27.03.2020

Studie belegt: Logistikdienstleister gehen bei Digitalisierung voran

Alle reden von Digitalisierung – Logistiker auch und mischen dabei ganz vorn mit. Das belegt eine Studie der Bundesvereinigung Logistik (BVL). In der Zielbestimmung scheint man sich dabei durchaus einig zu sein. Und über den Weg dorthin, im Wesentlichen auch.

Logistikdienstleister Digitalisierung

Logistikdienstleister arbeiten intensiv an Digitalisierung

Die Digitalisierung steht bei den Logistikdienstleistern nicht nur ganz oben auf der Agenda. Die Unternehmen arbeiten auch intensiv daran, ihre Prozesse, Produkte und Dienstleistungen durch den Einsatz von digitalen Technologien zu verbessern. Das zeigt jetzt eine Studie der IUBH Internationalen Hochschule zum Thema „Transport & Logistik in Kooperation mit der Bundesvereinigung Logistik BVLDigitale Transformation LDL 2019“ unter der Leitung von Prof. Dr. Hubert Vogl zum Stand der Digitalisierung bei Logistikdienstleistern (LDL).

Handlungsbedarfe bei Vorgehensweise

Im Detail zeigen sich demnach bei der Mehrheit der Unternehmen klare Handlungsbedarfe in der systematischen, ganzheitlichen und strategieorientierten Vorgehensweise. Wesentliche Unterschiede machen die Wissenschaftler in der Schwerpunktsetzung der Digitalisierungsaktivitäten zwischen Transport und Logistik – von wenigen Ausnahmen abgesehen – keine aus. Für die Studie befragten die Forscher von Oktober bis Dezember 2019 35 Führungskräfte aus Logistik und Transport. Im Fokus der Studie standen laut IUBH dabei zu zwei Fragestellungen:

  • Wo stehen die deutschen klein- und mittelständischen Logistikdienstleister im Rahmen ihrer digitalen Transformation, und wie gehen sie diesen sensiblen und gleichzeitig hochdynamischen Entwicklungsprozess an?
  • Ist die Vorgehensweise in erster Linie von einem fremdgesteuerten Aktionismus geprägt, oder wird der Entwicklungsprozess durch eine systematische und strategieorientierte Reifegradentwicklung geführt und unterstützt?

Optimierung digitaler Prozesse

Das Ergebnis: Die Unternehmen arbeiten intensiv daran, ihre Prozesse, Produkte und Dienstleistungen durch den Einsatz digitaler Technologien zu optimieren. Allerdings habe die Mehrheit der befragten Logistikunternehmen noch Handlungsbedarf bei der systematischen, ganzheitlichen und strategieorientierten Vorgehensweise:

  • Weniger als die Hälfte verfolgt eine ganzheitliche Digitalisierungsstrategie.
  • Nur rund jedes dritte Unternehmen geht aktiv auf seine Kunden zu, um ihnen den Mehrwert ihrer digitalen Ideen und Lösungen zu vermitteln.

Bei der Schwerpunktsetzung sind bedeutsame Unterschiede zwischen Transport- und Logistikdienstleistern nur in wenigen Ausnahmefällen zu erkennen; beide sehen sich ähnlichen Herausforderungen gegenüber.

Infografik iubh
Infografik iubh

Die Digitalisierung sei bei deutschen Logistikern angekommen. Sie trieben sie aktiv voran, sowohl im Transport als auch in der Kontrakt-Logistik und im Supply Chain-Management. Logistikdienstleister hätten erkannt, dass sie sich dazu von einer über lange Zeit beobachtbaren Fremdbestimmung und einer reinen Fokussierung auf die Umsetzung von Kundenvorgaben lösen müssten.

Die Forscher erkennen in der Vergangenheit eine Null Fehler-Philosophie. Sie habe in logistischen Wertschöpfungsprozessen bisher auch aufgrund der Anforderungen aus dem Qualitätsmanagement vorgeherrscht. Das mache es Logistikdienstleistern zusätzlich schwer, den Kulturwandel vorzunehmen. Dieser sei aber für eine erfolgreiche digitale Transformation und einen positiven Umgang mit Fehlern erforderlich:

  • 52 Prozent der befragten Experten verspüren den größten Veränderungsdruck seitens der Kunden.
  • Mitarbeitern werden mit acht Prozent als sehr passiv eingeschätzt.
  • Geschäftsprozesse, Technik und IT-Systeme zählen bei 60 Prozent der Experten zu den zentralen Handlungsfeldern der Digitalisierungsstrategie.
  • Kultur (24 %) und Change-Management (20 %) liegen deutlich darunter und nehmen in der Rangliste die letzten Plätze ein.
  • Als Quellen für den Bezug von Know-How zur Digitalisierung rangieren der unternehmensinterne und -externe Austausch mit jeweils 56 Prozent auf den ersten Plätzen. Externe Beratung sowie Lieferanten und Netzwerke stehen mit jeweils 20 Prozent aktuell nicht im Fokus des Wissensmanagements.

Unsicherheit bei Kunden groß

Hinzu komme, dass Kunden in Bezug auf ihre strategische Ausrichtung noch oft unsicher seien. Sie müssten sich zunächst selbst mit der digitalen Transformation und den damit verbundenen Herausforderungen auseinandersetzen. Dadurch stünden ganze Geschäftsmodelle auf dem Prüfstand und müssten neu justiert werden. Das wiederum habe Auswirkungen auf deren logistische Dienstleister. Industrie und Handel nähmen sich bei der Formulierung digitaler Vorgaben und Anforderungen zurück.

Außerdem stünden wichtige Industriezweige wie die deutsche Automobilindustrie vor einem großflächigen Strukturwandel: Ausbringungsmengen sinken, und damit die Auslastung der Logistikdienstleister. Auf der anderen Seite wüchsen Onlinehandel, Paketzustellungen und Güterverkehr seit Jahren stetig an. Sie verlangten nach innovativen und agilen Logistik- und Transportkonzepten.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)