30.04.2020

Staat stützt Condor – Lufthansa noch offen – LGW insolvent

Über den Wolken ist auch nicht alles gleich. Ferienfluglinie Condor bekommt Staatshilfe, bei der Lufthansa ist es noch offen und Luftfahrtgesellschaft Walter (LGW) musste beim Landgericht Insolvenz anmelden. Mutterkonzern Zeitfracht konzentriert derweil seine Logistik.

Lufthansa Condor

Erst 256 Millionen, jetzt nochmal 294 Millionen Euro

Die angeschlagene Ferienfluggesellschaft Condor bekommt bereits zum zweiten Mal Staatshilfe. Gerade erst hat sie im Zuge der Thomas-Cook-Pleite einen staatlichen Überbrückungskredit über 256 Millionen Euro erhalten, da braucht sie wegen der Corona-Pandemie die nächste Unterstützung vom Staat.

Genehmigung für Kreditprogramm

Wie u.a. die FAZ berichtet, erteilte die EU-Kommission angesichts der Coronavirus-Pandemie am 27.04.2020 die Genehmigung für ein Kreditprogramm der Bundesregierung in Höhe von insgesamt 550 Millionen Euro. Condor erhalte aus dem deutschen Corona-Schutzschild-Programm ein Darlehen über 294 Millionen Euro, wie es in dem Zeitungsbericht unter Berufung auf Mitteilungen des Unternehmen selbst weiter heißt.

Auch Hessen springt bei

Neben dem Bund springe das Land Hessen der Fluggesellschaft bei. Kommt hinzu, dass die Übernahme von Condor durch die polnische LOT-Mutter PGL scheiterte. Sie benötigt selbst Staatshilfe. Der Luftverkehr in Europa ist wegen der Pandemie weitgehend lahmgelegt. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) bescheinigt gleichwohl Condor gute Aussichten.

„Das Unternehmen war in normalen Zeiten operativ gesund und profitabel und hat eine gute Zukunftsperspektive“, wrd Altmaier in der FAZ zitiert.

Staatliche Rettung für Lufthansa offen

Offen sei währenddessen die staatliche Rettung für die Deutsche Lufthansa. Sie werde derzeit noch auf höchster Ebene mit der Bundesregierung diskutiert, ob der Staat im Gegenzug zu Milliardenhilfen Lufthansa-Aktionär mit entsprechenden Rechten werden soll. Unionskreise plädieren für eine weitgehende Abstinenz des Staats in unternehmerischen Entscheidungen.

SPD fordert Mitsprachemöglichkeiten

Aus der SPD kommen Forderungen nach solchen Mitsprachemöglichkeiten. Für den französisch-niederländischen Konkurrenten Air France-KLM sei das Rettungspaket indes festgezurrt. Es fehle die Genehmigung der EU-Kommission, doch daran bestehe wenig Zweifel.

Air France-KLM erhält Kredit

Air France soll von einem Konsortium aus sechs Banken einen staatlich garantierten Kredit von 4 Milliarden Euro mit einer Laufzeit von zwölf Monaten zu 90 Prozent erhalten. Darüber hinaus erhalte Air France vom französischen Staat ein Darlehen über 3 Milliarden Euro mit einer Laufzeit von 4 Jahren, jeweils mit Option auf Verlängerung. Die niederländische Regierung wolle eigenen Angaben zufolge Hilfen von 2 bis 4 Milliarden Euro an KLM vergeben. Die Gesamtunterstützung belaufe sich auf 9 bis 11 Milliarden Euro. Bei der Lufthansa wären es bis zu 10 Milliarden Euro.

LGW in Eigenverwaltung insolvent

Unterdessen hat die Luftfahrtgesellschaft Walter (LGW) beim Amtsgericht Düsseldorf Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Wie Mutterkonzern Zeitfracht mitteilt, wurde zum vorläufigen Sachwalter am 22. April 2020 Rechtsanwalt Dirk Andres bestellt. Rechtsanwalt Michael Wilbert trete in die Geschäftsführung des Unternehmens als weiterer Geschäftsführer ein.

Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Situation in der Luftfahrtindustrie fehle derzeit die dauerhafte positive wirtschaftliche Perspektive für die Regionalfluggesellschaft. Die Insolvenz sei damit eine direkte Folge der Reisebeschränkungen und der allgemeinen wirtschaftlichen Situation während der Corona-Pandemie, die die weltweite Luftfahrt de facto lahmgelegt habe.

LGW-Mutter Zeitfracht stärkt Logistik und Pilotenausbildung

Andererseits will die Zeitfracht Gruppe ihre Logistik-Aktivitäten absichern. Die 2017 erworbene Spedition Döpke Transportlogistik aus Hannover integriert die Gruppe in ihr Unternehmen Zeitfracht Logistik. Damit wolle man den Markenauftritt des Systemdienstleisters stärken. Die Niederlassung in Hannover bleibe bestehen, weiterhin unter Führung von Jens Schillberg.

Auch bei der Pilotenausbildung kann Zeitfracht positives melden. Hier sei der Weg zur eigenen Piloten-Ausbildung für German Airways frei. Die Übernahme der Flugschule des in Essen ansässigen Traditionsunternehmens TFC-Käufer durch die German Airways Muttergesellschaft Zeitfracht sei jetzt vollzogen. Zeitfracht führe die Ausbildungskurse für Piloten aus anderen Unternehmen oder private Ausbildungen fort und arbeite unter Geschäftsführer Christian Käufer weiterhin mit namhaften Airlines in der Schulung von fliegendem Personal zusammen.

Ausbildung für ATPL- und MPL-Lizenzen bei German Airways

Aus Sicht von Zeitfracht sind vor allem die Ausbildungsangebote für die ATPL- und die MPL-Lizenzen wichtig für German Airways. Mit dem Kauf will man die Ausbildung der eigenen Piloten auf höchstem Qualitätsniveau sicherstellen. Die Zeitfracht-Gruppe hat zudem die 15 Schulungsflugzeuge der TFC-Käufer übernommen. Die bestehenden Ausbildungsprogramme zum Verkehrsflugzeugführer will das Unternehmen unverändert anbieten. Das 1981 gegründete Schulungsunternehmen mit rund 50 Mitarbeitern war bislang im Besitz der Gründerfamilie. Geschäftsführer Christian Käufer, Sohn des Firmengründers Rolf Käufer, leitet die Flugschule weiterhin als Geschäftsführer.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)