22.05.2018

Siemens-Thyssenkrupp-Konsortium liefert Förderanlage in die Mongolei

Einst als Kupfer-Tagebau gestartet, starten die Kupfer- und Goldminen im mongolischen Oyu Tolgoi in die nächste Phase. Einen Großauftrag zur Lieferung einer Anlage für den Untertageabbau erhielt ein Konsortium unter Führung von Thyssenkrupp. Siemens liefert die Elektrik.

Siemens liefert zusammen mit Thyssen-Krupp eine Förderanlage in die Mongolei.

Investitionen von über fünf Milliarden Dollar

Die Mongolei ist ein Pilgerort für die internationalen Rohstoffgiganten. Alle wollen beim Geschäft mit den Bodenschätzen zwischen China und Russland mitmischen, berichtete schon 2013 das „Handelsblatt“.

Besonders ein Projekt steht für den Traum vom großen Geld: Die Lagerstätte Oyu Tolgoi, ein mächtiges Vorkommen von Kupfer und Gold in der Wüste Gobi 550 Kilometer südlich der Hauptstadt Ulan Bator. Oyu Tolgoi  ist eine der reichsten unterirdischen Kupfer-Lagerstätten der Welt. Bislang wurde sie im Tagebau abgebaut. Das soll sich ändern. Der Bergbauriese Rio Tinto will sie jetzt noch weiter abbauen. Investitionen von mehr als fünf Milliarden Dollar sollen getätigt werden.

Fördersystem für Untertagebau

Als einer der weltweit führenden Anbieter von Tagebau-Anlagen wurde der Geschäftsbereich Industrial Solutions von Thyssenkrupp kürzlich mit der Lieferung eines Fördersystems für einen neuen Untertagebau in Oyu Tolgoi beauftragt. Der Auftragswert liegt im höheren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich.

Zum Lieferumfang gehören neun Förderbänder mit einer Gesamtlänge von 9,5 km sowie sieben Transfertürme mit einer Förderkapazität von bis zu 7.100 t pro Stunde. Voraussichtlich im Jahr 2020 soll erstmals Kupfererz im Untertagebetrieb abgebaut werden. Der Oyu Tolgoi Minenkomplex ist ein Joint Venture der mongolischen Regierung und des kanadischen Bergbauunternehmens Turquoise Hill Resources. An ihm ist Rio Tinto mehrheitlich beteiligt.

Thyssenkrupp liefert Fördersystem in die Mongolei.
Bandanlage von Thyssenkrupp

Bis zu 95.000 t Kupfererz täglich durch die Förderanlage

Aus einer Tiefe von fast 1.400 m unterhalb der Wüste Gobi in der südlichen Mongolei wird das neue unterirdische Fördersystem bis zu 95.000 t Kupfererz pro Tag zur Oberfläche transportieren.

Die Hauptkomponenten sind vier Hubförderbänder, jeweils ausgestattet mit 1,6 m breiten Stahlseilgurten. Weitere Bandanlagen füttern die Haupt-Steilförderanlagen und integrieren das neue Fördersystem in den vorhandenen Minenbetrieb.

Förderanlage für eine der bedeutendsten Kupfer-Abbaustätten

Im Jahr 2013 ging die Oyu Tolgoi Kupfermine zunächst als Tagebau in Betrieb. Durch die zukünftigen unterirdischen Bergbauaktivitäten wird die Mine zu einer der bedeutendsten Kupfer-Abbaustätten weltweit. Der Auftrag für Thyssenkrupp umfasst Engineering, Design und Lieferung der Bandförderanlage sowie Service-Leistungen während Bau und Inbetriebnahme.

Ein Schwerpunkt bei der Entwicklung der Anlage liegt auf ihrer besonderen Wartungsfreundlichkeit. So wird unter anderem ein schneller Austausch einzelner Bandanlagen-Sektionen, Laufrollen und Reinigungsvorrichtungen ermöglicht. Die massive Größe und das hohe Gewicht der Antriebskomponenten stellen besondere Anforderungen an einen sicheren und effizienten Transport und Austausch unter Tage. Um schwere Bauteile unterirdisch zu transportieren und die Haupt-Anlagenkomponenten zu errichten, werden Brückenkräne an strategisch wichtigen Stellen platziert.

Neun Förderbänder

Das Transportsystem besteht aus insgesamt neun Förderbändern – sieben unter Tage und zwei über Tage. Vier dieser Förderbänder sind getriebelos und mit jeweils zwei Antriebssystemen mit einer Leistung von 5,5 Megawatt ausgestattet.

Siemens übernimmt Engineering, Design, Herstellung und Lieferung der elektrischen Ausrüstung der Förderanlage. Siemens liefert Thyssenkrupp

  • die elektrische Ausrüstung, bestehend aus Mittelspannungs-Schaltgeräten des Typs 8DA10 (gasisoliert) und NX-AIR (luftisoliert)
  • Transformatoren
  • Niederspannungsenergieverteilung
  • Frequenzumrichter des Typs Sinamics SL150 und Sinamics S150 sowie
  • langsam drehenden Synchronmotoren mit einer Nennleistung von 5,5 Megawatt und kleineren Kurzschlussläufermotoren.

Vorkonfektionierte E-Houses

Die Lieferung umfasst außerdem vorkonfektionierte „E-Houses“ für den Einbau dieser Ausrüstung. Um die Anforderungen der unteririschen Aufstellungen zu erfüllen, wurden die Abmessungen dieser „E-Houses“ auf ein absolutes Minimum reduziert.

Zum Lieferumfang gehören weiterhin Ausrüstungen zur Blindleistungskompensation und Oberschwingungsfilter sowie das Kühlsystem für die elektrischen Komponenten.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)