04.01.2022

Solarstrom: Werkzeughersteller Covestro kauft bei EnBW ein

Woher kommt Solarstrom, wenn die Sonne mal nicht scheint? Darüber scheint sich Werkzeughersteller Covestro derzeit weniger Sorgen zu machen. Im Gegenteil: das Unternehmen will seine Energieversorgung für die Zukunft langfristig absichern – mit Solarstrom aus Brandenburg.

Solarstrom

Langfristige Stromversorgung aus Sonnenenergie

63 Megawatt (MW) Leistung will Covestro aus dem insgesamt 187 MW starken Solarpark „Weesow-Willmersdorf“ in Brandenburg beziehen. Den Park betreibt das baden-württembergische Energieunternehmen EnBW. Mit ihm hat der Werkstoffhersteller einen entsprechenden langfristigen Industriekunden-Liefervertrag (Corporate Power Purchase Agreement, PPA) für Solarstrom unterzeichnet. Die von der EnBW betriebene Anlage ist laut einer Pressemitteilung der größte Solarpark in Deutschland, umgesetzt ohne staatliche Förderung nach dem ohnedies voraussichtlich nach den Wünschen von Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) demnächst auslaufenden Energie-Einspeisungs-Gesetz (EEG).

Erstes PPA für Covestro

Die Vereinbarung mit Covestro ist der erste PPA für das Projekt. Der Solarstrom soll seit Anfang 2022 über 15 Jahre an den Covestro-Standorten Dormagen und Krefeld-Uerdingen zum Einsatz kommen. Das Unternehmen will die erneuerbare Energie dort vorrangig zur Produktion nachhaltigerer, massenbilanzierter Kunststoffe nutzen. Es stellt diese im sogenannten Drop-In-Verfahren unter Einsatz alternativer Rohstoffe her. Dazu gehören massenbilanzierte Polycarbonate und massenbilanzierte thermoplastische Polyurethane.

Umstellung der Energieversorgung

In der Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Energien sieht Covestro einen wichtigen Pfeiler seiner Strategie. Man richte sich vollständig auf die Kreislaufwirtschaft aus und gestalte seine Produktion langfristig klimaneutral.

„Mit dem Bezug von Solarstrom aus dem EnBW-Park unterstreichen wir unseren Anspruch, eine Vorreiterrolle auf dem Weg in eine klimaneutrale Zukunft einzunehmen und setzen erneut ein Signal für den Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland. Denn für die klimaneutrale Transformation der Industrie benötigen wir große Mengen erneuerbarer Energien zu international wettbewerbsfähigen Preisen“, so Dr. Klaus Schäfer, Cheftechniker von Covestro.

Seit März 2021 am Netz

Seit März 2021 ist der Solarpark der EnBW nahe Berlin mit seinen 465.000 Solarmodulen vollständig am Netz.

„Wir setzen uns schon länger dafür ein, dass erneuerbare Energien auch ohne staatliche Unterstützung marktfähig sind“, erklärt Dr. Georg Stamatelopoulos, Chief Operating Officer Generation und Trading bei EnBW.
PPAs seien ein wichtiges Instrument, um förderfreie Anlagen wirtschaftlich zu betreiben. Gleichzeitig hülfen sie bei der Energiewende der Abnehmerseite dabei, Klimaziele schnell und wirksam zu erreichen. Stamatelopoulos: „Das macht PPAs gerade für Unternehmen mit energieintensiver Produktion besonders attraktiv.“

Nachhaltigere Kunststoffe durch grünen Strom

Covestro beabsichtigt, den Solarstrom von EnBW überwiegend für die Produktion massenbilanzierter und nach der internationalen Nachhaltigkeits- und Kohlestoffzertifizierung (International Sustainability and Carbon Certification – ISCC) „ISCC Plus“ zertifizierter Hochleistungskunststoffe der Produktreihen „Makrolon RE“ und „Desmopan“ an den beiden Standorten einzusetzen. „Auf diese Weise steigern wir die Nachhaltigkeit unserer Produktionsprozesse und helfen zugleich unseren Kunden, ihren CO2-Fußabdruck zu senken – bei gleichbleibender Qualität“, so Schäfer.

Von der Wiege bis zum Werkstor klimaneutral

Der Konzern will schon heute ausgewählte Typen des Polycarbonats „Makrolon RE“ herstellen, „von der Wiege bis zum Werkstor klimaneutral“, so die Unternehmensmitteilung. Auch das thermoplastische Polyurethan „Desmopan“ produziere man bereits mit verbesserter CO2-Bilanz. Polycarbonate sind Anteile unter anderem in Elektronikprodukten und Autoscheinwerfern, thermoplastische Polyurethane beispielsweise in

  • Haushaltsprodukten,
  • Skischuhen sowie
  • Industrieapplikationen.

Nutzung erneuerbarer Energien

Eine entscheidende Voraussetzung für die Produktion der nachhaltigeren Kunststoffe ist die Nutzung erneuerbarer Energien. Covestro hat bereits frühzeitig mit der Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Energien begonnen und seit 2019 ein Portfolio verschiedener PPAs in Deutschland, Belgien und China aufgebaut. Die Vereinbarung mit EnBW ist der erste PPA für den Bezug von Solarstrom in Europa.

Autor*in: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)