14.08.2019

Türkei: Logistikdrehkreuz zwischen Ost und West

Bergauf, bergab: Seit Erdogan geht die Wirtschaft am Bosporus mit wechselndem Erfolg voran. Doch der Präsident hat vorgebaut mit massiven Investitionen in die Logistikinfrastruktur. Sie zahlen sich jetzt offenbar aus – wenn zutrifft, was Fiata-Vize Turgut Erkesin berichtet.

Die Türkei soll zum Logistikdrehkreuz zwischen Ost und West werden.

Logistik-Hub Türkei profitiert von massiven Investitionen

Türkei: Logistikdrehkreuz zwischen Asien und Europa. Diese Rolle hat sich das Land seit langem zugedacht. Die geostrategische Lage des Landes gilt als einzigartig. Recep Tayyip Erdoğan, seit 2014 Präsident der Türkischen Republik, will sie nutzen und mit massiven Investitionen in die Logistikinfrastruktur diese Funktion noch ausbauen.

Diese Investitionen machen sich offenbar bezahlt, wie Turgut Erkeskin in einem Interview mit der Online-Plattform der „Transport Logistic“ mitteilt. Erkeskin ist Vizepräsident des Internationalen Verbands der Vereinigungen der Frachtspediteure – International Federation of Freight Forwarders Associations, Fiata. Außerdem ist er Mitglied des Wirtschaftsrats des türkischen Auswärtigen Amts DEİK.

Türkei – Logistikdrehkreuz

Die Türkei befindet sich derzeit in einer Wirtschaftskrise mit Währungsabsturz. Zudem war es zu einem Teufelskreis von Leerfahrten und steigenden Transportkosten gekommen. Beides sieht Erkesin jetzt als überwunden an. Das Blatt wende sich gerade. Die Investitionen in die türkische Infrastruktur griffen, man komme den selbstgesetzten Zielen näher.

Langfristig will sich das Land in diese drei Richtungen positionieren:

  • als leistungsfähige Drehscheibe im Mittelmeerraum
  • als Gateway zu Nord-Afrika, Südost-Europa und Nahost
  • als Logistik-Hub für China als Teil der neuen Seidenstraße

Für die neue Seidenstraße könne man im mittleren Korridor mit engen Verbindungen in den Kaukasus eine große Rolle spielen.

Meilensteine im Ausbau der Türkei als Logistikdrehkreuz

Ausländische Investoren hätten großes Interesse an der Türkei, allen voran China. Dessen größter Logistikdienstleister Sinotrans hat sich Erkeskin zufolge über ein Joint-Venture angesiedelt. Das Land investiere in türkische Hafeninfrastruktur und sei derzeit auf der Suche nach Flächen für Logistik- und Industrieparks.

Als einen der wichtigsten Meilensteine für die Türkei als Logistikdrehkreuz sieht Erkeskin den neuen Flughafen von Istanbul. Dieser geht in Kürze in Vollbetrieb und ab 2020 soll es dort ein voll automatisiertes Warehouse geben. Erkeskin rechnet damit, dass der Flughafen trotz seiner gigantischen Dimensionen auf lange Sicht eher zu klein als zu groß sein wird.

Zusätzlich habe man auf der Schiene im freien Wettbewerb mehr Spielraum für marktgerechte Lösungen. Ein Masterplan nach deutschem Vorbild setze für diesen Verkehrsträger als Ziel, die Schiene zu mindestens acht Prozent im Modal Split zu haben.

Einfache Prozesse für eine leistungsfähige Logistik

Die Türkei sieht Erkeskin als ein Exportland. Um diesem Anspruch gerecht zu bleiben, wolle man die Geschäfte mit und in dem Land erleichtern. Digitalisierung und vereinfachte Abläufe hält Erkeskin deshalb vor allem an den Grenzübergängen für wichtig. Erste Maßnahmen hätten die Warteschlangen schon von 20 auf fünf Kilometer verkürzt. Zukünftig wolle man zum Beispiel eine komplett freie Fahrt, indem Lkws schon vor Ankunft online einchecken können.

Die vereinfachten Abläufe in der Zusammenarbeit mit der Türkei seien zudem als Teil der neuen Seidenstraße ein wesentlicher Aspekt. Vor dem Hintergrund der Belt-and-Road-Initiative, die Wirtschaftsräume verbinden soll, habe die Schiene im liberalisierten Wettbewerb ein hohes Potenzial.

Erkeskin: „Istanbul kann das Gate nach Europa sein.“

„Logitrans“ – Mittler im euroasischen Raum

Zu diesen Plänen passt die „Logitrans“, International Transport Logistics Exhibition, die in Istanbul vom 13. bis 15. November 2019 stattfindet. Sie sieht sich als führende Messe entlang der gesamten Wertschöpfungskette aus den Bereichen Logistik, Telematik und Transport im eurasischen Raum.

Organisiert wird die „Logitrans“ einmal im Jahr von EKO MMI Fuarcilik Ltd. Sti., einem Joint Venture der Messe München und EKO Fair Limited. 2018 zählte sie eigenen Angaben zufolge 136 Aussteller und 14.100 Teilnehmer. Das internationale Branchennetzwerk der „Transport Logistic Exhibitions“ besteht aus acht Veranstaltungen.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)