06.06.2018

USA wollen Importzölle auf europäische Autos erhöhen

Mercedes, Audi, Rolls-Royce – privat mögen Donald Trump und seine Familie europäische Autos. Das hat aber nichts mit volkswirtschaftlichen Überlegungen zu tun. Da hält es der Präsident mit „America first“ und will Importzölle auf fahrbare Untersätze aus der Alten Welt einführen.

Trump will Importzölle auf europäische Autos deutlich anheben.

Sanktionen auch gegen Airbus

Nach der Stahlbranche ist nun auch die deutsche Autoindustrie ins Visier von US-Präsident Donald Trump geraten. Er kündigt höhere Importzölle auf europäische Autos an. Zudem drohen dem europäischen Flugzeugbauer Airbus Sanktionen, berichtet die „Tagessschau“.

In der Öffentlichkeit äußert sich Trump verächtlich über deutsche Autos. „Deutschland schüttet unser Land mit seinen Mercedes- und BMW-Fahrzeugen zu“, zitiert die Fernsehsendung den US-Präsidenten. Für amerikanische Autobauer sei es indes schwierig, ihre Fahrzeuge in der EU zu verkaufen. Schuld daran sei eine angebliche Ungleichbehandlung. Ein amerikanisches Auto werde bei der Einfuhr in die EU mit zehn Prozent verzollt, ein europäisches Auto in die USA dagegen nur mit drei Prozent.

US-Handelsministerium prüft Importzölle

Das will Trump nun ändern. Kurz nach seinem Amtsantritt wollte er noch eine Sondersteuer von 35 Prozent auf importierte Fahrzeuge. Nun habe er das US-Handelsministerium angewiesen zu prüfen, ob die Autoimporte die nationale Sicherheit der USA gefährden. Falls ja, könnten europäische und deutsche Autos mit um 25 Prozent höheren Importzöllen von 2,5 Prozent auf 27,5 Prozent belegt werden.

Die Importe der USA von Autos und Autoteilen beliefen sich im Jahr 2017 auf 360 Milliarden US-Dollar. Mit einer gleichen Argumentation hatte Trump auch die Importzölle auf Stahl und Aluminium begründet. Dem Bericht zufolge würden die Strafzölle die deutsche Autoindustrie hart treffen. Das Ifo-Institut spricht von Kosten von etwa fünf Milliarden Euro. Das würde das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,16 Prozent drücken. „Kein Land hätte höhere absolute Verluste durch einen solchen Zoll zu befürchten als Deutschland“, sagt Gabriel Felbermayr, Leiter des Ifo-Zentrums für Außenhandel.

Höhere Produktionskosten für deutsche Autobauer in USA

Die in den USA produzierenden deutschen Autobauer würden zwar unter höheren Produktionskosten leiden. Sie könnten aber höhere Preise durchsetzen. Ob die Amerikaner dann immer noch so viele ausländische Autos wie bisher kaufen, muss sich zeigen. Nach Angaben des Marktforschers Autodata fertigten die europäischen Autobauer nur rund 30 Prozent ihrer in den USA 2017 verkauften Fahrzeuge in den USA.

Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP, Preise 2014) würde Berechnungen des Ifo-Instituts zufolge um etwa fünf Milliarden Euro niedriger liegen als derzeit, das sind 0,16 Prozent des deutschen BIP. Für die Simulationen wurde das Ifo-Handelsmodell eingesetzt. „Die Effekte der ab 1. Juli vermutlich geltenden Zölle auf Aluminium- und Stahlprodukte sind mit etwa 40 Millionen Euro dagegen vergleichsweise vernachlässigbar“, so Felbermayr.

In der EU wären kleinere Zulieferländer in Europa, allen voran Ungarn, relativ zur Wirtschaftsleistung am stärksten von den Zöllen betroffen. Mexiko und Kanada müssten bei US-Autozöllen Einbußen von 3,7 bzw. 3,2 Milliarden Euro hinnehmen, das sind 0,39 Prozent und 0,23 Prozent der jeweiligen Wirtschaftsleistungen. Auch Japan und Korea, ebenfalls wichtige Auto-Exporteure in die USA, kämen auf Verluste von 4,3 und 2,3 Milliarden Euro.

USA könnten Wirtschaftsleistung erhöhen

Die USA hingegen könnten ihre preisbereinigte Wirtschaftsleistung durch Autozölle um 5,7 Milliarden Euro erhöhen. Dahinter verbergen sich Ifo zufolge starke Verteilungseffekte. Die amerikanischen Autokäufer müssten mit circa 20 Prozent höheren Preisen für Import-Autos rechnen.

In den USA produzierende Auto-Hersteller wie BMW, Daimler und Volkswagen würden unter höheren Produktionskosten leiden, könnten aber höhere Preise durchsetzen. Der US-Staat würde Zoll-Einnahmen in der Höhe von mehreren Dutzend Milliarden Euro erhalten.

Audi ohne Produktionsstätten in USA

Größter Leidtragender der US-Zölle wäre dem Tagesschau-Bericht zufolge Audi. Der Premium-Autobauer aus Ingolstadt hat im Gegensatz zu VW, Mercedes und BMW kein Produktionswerk in den USA. Die Importzölle würden hier also voll zum Tragen kommen.

Die deutschen Autobauer sehen sich überdies zu Unrecht von Trump an den Pranger gestellt. Sie verweisen darauf, dass sie mit 36.500 Jobs in den USA die amerikanische Wirtschaft stützen. Zudem würden rund 60 Prozent der in den USA gebauten Autos der deutschen Hersteller in den Export gehen – zum Wohle der Vereinigten Staaten.

Bis die Importzölle auf deutsche Autos kommen, dürften allerdings noch einige Monate vergehen. Die US-Administration müsse erst nachweisen, dass die Einfuhr von ausländischen Autos die nationale Sicherheit – genauer gesagt die Fähigkeit der US-Autoindustrie zur Entwicklung neuer Technologien (wie Elektroautos oder autonomes Fahren) – gefährdet.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)