21.11.2017

Verpackungsindustrie will Energieverbrauch drastisch senken

Energiesparen reduziert nicht nur Kosten. Es dient vor allem ganz wesentlich dem Schutz des Klimas. So die Erkenntnis von Unternehmen der Verpackungsindustrie. Sie wollen ihren Energieverbrauch senken. Die Branche muss gegen Vorurteile gegen den Wertstoff PET kämpfen.

Energieverbrauch in der Verpackungsindustrie soll gesenkt werden

18 Unternehmen der Verpackungsindustrie

In den kommenden drei Jahren wollen Unternehmen der Verpackungsindustrie den Energieverbrauch in ihren Betrieben senken. Sie wollten damit „einen Beitrag zum Klimaschutz leisten“. Am Dienstag der vorigen Woche fand in Bad Homburg das erste Treffen der 18 Mitgliedsunternehmen des IK-Energieeffizienznetzwerkes statt.

Initiative Energieeffizienz-Netzwerke der Bundesregierung

„Wir als deutsche Verpackungsindustrie engagieren uns in diesem wichtigen gesellschaftspolitischen Kontext und zeigen damit, welchen Stellenwert für uns das Thema Nachhaltigkeit hat“, erläutert IK-Hauptgeschäftsführer Ulf Kelterborn in einer Mitteilung seiner Organisation an die Presse den Hintergrund für die Netzwerkgründung. Das Netzwerk ist Teil der Initiative Energieeffizienz-Netzwerke der Bundesregierung. Mit der Beteiligung an dem Netzwerk kann jedes Unternehmen sein nachhaltiges Engagement nachweisen und gegenüber Kunden, Mitarbeitern und im sozialen Umfeld punkten. Unter anderem erhalten alle Teilnehmer ein Zertifikat der Bundesregierung und können ihrerseits mit dem offiziellen Energieeffizienz-Logo werben.

Gemeinsames Einsparziel

„Gleich beim ersten Treffen gab es einen sehr regen Austausch der Teilnehmer, der den hohen Bedarf für ein solches Netzwerk belegt und eine erfolgreiche Zusammenarbeit in Zukunft erwarten lässt“, sagt Carsten Ernst von Ökotec GmbH, Moderator und energietechnischer Berater des Netzwerks. Die Netzwerkteilnehmer wollen sich fortan regelmäßig dreimal jährlich treffen und im kommenden Jahr ein gemeinsames Einsparziel vereinbaren.

Vorurteile gegen den Wertstoff PET

Die Branche hat nach wie vor gegen Vorurteile gegen den Wertstoff PET vor allem von Verbraucherseite zu kämpfen. Dabei ist er als Verpackungsmaterial heute beliebter denn je. Mehr als 80 Prozent aller alkoholfreien Getränke werden Brancheninformationen zufolge in Deutschland in PET-Getränkeverpackungen verkauft. Einweg-PET steigt demnach in der Konsumentengunst.

Bottle-to-bottle-Recycling

Vor allem mehr Bottle-to-bottle-Recycling sind für Frank Welle, stellvertretender Leiter der Abteilung „Produktsicherheit und Analytik“ am Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV, der Weg zu einem besseren Image. Er tritt der verbreiteten Ansicht entgegen, PET enthalte schädliches Bisphenol A oder Weichmacher. Diesbezüglich besonders von werdenden Müttern getragene Bedenken entbehrten einer wissenschaftlichen Grundlage. PET-Einwegflaschen fühlten sich weicher an, weil die Flaschenwand dünner sei. Das mache die Flaschen leichter. Das sei gut für den Transport und bringe in der Ökobilanz dieser Verpackungsart sogar einen Vorteil gegenüber schwereren Glasflaschen.

Absatzwachstum bei Teilsegmenten

Deren Absatz entwickelt sich dessen ungeachtet weiter positiv. Im ersten Halbjahr 2017 legte er nach Angaben des Bundesverbandes Glasindustrie e.V. um 0,8 Prozent zu. Beim Blick auf die Teilsegmente zeigt sich demnach ein deutliches Absatzwachstum um 5,1 Prozent bei den nicht-alkoholischen Getränken (Wasser, Milch und Saft). Als Grund hierfür nimmt der Branchenverband eine nach wie vor wachsende Nachfrage nach Glasflaschen im Mineralwasserbereich an. Zusätzlich wachse der Mineralwasserkonsum weiterhin: Laut dem Verband Deutscher Mineralbrunnen e. V. konsumierte im Jahr 2016 jeder Bundesbürger 148,2 Liter Mineral- und Heilwasser und damit 0,9 Liter mehr als im Vorjahr, in dem der Konsum auch bereits gestiegen war.

Absatz von Behälterglas

Der Absatz von Behälterglas in Tonnen ist dem Glasverband zufolge in der ersten Jahreshälfte 2017 mit einem Plus von 0,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gewachsen. Die Entwicklungen im In- und Ausland zeigten sich dabei unterschiedlich: Der Absatz im Inland blieb mit 0,0 Prozent stabil, im Ausland steigerte er sich um 2,7 Prozent.

Verpackungsglas für Lebensmittel

Das Segment Verpackungsglas für Lebensmittel und Verpackungsglas für Pharma und Kosmetik hat den Angaben zufolge das erste Halbjahr 2017 mit einem stabilen Plus von 0,7 Prozent abgeschlossen. Die Ergebnisse der Teilsegmente entwickelten sich leicht unterschiedlich: Bei Verpackungsglas für Lebensmittel ohne OGS (Obst, Gemüse und Sauerkonserven) sank der Absatz im ersten Halbjahr 2017 um minus 0,3 Prozent. Das Teilsegment Verpackungsglas mit OGS verzeichnete hingegen ein Plus von 2,2 Prozent.

Nachfrage nach Glasverpackungen

„Die Nachfrage nach Glasverpackungen ist nach wie vor stabil. Da Glasverpackungen Wünsche der Verbraucher, wie beispielsweise Nachhaltigkeit und Regionalität bedienen, sind wir zuversichtlich, dass sich der Markt für Glasverpackungen auch im zweiten Halbjahr 2017 positiv entwickeln wird“, kommentiert Dr. Johann Overath, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Glasindustrie e. V., die Halbjahresbilanz.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)