27.02.2019

Schlechte Karten für Kunden von Billigstromanbieter BEV

Rund eine Viertelmillion Kunden vom Billigstromanbieter BEV sitzen im Dunkeln. Sie warten auf Rückzahlung von insgesamt 80 Millionen Euro vorgestreckten Stromkosten. Neben den Privatkunden sind vor allem große Übertragungsnetzbetreiber sowie 800 Lokalnetzbetreiber betroffen.

Was bedeutet das für die Kunden? Der Billigstromanbieter BEV ist pleite.

BEV meldet Insolvenz an

Der Billigstromanbieter „Bayerische Energieversorgungsgesellschaft“ (BEV) ist pleite. Das berichtet u.a. die „Verbraucherzentrale.de“. Etwa 250.000 Kunden warten jetzt auf Rückerstattung von fast 80 Millionen Euro im Voraus gezahlter Stromgebühren. Das sagte der vorläufige Münchner BEV-Insolvenzverwalter Axel Bierbach im Gespräch mit dem „Handelsblatt“.

Die Chancen, dass die Kunden ihr Geld tatsächlich wiederbekommen, schätzt der Rechtsanwalt als nicht sehr hoch ein.

„Es sieht leider schlecht für die Kunden aus“, sagt Bierbach.

Die Gründe für die Pleite vermutet Bierbach in:

  • billigen Tarifen bei gleichzeitig steigenden Strompreisen im Einkauf und
  • hohen Bonusversprechen.
„Die Zahlen für 2018 zeigen einen immensen Verlust“, zitiert die Zeitung den Rechtsanwalt.

Unter den Gläubigern befinden sich die Übertragungsnetzbetreiber Amprion, Tennet, TransnetBW und 50 Hertz, sowie 800 Lokalnetzbetreiber. Wie hoch die Forderungen der Betreiber ausfallen werden, könne man noch nicht sagen, „aber auch hier gehen wir von mehreren Millionen aus“, so Bierbach. Der bayerische Strom-Discounter hat Ende Januar 2019 Insolvenz angemeldet. Zuvor war er bereits mit massiven Preiserhöhungen aufgefallen. Rund 200.000 Kunden hatten daraufhin im Dezember 2018 gekündigt.

Alle Überweisungen und Lastschriftaufträge an BEV stoppen!

BEV-Kunden rät die Verbraucherzentrale vor allem:

  • Kein Geld mehr auf die Konten der BEV zu überweisen.
  • Eventuell noch bestehende Sepa-Lastschriftmandate für die BEV gegenüber dem Unternehmen widerrufen, und das schriftlich, am besten per Einschreiben.
  • Für beides einen von der Verbraucherzentrale aufgesetzten Musterbrief zu nutzen.
    Den gibt es auf der Website der Verbraucherzentrale als PDF zum Downloaden: www.verbraucherzentrale.de
  • Ansprüche für an die BEV zu viel bezahltes Geld im Rahmen des Insolvenzverfahrens stellen.
    Dafür sei es jetzt noch zu früh; der Insolvenzverwalter werde später informieren.
  • Sich bei der Verbraucherzentrale auf dem Laufenden halten.

Weitere Infos für BEV-Kunden

Nähere Informationen zur Abwicklung der Insolvenz der BEV finden Betroffene auf der Website der Verbraucherzentrale.

Nach Angaben des Rechtsanwalts im „Handelsblatt“ hatte die BEV im Dezember 2018 etwa 640.000 Kunden. Als der Insolvenzantrag Ende Januar 2019 gestellt wurde, seien es aber tatsächlich nur noch etwa 345.000 Kunden gewesen. Wie viele Kunden genau auch Gläubiger sind, sei noch nicht klar.

Die BEV selber nenne im Insolvenzantrag 250.000 Kunden aufgrund:

  • versprochener Bonusleistungen
  • Abschlagszahlungen, also die Differenz zwischen dem gezahlten Monatsbeitrag und dem tatsächlichen Stromverbrauch
  • Daueraufträgen, deren Auftraggeber für den Februar noch in Vorleistung gegangen sind, weil sie nicht rechtzeitig über die Insolvenz informiert worden seien.

Digitale Ausschreibungsplattform für Erdgas und Strom

Unterdessen geht das Stromgeschäft bei anderen Playern in eine neue Runde. Tender365 ist eine Ausschreibungsplattform für Erdgas und Strom. E.less ist ein Online-Marktplatz für Gewerbestrom. Beide bieten Energieversorgern eine Lösung für durchgängig digitale Beschaffung und Vertrieb von Strom und Gas an.

Man decke die gesamte Prozesskette für Gewerbestrom end-to-end ab, heißt es in einer Pressemitteilung der beiden Unternehmen. Das Angebot stehe Energieversorgern, die auf beiden Plattformen registriert sind, ab Sommer zur Verfügung und sei durch eine bereits vorbereitete Schnittstelle per Click nutzbar.

Vertrieb über OTC

Auf Tender365 können Stadtwerke sowie Industrieunternehmen, die auch Strom produzieren, diesen Over the Counter (OTC) vertreiben. Zusätzliche Strom- und Gasvolumina könnten darüber hinaus beschafft werden.

E.less bietet Versorgern einen digitalen Vertriebskanal zu Gewerbekunden. Durch die Zusammenarbeit beider Plattform-Unternehmen ließen sich Beschaffung und Vertrieb durchgängig digital in einem gemeinsamen, integrierten Front-End nutzen.

Autor: Friedrich Oehlerking (Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)