16.05.2019

Schwedische Fährreederei Stena Line will nachhaltiger werden

Treibstoffeffizienz, KI, Batterieantrieb, Einwegplastik – die Agenda für mehr Nachhaltigkeit stellt Schiffsfähren vor eine zunehmende Vielzahl von Problemen. Die Fährreederei Stena Line will sie mit einem ehrgeizigen Programm jetzt angehen. Sie hat dafür fünf Schlüsselbereiche definiert.

Fährreederei

Fähren immer noch zu CO2-lastig

Kaum eine Transportbranche ist so abhängig von fossilen Brennstoffen wie die der Schiffsfähren. Folge: mit steigenden Frachtvolumen sind die gesamten CO2-Emissionen gestiegen. Initiativen, den Betrieb zu elektrifizieren, sind noch relativ neu in der Branche, räumt Erik Lewenhaupt, Nachhaltigkeitschef des Fährunternehmens, laut einer Pressemitteilung seines Unternehmens ein.

Sie seien aber extrem wichtig, um schrittweise weiter zu kohlenstoffärmerem Schiffsbetrieb zu kommen. Nur eine Herausforderung, der sich Stena Line stellen will. Soeben legt das Unternehmen zum dritten Mal in Folge seinen jährlichen Nachhaltigkeitsbericht „A Sustainable Journey“ vor. Darin schreibt es seine Nachhaltigkeitsstrategie fest. Sie ist abgeleitet aus fünf strategischen Schlüsselbereichen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen, die in direktem Zusammenhang mit der Reederei stehen:

  1. Saubere Energie,
  2. Nachhaltiger Verbrauch,
  3. Leben unter Wasser,
  4. Gesundheit und Wohlergehen,
  5. Gleichstellung und Inklusion.

Seit ihrer Gründung 1962 hat sich die schwedische Reederei Stena Line mit derzeit etwa 5.000 Angestellten zu einem der größten Fährunternehmen der Welt entwickelt. 2018 transportierte die Flotte eigenen Angaben zufolge über 7,6 Millionen Passagiere, 1,7 Millionen Autos und 2,1 Millionen Frachteinheiten zwischen Niederlanden und Großbritannien, auf der Irischen See sowie auf der Ostsee zwischen Dänemark, Norwegen, Schweden, Polen, Lettland und Deutschland.

Die Flotte besteht aus 38 Schiffen, die Ziele auf 20 Routen anfahren. Darüber hinaus gehören umfangreiche Pauschal- und Serviceangebote zu den Leistungen des Unternehmens. Stena Line operiert in Deutschland von vier Häfen und zwei Standorten aus, dem Hauptsitz der Stena Line GmbH & Co. KG in Rostock sowie einem Büro in Kiel.

Betrieb ganzheitlich nachhaltiger gestalten

Der Bericht beschreibt die Ziele der Reederei, ihren Betrieb ganzheitlich nachhaltiger zu gestalten. Zudem widmet er sich den verschiedenen Initiativen, Verbesserungen und Herausforderungen des vergangenen Jahres auf dem Weg dorthin.

„Mit Größe kommt Verantwortung, und unser Ziel ist es, Maßstäbe in Sachen Nachhaltigkeit zu setzen und den Wandel im europäischen Kurzstreckenseeverkehr voranzutreiben”, sagt Niclas Mårtensson, CEO Stena Line.

Im letzten Jahr habe sein Unternehmen erstmals das Know-how seiner erfahrenen Seeleute an Bord mit KI-Technologien ergänzen und den Batterieantrieb weiterentwickeln können. Überdies habe man seine Bemühungen um die Sicherheit der Besatzung und der Passagiere fortgesetzt und eine neue Initiative für mehr Vielfalt im Betrieb gestartet.

Gesundheit und Saubere Energie

Sicherheit räumt Stena Line oberste Priorität ein. Das Unternehmen konnte die Zahl an Unfällen von Passagieren und Crew an Bord halten, sowie eine technische Verlässlichkeit von 99,8 Prozent bei den Abfahrten erzielen. Neun Fähren der Stena Line-Flotte erhielten den Jones F. Devlin Award der US-Schifffahrtskammer für außerordentliche Sicherheit. Auf der Route Kiel-Göteborg hat das Unternehmen seine Fähren mit KI-Technologie ausgerüstet.

Kapitäne und Offiziere unterstütze man bei der Einsparung von Treibstoff und Emissionen. Ein erstes Projekt sei erfolgreich verlaufen. Sobald es in der gesamten Flotte umgesetzt sei, strebe man ein Treibstoff-Einsparziel von 2,5 Prozent pro Seemeile und Jahr an. An Bord der „Stena Jutlandica“ läuft ein Batterie-Hybrid-Projekt mit einer 1 MWh-Batterie auf der Route Göteborg-Frederikshavn. Über die Anlage im Hafen Oslo lässt die Reederei bereits das 14. Schiff ihrer Flotte mit grünem Landstrom versorgen. 37 Prozent der Flotte und 20 Prozent der Terminals von Stena Line sind den Angaben zufolge für Landstromversorgung gerüstet und sparen so 14.000 t CO2 pro Jahr.

Nachhaltiger Verbrauch

Ziel von Stena Line ist der vollständige Bann von Einwegplastik an Bord. 2018 wurde dieses Ziel in einigen Geschäftsregionen zu 90% erreicht. Den Recycling-Anteil von Abfällen in den Häfen will man auf 77 Prozent erhöht haben. 2017/2018 konnte Stena Line zudem die Verwendung von Ökolabel-Reinigungsmitteln in Passagier- und Küchenbereichen an Bord auf 60 Prozent verdoppeln. Zurzeit testet das Unternehmen verschiedene Initiativen zur Verhinderung von Bewuchs an den Schiffen, etwa Ultraschall-Signalgeber und innovative, algenabstoßende Anstriche.

Gleichheit und Inklusion

Neu in die Liste der Nachhaltigkeitsziele aufgenommen hat Stena Line den Schlüsselbereich Gleichheit und Inklusion. Damit wolle man die Anzahl weiblicher Führungskräfte auf 30 Prozent steigern, Vision: das belästigungsfreie Arbeitsumfeld. Zudem steigerte das Fährunternehmen den Anteil weiblicher Führungskräfte im Unternehmen von 16 Prozent auf 19 Prozent.

Mit EuroPride, einer europaweiten Veranstaltung der europäischen Gemeinde lesbisch, homosexuell, bisexuell, transsexuell, intersexuell und sonst nicht herkömmlich sexuell orientierter Menschen, ist Stena Line eine langfristige Partnerschaft eingegangen und unterzeichnete die Forderung der britischen Schifffahrtskammer „Women in Maritime“.

Frauen in der Schifffahrt – bei Stena Line bald ein gewohntes Bild?

Seeschifffahrt schlägt insgesamt etwas mehr um

Im Jahr 2018 nahm der Güterumschlag der Seeschifffahrt um 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) wurden insgesamt 304,7 Millionen Tonnen Güter in deutschen Seehäfen verladen. 2017 waren es 299,5 Millionen Tonnen.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)