28.08.2019

Uber Freight jetzt in der deutschen Logistik

Uber über alles: Das Privattaxi aus den USA hat noch nicht alle juristischen Hürden genommen, da rollt schon die Logistikvariante Uber Freight auf den Markt. Eine entsprechende App soll Frachtanbieter und -Nachfrager jetzt in Deutschland zusammenbringen – ad hoc, spontan sozusagen.

Wird die neue App Uber Freight die deutsche Logistik aufrollen?

Uber Freight verknüpft Ladung und Transport

Uber kündigt den Start seiner On-Demand-Logistikplattform Uber Freight in Deutschland an. Laut einer Pressemitteilung verbindet eine Uber-Freight-App Transportunternehmen mit zu liefernden Frachtladungen und bietet ihnen:

  • Vorabpreise
  • schnelle Bezahlung
  • Buchung von Ladungen auf Knopfdruck

Verladern soll das neue Angebot Zugang zu einem umfassenden Netzwerk von Spediteuren bieten, außerdem einen Echtzeit-Einblick in die Lieferkette.

Objekt der Begierde: Rückgrat der europäischen Wirtschaft

Uber hat es mit seiner Freight-App erklärtermaßen auf die Logistikindustrie als „Rückgrat der europäischen Wirtschaft“ abgesehen. Nach dem erfolgreichen Start in den Niederlanden im März 2019 geht die Logistik-On-Demand-Plattform nun in Deutschland, Europas führendem Straßengüterverkehrsmarkt, an den Start.

Uber sieht sich mit seiner App im Einklang mit den aktuellen Forderungen der deutschen Industrie. Diese fordert Lösungen zur Behebung logistischer Engpässe und des dramatischen Fahrermangels im Straßengüterverkehr.

Uber Freight: bewährte Technologie, globales Netzwerk

„Im zunehmend herausfordernden Logistikmarkt erschließt Uber Freight Effizienz-Potentiale, die die gesamte deutsche Industrie voranbringen können”,

so Daniel Buczkowski. Er ist Head of European Expansion von Uber Freight. Dank des globalen Netzwerks von Uber und einer bewährten Technologie bringe man Transportunternehmen „problemlos“ mit den Ladungen zusammen. Damit schaffe man ein Umfeld, von dem alle profitieren könnten.

Geschäftsmodell Fahrermangel

Deutsche Verlader und Transportunternehmen stehen ähnlichen Herausforderungen wie ihre europäischen Kollegen gegenüber. Ihnen könne daher die Uber Freight-Technologie zugutekommen. Zur Lage auf dem deutschen Lkw-Markt und zum Fahrermangel beruft sich das Unternehmen auf die Weltbank. Ihr zufolge werde sich dieser bis 2028 noch verdreifachen.

Zwei Drittel aller deutschen Lkw-Fahrer werden nach diesen Informationen in den nächsten zehn Jahren in den Ruhestand gehen. Außerdem seien 21 Prozent aller gefahrenen Frachtkilometer Leerfahrten. Ineffizienzen dieser Größenordnung erschweren es Verladern, verfügbare Fahrer für den Transport ihrer Waren zu finden.

Allein in Deutschland fehlen rund 40.000 Fahrer, 2028 sollen es sogar 128.000 sein, zitiert „Heise Online“ aus einem Interview Buczkowskis mit der DVZ. Es geschehe nicht genug, um den Fahrer-Beruf attraktiv zu machen. Um daraus resultierenden Engpässen vorzubeugen, müssten deshalb die vorhandenen Kapazitäten besser genutzt werden. Das soll mit Uber Freight zunächst im innerdeutschen Transportverkehr geschehen. Später werde man auch Rückladungen im grenzüberschreitenden Verkehr anbieten, wie es bereits bei Uber Freight in den Niederlanden der Fall sei.

Probleme kleinerer Transportunternehmen

Kleine und mittlere Transportunternehmen machen in Deutschland mehr als 90 Prozent der Kapazitäten aus. Wie in anderen internationalen Frachtmärkten auch haben diese erhebliche Schwierigkeiten, sich mit größeren Auftraggebern zu vernetzen. Der On-Demand-Marktplatz von Uber Freight soll es Speditionsbetrieben jeder Größe ermöglichen, am Markt teilzunehmen, ihre Effizienz zu steigern und somit unnötige Leerkilometer und Kraftstoffverbrauch zu reduzieren.

Als globale Plattform verfolgt Uber auch für sein Frachtgeschäft eine globale Strategie. Die Ausweitung nach Europa sieht das Unternehmen als einen wichtigen ersten Meilenstein auf dem Weg zu einem international effizienteren Frachtmarkt mit mehr Transparenz. Im Zuge des Ausbaus versteht sich Uber Freight als zuverlässiger Partner für europäische Transportunternehmen und Verlader.

So funktioniert die App von Uber Freight

Die App fragt Nutzer zunächst ab, ob man Verlader, Transportunternehmen oder Fahrer sei. Als Fahrer muss man angeben, für welche Firma man fährt und welcher der Lkw gehört. Nach Eingabe sonstiger Daten wie Name und E-Mail-Adresse fragt das System nach Lkw-Typ und Land, in dem die Firma ihren Hauptsitz hat.

Die Lieferkette kann nach Angaben von Uber in Echtzeit verfolgt werden. Transportunternehmen erhalten Vorabpreise von Uber Freight. Zudem würde eine schnelle Bezahlung erfolgen.

Regularien umgehen wie beim Taxi?

Unklar ist derzeit noch, ob Uber Freight für kleinere und mittlere Speditionsbetriebe ein Fluch oder ein Segen ist, ob sie davon mehr profitieren oder eher verlieren. Die Frachtmärkte in den USA und den Niederlanden unterscheiden sich vom deutschen Markt. Vergleiche hält „Heise Online“ deshalb für eher schwierig. Auswirkungen auf den deutschen Transportmarkt lassen sich daher nur schwer einschätzen.

Auch wird man abwarten müssen, wie konventionelle Mitbewerber den neuen Konkurrenten bewerten werden. Sollte das Unternehmen auf die Umgehung von Regularien setzen wie bei den Taxis, wäre der Protest vorprogrammiert – und wie dort wohl auch eine Einschaltung der Gerichte.

Weiterführende Beiträge

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)