 Prozent), Kosten für den Datenschutz seien der größte Nachteil digitaler Lösungen.

Rund jeder Zweite beklagt allgemein hohe Investitionskosten (53 Prozent) und die Gefahr der Spionage, etwa von Betriebsdaten (47 Prozent).

Rund jeder Vierte sieht einen Nachteil in einem möglichen Verlust von Arbeitsplätzen (27 Prozent) und befürchten, dass der Bedarf an höher qualifizierten Fachkräften (26 Prozent) steigen könnte.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)