19.02.2018

Sondertransporte besser auf Transportträger verteilen

Lkw im Dauerstau – der schnellste Transportträger der Straße ist längst der langsamste. Abhilfe ließe sich schaffen. Dazu müssten sich die Transporteure auf eine bessere Verteilung der Transporte verständigen. Für Sondertransporte hat man jetzt erste Ansätze dafür identifiziert.

Binnenschifffahrt und Sondertransport

Hebel für transportträgerübergreifendes Arbeiten  

  • Quantifizierung,
  • Information,
  • Vernetzung –

diese drei relativ kurzfristig umsetzbaren Ansatzpunkte wollen Schwer- und Großraumtransporteure als Hebel für ein koordiniertes und transportträgerübergreifendes Arbeiten nutzen. So das Ergebnis des Fachforums Sondertransporte, das das ShortSeaShipping Inland Waterway Promotion Center (SPC) unlängst in Bonn durchgeführt hat.

Das SPC ist ein nationales Kompetenz-Center zur Förderung des Kurzstreckenseeverkehrs und der Binnenschifffahrt im Rahmen multimodaler Transportketten.

Wasserstraße verstärkt in Transportkette einbeziehen

Dabei diskutierten etwa 80 Teilnehmer über die aktuelle Situation von Sondertransporten und wie der Verkehrsträger Wasserstraße verstärkt mit in die Transportkette einbezogen werden kann.

SPC-Geschäftsführer Markus Nölke sieht eine ganze Reihe von Stellschrauben, mit deren Hilfe sich die angespannte Situation auf der Straße entzerren lasse, insbesondere durch die konsequentere Nutzung der Binnenschifffahrt und des Kurzstreckenseeverkehrs.

Statistische Grundlage für Sondertransporte

Der erste Punkt zielt auf die Erarbeitung einer statistischen Grundlage für Sondertransporte ab. Aktuell wird die Anzahl und Art der in Deutschland jährlich durchgeführten Sonder- und Großraumtransporte nicht gesondert statistisch erhoben. Sofern keine Basisdaten vorhanden sind, lasse sich auch kein genauer Modal Split ableiten, folgert Nölke laut einer Mitteilung seiner Organisation.

Derzeit sei lediglich bekannt, was die Unternehmen kommunizieren. So berichtete Markus Pecksen von der Siemens Gamesa Renewable Energy, dass die gesamte Windbranche im Jahr 2017 mit rund 50.000 Schwertransporten in Deutschland rechnet.

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Informationsangebot für Disponenten

Der zweite Ansatzpunkt ist die Erarbeitung eines Informationsangebots für Disponenten bei Schwertransportspediteuren über die Möglichkeiten und Abläufe der Buchung von Frachtkapazitäten mit dem Binnenschiff.

Verstärkte Kommunikation

Der dritte Ansatzpunkt zielt auf eine verstärkte Kommunikation innerhalb der Branche ab. Sie wurde bereits mit der Initiierung des Forums angestoßen. Nölke kündigte für das 1. Quartal 2018 ein weiteres Forum an, auf dem Handlungsoptionen diskutiert werden sollen.

Anforderungen der Verlader

Die Anforderungen der Verlader an die Rahmenbedingungen für Sonder- und Großraumtransporte machten Vertreter des Maschinen- und Anlagenbaus wie Siemens Wind Power, Krones und Schmidtsche Schack-Arvos deutlich. Eine belastbare Infrastruktur ist für die international agierende Industrie äußerst wichtig.

Die Unternehmen müssen von ihren Produktionsstandorten, an denen sie mehrheitlich schon seit vielen Jahrzehnten angesiedelt sind, zukunftssicher weltweit exportieren. Anlagen und Komponenten würden künftig noch größer, länger und schwerer. Damit steigen auch die Anforderungen an den Transport.

Die Infrastruktur hat folglich einen entscheidenden Einfluss auf den künftigen Unternehmenserfolg.

„Für Schmidtsche Schack ist der Erhalt des derzeitigen Zustands der Oberweser von herausragender Bedeutung für den Standort Kassel“, verdeutlicht Wolfgang Klecker, Director Business Development und Communication von Arvos.

Die dort entwickelten und produzierten Anlagenkomponenten gehen bis in Gewichte und Dimensionen, die nicht mehr über die Straße transportiert werden können.

Zunehmende Behinderungen im Straßentransport

Einig waren sich die Teilnehmer, dass in den kommenden zehn bis 20 Jahren mit keiner Verbesserung der angespannten Situation auf der Straße zu rechnen sei. Sie erwarten auch künftig stark zunehmende Behinderungen im Straßentransport, insbesondere durch Ablastungen von Brücken.

Dies führt dazu, dass Transporte oftmals Umwege in Kauf nehmen müssen, die doppelt oder dreifach so lang sind wie die direkte Strecke. Daher müssen multimodale Logistiklösungen noch stärker in den Fokus gelangen.

Beteiligung der Binnenschifffahrt

Gute Chancen für die Binnenschifffahrt, stärker am Aufkommen von Sondertransporten zu partizipieren, sieht Nölke.

„Die angespannte Lage auf den Straßen spricht dafür und die Kompetenz für diese Art von Transporten ist vorhanden. Ferner trifft der allgemeine Fahrermangel auch die Schwertransportspediteure. Dazu müssen wir die Möglichkeiten der Binnenschifffahrt noch stärker hervorheben“, erklärt Nölke.

Langwierige Genehmigungsverfahren

Weitgehend einig war man sich auch in der Kritik an den langwierigen Genehmigungsverfahren, die Sonder- und Großraumtransporte oftmals verzögerten. Teilnehmer berichteten, dass sie im Durchschnitt fünf bis sechs Wochen einplanten, in einem Fall dauerte es sogar acht Wochen bis eine Transportgenehmigung erteilt wurde.

Ein weiteres Problem sei, dass erteilte Genehmigungen wieder entzogen würden, weil kurz nach Erteilung auf der genehmigten Strecke eine Baustelle aufgemacht werde. Teilnehmer regten zudem prioritäre Verfahren für Wasserstraßentransporte an. Wolfgang Draaf, Geschäftsführer der Bundesfachgruppe Schwertransporte und Kranarbeiten (BSK), forderte, Genehmigungen innerhalb von fünf Werktagen zu erteilen.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)