12.12.2019

Strompreise steigen 2020 an: 44 Milliarden für Steuern und Abgaben

2020 steigen die Strompreise an. Jedenfalls wenn sich fortsetzt, was sich in den Vorjahren angekündigt hat. Um bis zu 13 Prozent teurer ist der Einkauf von Strom auf den Terminmärkten 2019 gegenüber 2018. Ein Preistreiber: Steuern und Abgaben. Sie liegen 2020 bei 44 Milliarden Euro.

Nichts Neues: Die Strompreise steigen 2020 an.

Börsenstrompreise auch 2019 gestiegen

Bereits 2018 und 2017 sind die Kosten für die Strombeschaffung stark angestiegen. Dieser Trend hat sich nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW) auf dem Energiemarkt fortgesetzt. Bislang liegen die Börsenstrompreise 2019 auf dem Terminmarkt um rund 13 Prozent über denen des Jahres 2018. Die Strompreise steigen 2020 weiter: Man muss kein Hellseher sein, um dies vorauszusehen.

Grafik: Entwicklung der Strompreise

Gesunken sind lediglich die Preise im Kurzfristhandel. Hier werden jedoch nur vergleichsweise geringe Strommengen gehandelt. Sie dienen insbesondere dem kurzfristigen Ausgleich von prognostiziertem und tatsächlichem Stromverbrauch der nächsten 24 bis 48 Stunden.

Die derzeit unterstellten niedrigen Beschaffungskosten sind laut BDEW in Wirklichkeit so nicht erzielbar. Auf sinkende Beschaffungskosten in diesem Jahr käme man nur bei einer Beschaffung sämtlicher Mengen im Kurzfristhandel, eben dem Spotmarkt. Damit würde von den Stromversorgern verlangt, dass sie ihre gesamten Strommengen erst wenige Tage vor der Lieferung an die Kunden einkaufen – nach Ansicht der Marktforscher eine Hochrisikostrategie für die Unternehmen und die Verbraucher. Im kurzfristigen Handel kaufe man üblicherweise nur ein, um kurzfristige Schwankungen bei der Nachfrage nach Strom auszugleichen.

Strombeschaffungskosten ein Viertel des Strompreises

Der Anteil der Strombeschaffungskosten am Strompreis für Endkunden beträgt nur noch rund ein Viertel. Den größten Anteil am Strompreis der Verbraucher haben den Angaben des BDEW zufolge mit 53 Prozent die Steuern, Abgaben und Umlagen. Sie werden in Summe auch 2020 ansteigen. Die Gesamtbelastung der staatlichen Steuern und Abgaben bei Strom schätzen die Statistiker auf 44 Milliarden Euro: Dies ist ein neuer Rekordwert. Auch die Netzentgelte sollen im nächsten Jahr ansteigen. Sie bestimmen etwa ein Viertel des Preises.

Strompreise steigen 2020 – es gibt Handlungsbedarf

Der BDEW sieht aufgrund der vorliegenden Zahlen Handlungsbedarf bei den Strompreisen. Er fordert, die hohen staatlichen Belastungen auf den Strompreis zu senken. Kunden könne man allein durch eine drastische Senkung der Stromsteuer um etwa zwei Cent je Kilowattstunde entlasten. Dies würde die jetzigen Preissteigerungen in vielen Fällen mehr als ausgleichen.

Die von der Bundesregierung im Rahmen des Klimapakets geplante Senkung der Umlage für erneuerbare Energien um gerade einmal 0,25 Cent ab 2021 bliebe dagegen wirkungslos.

Spotmarkt: Maximal zwei Tage

Spotmarkt ist die europäische Strombörse European Power Exchange (EPEX Spot) in Paris als Handelsplatz für kurzfristig innerhalb von ein bis zwei Tagen lieferbaren Strom. Zwischen Einkauf des Stroms und Lieferung an die Kunden liegen höchstens zwei Tage.

Gehandelt werden hier selbst kleinste Strommengen für den Strombedarf einer Stunde oder sogar einer Viertelstunde, wenn kurzfristige Prognosen für den Strombedarf des nächsten Tages oder die nächsten Stunden vorliegen. Der tatsächliche Strombedarf von Haushalten, Industrie und Gewerbe lässt sich nicht hundertprozentig genau im Voraus prognostizieren.

Der Spotmarkt dient im Stromhandel vor allem dazu:

  • kurzfristige Engpässe zu schließen oder
  • aufgrund der sehr begrenzten Speicherungsfähigkeit von Strom Überkapazitäten anzubieten.

Je nach kurzfristigem Angebot und Nachfrage schwanken die Preise auf diesem Markt teilweise deutlich. Auch aufgrund der starken Preisschwankungen werden auf dem Spotmarkt nur geringe Mengen des Stroms eingekauft, den die Versorger an die Kunden liefern.

Terminmarkt: Längere Vorlaufzeit

Im Unterschied zum Spotmarkt lassen sich am Terminmarkt Produkte mit einer längeren Vorlaufzeit weit vor Beginn der Lieferung handeln. Hier gehen längerfristige Lieferverträge mit einer Vorlaufzeit von mehreren Jahren über den Tisch. Maßgebliche Strombörse in Deutschland ist die European Energy Exchange (EEX) in Leipzig.

An Börsen wie der EEX decken sich Einkäufer mit dem weit überwiegenden Teil ihres Strombedarfs ein. Um das Risiko stark schwankender Börsenstrompreise möglichst gering zu halten, beschaffen viele Versorger den benötigten Strom in Teilmengen und Schritt für Schritt zu verschiedenen Zeitpunkten im Voraus.

Für einen Großteil der an Kunden zu liefernden Mengen im kommenden Jahr wurden bereits die Bezugsmengen vertraglich vereinbart. Starke Veränderungen bei den Börsenpreisen wirken sich daher nicht unmittelbar und nicht eins zu eins auf den Strompreis für Endkunden aus. Die Strategie der Versorger glättet die Entwicklungen an den Energiebörsen. Deshalb sinkt der Strompreisbestandteil „Beschaffung“ nicht im gleichen Umfang, wenn die Börsenpreise fallen. Umgekehrt steigt dieser Strompreisbestandteil nicht in gleichem Umfang, wenn die Preise an der Börse deutlich steigen.

Weiterführende Beiträge

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)