07.10.2019

TÜV-Ergebnisse bei Nutzfahrzeugen

Lkw, Transporter oder Gabelstapler – von ihrem technischen Zustand hängt viel ab. Sicherheit im Straßenverkehr, Zuverlässigkeit bei Lieferung und Abholung – Technik marode, Transport gefährdet. Deswegen die Überprüfung durch den Technischen Überwachungsverein. Insgesamt zeigen die TÜV-Ergebnisse ein durchwachsenes Bild.

Der TÜV-Report mit den Ergebnissen für Nutzfahrzeuge 2019 ist da.

Nutzfahrzeuge besser, aber immer noch mit technischen Mängeln

Fast jedes fünfte in Deutschland zugelassene Nutzfahrzeug ist mit erheblichen technischen Mängeln durch die Hauptuntersuchung (HU) gefallen. Das ist das Ergebnis des aktuellen „TÜV Reports Nutzfahrzeuge 2019“. Hört sich schlimm an, gibt aber im Vergleich Anlass zu vorsichtiger Zuversicht. Da sinkt die Durchfallquote von Lastkraftwagen bei der HU seit einigen Jahren. Im TÜV-Report 2017 lag sie noch bei 22 Prozent und 2015 bei 25 Prozent. Der Report der TÜV-Ergebnisse bei Nutzfahrzeugen hält auch Erfreuliches parat.

„Die technische Sicherheit von Lastkraftwagen hat sich in Deutschland in den vergangenen Jahren trotz steigender Beförderungsleistung spürbar verbessert“,

kommentiert Richard Goebelt, Bereichsleiter Fahrzeug und Mobilität beim TÜV-Verband (VdTÜV). Bessere Pflege der Nutzfahrzeuge aufgrund besserer Leasing- und Wartungsverträge in Kombination mit hoher Prüfdichte trügen zu der positiven Entwicklung bei den Mängelquoten bei.

Lkws ab 3,5 Tonnen müssen in Deutschland alle zwölf Monate zur Hauptuntersuchung. Bei Fahrzeugen älter als drei Jahre erfolgt zum Halbjahr zusätzlich eine Sicherheitsprüfung. Laut Nutzfahrzeug-Report 2019 weisen 14 Prozent aller untersuchten Fahrzeuge geringe Mängel auf, 67 Prozent waren mängelfrei. Der Anteil der Nutzfahrzeuge ohne Mängel ist dem Report zufolge im Vergleich zu 2017 um fünf Prozentpunkte gestiegen.

Aber: Zu viele Lkws mit Schäden

Trotz dieser insgesamt positiven Trends sind aus Sicht des TÜV-Verbands auf den Straßen immer noch zu viele Lastkraftwagen mit erheblichen technischen Defiziten unterwegs, die zu Unfällen führen und Menschen gefährden können.

Immerhin 1.300 Nutzfahrzeuge wurden laut einer Pressemitteilung des Verbands von den TÜV-Prüfern als verkehrsunsicher eingestuft. Sie zogen sie an Ort und Stelle aus dem Verkehr. Das könne zum Beispiel der Fall sein, wenn tragende Teile weitgehend durchgerostet sind. Im Verhältnis zu den 1,85 Millionen im Untersuchungszeitraum begutachteten Fahrzeugen sei der Anteil verkehrsunsicherer Fahrzeuge aber gering.

„Die häufigsten Mängel sind Defekte an der Beleuchtung sowie an den Achsaufhängungen der Fahrzeuge. Zudem traten häufiger Korrosionen und Probleme mit Bremstrommeln oder Bremsscheiben auf“, sagte Goebelt.

Die TÜV-Ergebnisse 2019 für Nutzfahrzeuge sind da
Die TÜV-Ergebnisse 2019 für Nutzfahrzeuge zeigen, dass jedes fünfte aus dem Verkehr gezogen werden musste.

Stellen die Sachverständigen diese Mängel fest, fallen die Fahrzeuge durch die Hauptuntersuchung und müssen nach der Reparatur innerhalb eines Monats erneut vorgeführt werden.

Unterschiedliche Gewichtsklassen

In den unterschiedlichen Gewichtsklassen liegen die Durchfallquoten, also der Anteil der Fahrzeuge mit erheblichen Mängeln, mit jeweils rund 20 Prozent etwa gleichauf.

„Im Vergleich zu den vorherigen Untersuchungen vor zwei und vier Jahren haben sich die Durchfallquoten angeglichen“, so Goebelt.

TÜV-Ergebnisse für leichte Nutzfahrzeuge

Die mit Abstand wichtigste Fahrzeugklasse sind leichte Nutzfahrzeuge mit bis zu 3,5 Tonnen Gewicht. Etwa vier von fünf der in Deutschland zugelassenen rund 3,15 Millionen Nutzfahrzeuge sind leichte Transporter wie Mercedes Sprinter, Ford Transit, Fiat Ducato oder VW Transporter. Im Vergleich zum Jahr 2010 ist der Fahrzeugbestand in dieser Klasse vor allem aufgrund des zunehmenden Lieferverkehrs laut Kraftfahrt-Bundesamt um 41 Prozent auf 2,6 Millionen gestiegen.

Der Anteil der Kleintransporter mit erheblichen Mängeln liegt mit einem Anteil von 20 Prozent leicht über dem Durchschnitt. Naturgemäß stiegen die Durchfallquoten mit dem Alter der Fahrzeuge kräftig an. Fallen in diesem Segment nach zwei Jahren sieben Prozent durch die HU, sind es nach sechs Jahren schon 18 Prozent und nach zehn Jahren 30 Prozent.

„Neben Mängeln bei der Beleuchtung und Ölverlust macht bei den älteren Kleintransportern häufig die Achsaufhängung Schwierigkeiten“, sagte Goebelt.

TÜV-Ergebnisse für leichte und mittelschwere Lkws

Besser als in den Vorjahren schneiden auch die leichten und mittelschweren Lkws über alle Altersstufen ab. Die leichten Lkw von 3,5 bis 7,5 Tonnen weisen mit 18 Prozent die niedrigste Durchfallquote der vier Gewichtsklassen aus. Im Vergleich zum Jahr 2017 konnten sie sich um 4 Prozentpunkte verbessern. Allerdings hat sich die Zahl der erheblichen Mängel in den ersten beiden Jahren nach der Erstzulassung leicht erhöht.

Bei den mittelschweren Lkws mit einem Gewicht von 7,5 bis 18 Tonnen ist die Quote der erheblichen Mängel um drei Punkte auf 19,5 Prozent gesunken. In diesem Segment bestehen in allen Altersklassen deutlich mehr Fahrzeuge die Hauptuntersuchung und fallen deutlich weniger wegen erheblicher Mängel durch.

Entgegen diesem Trend haben die schweren Lkw ab 18 Tonnen schlechter abgeschnitten. Die Durchfallquote ist im Vergleich zu 2017 um 1,6 Punkte auf 19,7 Prozent gestiegen. Die Pflegementalität der Nutzer lasse mit dem Alter der Fahrzeuge nach. Ältere Fahrzeuge würden auf Verschleiß gefahren.

„Das ist vor allem in boomenden Wirtschaftszweigen wie der Baubranche der Fall“, erklärt Goebelt.

Mit einer durchschnittlichen Laufleistung von 200.000 Kilometern pro Jahr sind schwere Lkws die mit Abstand am stärksten beanspruchten Nutzfahrzeuge.

Weiterentwicklung der HU gefordert

Aus Sicht des TÜV-Verbands müsse man die gesetzlich vorgeschriebene Hauptuntersuchung von Nutzfahrzeugen mit Blick auf den Klimaschutz und die Digitalisierung mit hoher Dringlichkeit weiterentwickeln. Die Lösung sei ein Mix alternativer Antriebstechnologien, die am besten ohne fossile Energieträger auskommen.

Bisher werden bei Benzinern lediglich der Kohlenmonoxid-Gehalt und das Kraftstoff-Luft-Gemisch gemessen und bei Dieseln die Rauchgastrübung. Ab 1. Januar 2021 soll bei Dieselfahrzeugen zusätzlich eine Messung der Partikelanzahl erfolgen. Nach Ansicht des TÜV-Verbands sollten in Zukunft sowohl die Partikelanzahl bei Otto-Motoren als auch weitere Luftschadstoffe wie die umweltgefährdenden Stickoxide (NOx) im Rahmen der Abgasuntersuchung real gemessen werden.

Weiterführende Beiträge

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)