28.11.2018

Strengere Grenzwerte für CO2-Emissionen von Lkw

Sie stinken, machen Krach und zerrütten Fahrbahnbelege und Kanalisationen in den Städten: Lkw fahren eine schwere Umweltlast. Eine Hauptbelastung bildet der Ausstoß von Kohlendioxid der Brummis. Das Europaparlament will dem zu Leibe rücken – mit neuen Grenzwerten für CO2-Emissionen von Lkw.

In Ländern wie China, Japan und den USA gibt es sie schon: Grenzwerte für CO2-Emissionen von Lkw. Das Europäische Parlament hat jetzt einen Beschluss dazu gefasst.

Europäisches Parlament ignoriert Lobbying

Das Europäische Parlament (EP) hat strenge Grenzwerte für die CO2-Emissionen von Lkw beschlossen. Das berichtet die Deutsche Verkehrs-Zeitung. Die Parlamentarier folgten demnach einer Empfehlung des EP-Umweltausschusses. Sie hätten damit aber auch das starke Lobbying der europäischen und vor allem deutschen Lkw-Hersteller ignoriert, heißt es in dem Bericht.

Dem Europäischen Parlament zufolge müssen Lkw und schwere Nutzfahrzeuge ihren Kohlendioxid-Ausstoß bis 2030 durchschnittlich um 35 Prozent senken. Bis 2025 sei eine Reduzierung um 20 Prozent vorgesehen. Vergleichswerte sind die durchschnittlichen Emissionen im Jahr 2019.

Der Beschluss geht deutlich über den Vorschlag der EU-Kommission hinaus. Diese hatte bis 2025 eine Senkung um 15 und bis 2030 um 30 Prozent gefordert. Die Entscheidung des EP ist ein Zwischenschritt. Die Abgeordneten müssen sie noch mit der Position der zuständigen EU-Minister in Einklang bringen. Die hätten sich bislang noch nicht auf einen bestimmten Wert festgelegt.

Null-Emissions-Lkw ab 2025

Neben den neuen Standards für CO2-Emissionen von Lkw haben die Abgeordneten diesen weiteren Beschluss gefasst: Bis 2025 muss jeder zwanzigste verkaufte Lkw eines Herstellers ein Null-Emissions-Lkw sein, bis 2030 sogar jeder fünfte.

Des weiteren fordert das EP von der EU-Kommission, noch vor 2020 Testverfahren vorzuschlagen, die CO2-Emissionen während der Fahrt eines LKW messen können. Dabei ist den EP-Abgeordneten klar, dass die von ihnen geforderten strengeren Grenzwerte und die deutlich größere Zahl von Null-Emissions-Fahrzeugen die Arbeitswelt in der Automobilbranche nachhaltig verändern werden. Deshalb soll die EU-Kommission Programme für die Fortbildung von betroffenen Beschäftigten entwickeln – vor allem für die Regionen, die von dem voraussichtlichen Strukturwandel stark betroffen sein werden.

Verlader zufrieden mit dem Beschluss

Führende Verlader in Europa, darunter DB Schenker, Ikea und die französische Handelskette Carrefour, begrüßten dem Bericht zufolge den Beschluss des Hohen Hauses in Straßburg. DB-Schenker-Chef Jochen Thewes etwa steht hinter dem Ziel, die Emissionen bis 2025 um ein Fünftel zu senken und stärkeren Druck für die gesetzliche Regelung von Null-Emissions-Fahrzeugen auszuüben.

Der federführende Berichterstatter im EP, der niederländische Grüne Bas Eickhout, zeigte sich zufrieden. Das Parlament nehme die Produzenten von Lastwagen und neuen schweren Nutzfahrzeugen in die Verantwortung für ein sauberes Klima.

Eickhout: „Der Straßenverkehr muss vom größten Klimaverschmutzer zum Klimaschützer werden.“

Hersteller sauer über neue Grenzwerte für CO2-Emissionen von Lkw

Die Lkw-Hersteller hingegen schäumen. Ihr europäischer Verband Acea spricht von „exzessiv aggressiven“ CO2-Zielen des EP. In Deutschland klagt Bernhard Mattes, der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA). Die vom Parlament beschlossenen Vorschläge seien

„technologisch und wirtschaftlich in der anvisierten Zeit nicht umsetzbar“.

Außerdem reibt sich Mattes an der

„unverhältnismäßig hohen Strafandrohung von 5000 Euro für jedes überschrittene Gramm Kohlendioxid“.

Das könne „sogar zur Existenzbedrohung“ für „einzelne Nutzfahrzeughersteller“ werden. Lkw sorgten 2016 für 27 Prozent der Emissionen im Straßenverkehr und etwa fünf Prozent der CO2-Emissionen.

Der laufende Gesetzgebungsprozess versucht zum ersten Mal, in Europa Grenzwerte für CO2-Emissionen von Lkw festzulegen. Dagegen haben China, Japan und die USA solche Standards seit langem schon eingeführt.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)