29.03.2019

Tiefbaubörse soll gegen Mangel an Tiefbauressourcen wirken

Deutschland Entwicklungsland der Telekommunikation. Zwar will die Bundesregierung das ändern. Sie bekennt sich im Koalitionsvertrag zum flächendeckenden Gigabitnetzausbau. Allein: es fehlt an Ressourcen vor allem im Tiefbau. Hier will eine Auftragsbörse für Abhilfe sorgen.

Die neue Tiefbaubörse wurde initiiert vom Bundesverband Breitbandkommunikation e.V. (Breko).

Deutschland hinkt bei Netzausbau international hinterher

An einem leistungsfähigen flächendeckenden Gigabitnetz hängt alles: innovative Dienste und Anwendungen der Digitalisierung, intelligente Vernetzung in allen Lebens- und Arbeitsbereichen und damit der Transformationsprozess zur Gigabitgesellschaft. Zumindest bei den Tiefbauressourcen soll jetzt eine Tiefbaubörse Abhilfe schaffen.

Bislang bleibt in Deutschland der Fortschritt beim Glasfaserausbau hinter der Entwicklung in anderen Ländern zurück. Das ergibt eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung WIK im Auftrag des Bundesverbands Breitbandkommunikation e.V. (Breko). Danach droht Deutschland nicht nur im Vergleich zu weltweiten Vorreitern wie Japan, Südkorea und Singapur, sondern auch zu europäischen Ländern den Anschluss zu verlieren. Die Studie zitiert die Bundesnetzagentur: Ihr zufolge waren in Deutschland Ende 2017 etwa 2,7 Millionen Haushalte anschließbar. Die Zahl der tatsächlich geschalteten Anschlüsse vom Typ FTTB/H betrug dagegen nur knapp 800.000.

Immer knappere Tiefbauressourcen behindern Kabelleitungstiefbau

Ein Grund für den schleppenden Netzausbau laut Breko: die immer knapper werdenden Tiefbauressourcen. Diese sind entscheidend für den Glasfaserausbau. Sie stellen auf absehbare Zeit ein immer größer werdendes Problem dar. Hinzu kommt, dass die Preise beim Tiefbau nach Erkenntnissen der WIK-Studie in den vergangenen zwei Jahren im Schnitt um rund ein Drittel gestiegen sind.

In Anbetracht eines Kostenanteils von 80 bis 90 Prozent, der beim FTTB/H-Ausbau auf Personal-, Material- und Maschineneinsatz im Tiefbau entfällt, haben demnach Verzögerungen und Kostensteigerungen eine hohe Bedeutung für Umfang und Anteil der eigenwirtschaftlich mit FTTB/H erschließbaren Regionen. Projektbezogene Zusatzkosten entstünden vor allem durch das Zusammenspiel zwischen den ausbauenden Unternehmen und der öffentlichen Hand. Komplexe Genehmigungsverfahren verursachten hohe Transaktionskosten und könnten zu mehrmonatigen Verzögerungen beim Ausbau führen.

Tiefbaubörse erstmalig auf „Fiberdays19“

Hier setzt eine Tiefbaubörse an, die der Breko am 27. und 28. März 2019 in Wiesbaden auf der Glasfasermesse „Fiberdays19“ vorstellte. Mit der Börse will die Organisation das Problem stark begrenzter Tiefbauressourcen und immer weiter steigender Tiefbaupreise angehen.

Die Tiefbaubörse soll Netzbetreiber mit Giganetzausbau und Tiefbauunternehmen zusammenbringen. Ziel: die vorhandenen Kapazitäten der Tiefbauer auch kurzfristig und für kleine, schnell realisierbare Ausbauprojekte überall in Deutschland besser ausschöpfen. Nicht selten hätten Tiefbauunternehmen zwischen der Umsetzung von Großprojekten Lücken, die man für den lokalen und regionalen Glasfaserausbau sinnvoll nutzen könne.

Industrielle Schwergewichte unterstützen Tiefbaubörse

Für die Realisierung der Börse ist es dem Breko gelungen, bekannte Tiefbauunternehmen mit ins Boot zu holen wie den Baukonzern Strabag, eines der größten Bauunternehmen Europas, den Generalunternehmer Eltel, das Bauunternehmen Leonhard Weiss (mehr als 5.000 Beschäftigte in Deutschland und Europa) sowie den bei Telekommunikation/Kabelleitungstiefbau mit führenden Mittelständler Klenk & Sohn.

Daneben kooperiert der Breko mit dem Fachverband Fernmeldebau (FFB) und der Gütegemeinschaft Kabelleitungstiefbau als wichtigen Multiplikatoren.

Tiefbaubörse geht im Web weiter

Fiberdays19-Besucher kamen bei der Tiefbaubörse zudem in den Genuss von Fachseminaren und Workshops. Sie konnten sich über alternative, zeit- und kostensparende Verlegetechniken beim Glasfaserausbau sowie über die Einhaltung hoher Qualitätsstandards bei der Glasfaserverlegung informieren. Breko will die Tiefbaubörse im Anschluss an die Veranstaltung als webbasierte Kontakt- und Auftragsbörse weiterführen.

Netzbetreiber sollen dort u.a. längerfristig angedachte Ausbauvorhaben ankündigen sowie konkret geplante Ausbauprojekte einstellen können, Tiefbauunternehmen wiederum kurzfristig frei werdende Ressourcen bekanntgeben.

WIK-Bündel an Maßnahmen

Mit der Ende November 2018 vorgestellten Tiefbaustudie hat das WIK ein ganzes Bündel an Maßnahmen vorgeschlagen, um das Problem knapper Tiefbauressourcen sowohl kurz- als auch mittel- bis langfristig anzugehen. Mit dem Start der Tiefbaubörse liefert der Breko nun einen ersten, wichtigen Ansatz zu deren Realisierung.

Weitere sollen folgen. So arbeitet der Verband derzeit an einer rascheren und effizienteren Abwicklung notwendiger Genehmigungs- und Planungsprozesse.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)