14.08.2018

Sommer 2018: Auch die Logistik ächzt unter der Hitzewelle

Stroh in Kornähren, früh abgemähte Felder – von Wein- und Obstbau abgesehen, hat vor allem die Landwirtschaft unter der Dürre und Hitzewelle zu leiden. Doch auch die Binnenschifffahrt ist beeinträchtigt. Großunternehmen wie BASF stellen Logistikpläne um und der Einzelhandel steht vor leeren Regalen.

Durch die Hitzewelle bleiben manche Regale leer. Es gibt Lieferengpässe bei Ventilatoren, Wassertechnik für den Garten und Getränken.

Lieferengpässe bei BASF Ludwigshafen

Die Hitzewelle macht den Unternehmen zu schaffen. Jetzt schränkte der badische Chemiekonzern BASF wegen der anhaltend hohen Temperaturen und des Niedrigwassers im Rhein seine Produktion und Logistik ein. So berichtet die „WirtschaftsWoche“ unter Berufung auf den Konzern über dessen Werk in Ludwigshafen.

Bei einer Fortdauer der Hitzewelle könne es in Einzelfällen zu Lieferengpässen kommen. Wegen der hohen Temperaturen sei etwa die Wiedereinleitung des Kühlwassers in den Rhein begrenzt. Um die Vorgaben der Behörden einzuhalten, müsse BASF die Produktion in Ludwigshafen nach und nach einschränken. Außerdem könnten aufgrund der sinkenden Flusspegelstände Waren nur noch begrenzt über den Rhein abtransportiert werden. Mit Kunden spreche man deshalb über die Verlagerung der Transporte auf andere Verkehrsträger.

Hitzewelle: Niedrigwasser beeinträchtigt Binnenschifffahrt

Das Niedrigwasser in Deutschlands Flüssen bereitet der Binnenschifffahrt zunehmend Probleme. Das hat Auswirkungen auf Logistik und Versorgungslage der heimischen Wirtschaft. Weil die Pegel von Deutschlands Flüssen sinken, können viele Frachtschiffe nur noch zum Teil laden und müssen mehr Schiffe eingesetzt werden.

Anders als bei Hochwasser spricht die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung bei Niedrigwasser keine Fahrverbote aus. Jeder Schiffsführer ist selbst dafür verantwortlich, ob er frei fahren kann.

„Viele Schiffe können derzeit nur noch mit halber Ladung fahren, teilweise sogar mit noch weniger“, meldet das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt in Köln einem Bericht der „Welt“ zufolge.

Der Rhein ist im Stadtgebiet Köln derzeit gerade noch 1,40 Meter tief. Ab etwa Donnerstag, dem 16. August, werden sogar nur noch 1,30 Meter erwartet. Üblich ist in Köln ein mittlerer Pegelstand von 3,21 Metern.

Manche Flüsse unpassierbar

Ähnlich sieht es auch in anderen Regionen Deutschlands aus. „Von Niedrigwasser sind derzeit insbesondere frei fließende Flüsse betroffen, neben dem Rhein also auch die Donau, die Elbe und die Oder“, heißt es beim Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB).

Auf der Binnenelbe zum Beispiel können derzeit keine Schiffe mehr fahren. Die Oder ist ebenfalls unpassierbar. Aufgrund der fehlenden Niederschläge in den tschechischen und polnischen Einzugsgebieten herrscht im Fluss extremes Niedrigwasser, erklärt Sebastian Dosch vom zuständigen Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Eberswalde. Der Fluss könne sogar schon durchwatet werden.

Die „Dresdner Neueste Nachrichten“ meldeten am 4. August, dass das extreme Niedrigwasser der Elbe sogenannte „Hungersteine“ zum Vorschein bringt. Diese erinnern an historische Niedrigwasserstände und die damit verbundenen Notzeiten. Hier geht es zur Website der DNN, auf der Fotos solcher Steine zu sehen sind.

Leere Regale im Osten

Dass die Hitzewelle in der Logistik vor Ort angekommen ist, zeigen Beispiele aus Brandenburg. Über diese berichtet die „Märkische Oderzeitung“ (MOZ). Zum Beispiel ging in vielen Geschäften das Angebot einschlägiger Produkte wie Ventilatoren aus. Genauso mau sei es bei den portablen Klimageräten.

Lieferengpässe gebe es bei Getränken. „Alles ist weg“, zitiert das Online-Portal der Zeitung einen Marktleiter. Der prophezeit, dass es auch in keinem anderen Baumarkt in Deutschland noch Ventilatoren geben werde. Der gesamte Lagerbestand sei weg. Selbst drei Jahre alten Ladenhüter hätten Abnehmer gefunden. Nachschub sei vorerst nicht zu erwarten. Die Ware stamme größtenteils aus China und werde ein halbes Jahr vorher bestellt.

Man versuche sein Bestes, um an Ware zu kommen, aber bislang sei das nicht gelungen. Mittlerweile werde es auch eng bei Gartenschläuchen, Wassersprengern und ähnlicher Wassertechnik für den Garten. Hier wird zwar mit Hochdruck produziert, doch die Nachfrage sei riesig.

Hitzewelle sorgt für Konjunktur der Wasserquellen

Des einen Leid, des anderen Freud. Die einheimischen Getränkeproduzenten können sich vor Aufträgen kaum retten.

„Wir fahren Sonderschichten“, heißt es etwa beim Getränkehersteller Vivaris.

Das lässt den Umsatz in die Höhe schießen. Die Rheinsberger Preußenquelle spricht von einer Umsatzsteigerung von etwa 32 Prozent.

Doch die Getränkeregale vieler Märkte sind nur noch schwach bestückt. Die Händler haben enorme Lieferengpässe. Auf eine Wassersorte habe man zum Beispiel sechs Wochen lang gewartet, so meldet ein Getränkemarkt in Oranienburg. Jetzt sei die ganze Logistik zusammengebrochen. Betroffen seien alle Getränke, doch besonders knapp sehe es bei Radler und Wasser aus.

Zum Lieferproblem durch die Produzenten komme noch das Leergut-Problem. Der fehlende Rücklauf von Leergut bremst die Getränkehersteller aus, so ein Marktleiter von Rewe in Velten. Es gibt dort Schwierigkeiten, weil Getränkekisten für den Transport fehlen.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)