01.03.2017

Transportaufkommen steigt – und der Lkw ist Hauptnutznießer

Dauerstau auf den Straßen, wirklichkeitsferne Lenk- und Ruhezeiten, Schwerstunfälle – und doch ist der Lkw das erfolgreichste Transportmittel. Er ist laut Destatis Hauptnutznießer des auf Rekordniveau gestiegenen Transportaufkommens.

Vom höheren Transportaufkommen profitiert vor allem der Lkw

Transportaufkommen im vierten Jahr in Folge angestiegen

In Deutschland wurden 2016 mehr Güter transportiert als je zuvor. Das Transportaufkommen stieg gegenüber dem Vorjahr um 1,1% auf 4,6 Milliarden Tonnen. Das ergibt sich aufgrund vorläufiger Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis). Zu diesem Wachstum trugen demnach die Verkehrszweige Lastkraftwagen, Seeschiffe, Rohrleitungen und Flugzeuge bei. Beim Eisenbahnverkehr und bei der Binnenschifffahrt gab es dagegen Rückgänge. Insgesamt wuchs der Güterverkehr in Deutschland im vierten Jahr in Folge.

Lkw gewinnt Anteile hinzu

Lastkraftwagen gewannen Anteile am Güterverkehr hinzu, während Eisenbahnen und Binnenschiffe Anteile verloren:

  • Das stärkste Wachstum aller Verkehrszweige wies die Luftfracht mit einem Plus von 3,3%auf, allerdings werden in Flugzeugen mit insgesamt 4,5 Millionen Tonnen nur 0,1% des gesamten Transportvolumens befördert.
  • Nach einer externen Schätzung der im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur erstellten Mittelfristprognose wurden auf Straßen im vergangenen Jahr 3,6 Milliarden Tonnen und damit 1,5% mehr Güter befördert als im Jahr davor.
  • Im Eisenbahnverkehr ging die Beförderungsmenge im Vorjahresvergleich dagegen um 1,6% auf 361 Millionen Tonnen zurück.
  • Binnenschiffe beförderten mit 220 Millionen Tonnen ebenfalls weniger Güter als im Vorjahr (– 0,8%). Niedrigwasser führte hier im letzten Quartal 2016 zu starken Rückgängen des Transportaufkommens.
  • Im Seeverkehr stieg die Beförderungsmenge mit einem Plus von 0,3% moderat auf 293 Millionen Tonnen.
  • Der Transport von Rohöl in Rohrleitungen nahm um 2,0% auf 92 Millionen Tonnen zu.

Quittung für Lkw-freundliche Politik

Der Lobbyverband „Allianz pro Schiene“ sprach einem Bericht des „Handelsblatts“ zufolge von einer schmerzhaften Quittung für die Lkw-freundliche Politik. Die Eisenbahner machen insbesondere geringere Lkw-Maut, steigende Trassenpreise für die Bahnen sowie hohe Abgaben auf Strom für das Ergebnis verantwortlich. Dagegen werde Diesel weiter steuerlich begünstigt.

„Ausgerechnet die umwelt- und klimafreundlichen Güterbahnen kämpfen mit einer immer schwieriger werdenden Marktlage“, kritisierte Geschäftsführer Dirk Flege.

Dabei sähen Studien für die Güterbahnen einen Marktanteil von bis zu 35%. Die Schweiz und Österreich bewiesen, dass mehr Güter auf der Schiene möglich seien.

DB Cargo schrumpft

Das Netzwerk europäischer Eisenbahnen (NEE), ein Zusammenschluss von DB-Konkurrenten, sprach von einem Trendbruch mit Ansage. Zwar hätten die eigenen Bahnen noch ein leichtes Wachstum verzeichnet, DB Cargo hingegen sei weiter geschrumpft. Wer sich frage, warum die Autobahnen immer voller mit Lkw seien, bekomme eine einfache Antwort:

„Der Straßentransport ist konkurrenzlos preiswert und wird noch günstiger. Und das ist von der Bundesregierung so gewollt“, zitiert der Zeitungsbericht NEE-Geschäftsführer Peter Westenberger.

Er forderte wie die Allianz pro Schiene eine Kürzung der Trassenpreise.

Autor: Franz Höllriegel