12.01.2018

Schifffahrt auf Binnenwasserstraßen eingestellt

Deutschland unter Wasser – die Regenfälle nach dem Jahreswechsel wirkten sich auch auf die Schifffahrt aus. Die Schneeschmelze tat ein Übriges, die Pegel an fließenden und staugeregelten Gewässern steigen zu lassen. Das Adventshochwasser kam diesmal etwas später.

Schifffahrt wegen Hochwasser eingestellt

Regenfälle und Schneeschmelze wirken sich auf Schifffahrt aus

Bereits seit einigen Tagen beobachteten die Meteorologen die Entwicklung hin zu einem Hochwasser. Lang anhaltende Regenfälle haben die Pegel an zahlreichen frei fließenden und staugeregelten deutschen Flüssen stark ansteigen lassen. Dadurch kommt es zu Einschränkungen bei der Schifffahrt.

Hinzu tritt derzeit die Schneeschmelze. Sie hat bereits zur Überschreitung der an den einzelnen Pegeln definierten Hochwassermarken geführt oder wird dies in den nächsten Tagen noch tun. Auch an Wasserstraßen, die für die gewerbliche Binnenschifffahrt wichtig sind, wurde die Lage zuletzt immer unhaltbarer.

Hochwasser für die Jahreszeit nicht ungewöhnlich

Derartige Hochwassersituationen sind nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt e.V. (BDB) um diese Jahreszeit grundsätzlich nicht ungewöhnlich. In der Vergangenheit sprach man im Gewerbe vom „Adventshochwasser“. Sowohl die Schifffahrt als auch ihre Kunden sind deswegen darauf vorbereitet. Entweder erfolgte im Vorfeld eine Versorgung mit Mehrmengen oder man bediente die Kunden nach Abfließen des Hochwassers wieder regulär.

Mit Transportverlagerungen auf Straße oder Bahn müsse deshalb bei zu erwartenden kurzfristigen Sperrungen für die Schifffahrt nicht gerechnet werden. Im Containertransport im Hinterlandverkehr der Seehäfen könne es allerdings zu Verzögerungen kommen. Gravierende wirtschaftliche Beeinträchtigungen der Unternehmen erwartet der Branchenverband zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht.

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Hochwassermarken mehrerer Pegel

Entlang dem Rhein und seinen Nebenflüssen sind die relevanten Hochwassermarken mehrerer Pegel überschritten, darunter Mainz, Kaub und Köln. Die Schifffahrt wurde eingestellt.

Gründe hierfür liegen im Zusammentreffen verstärkter Niederschläge und Tauwetter im Südwesten Deutschlands sowie der Schweiz. Die erhöhten Abflussmengen führen zu einer Wellenbildung. Sie kommt von Oberrhein und den Nebenflüssen und lässt die Wasserstände kurzfristig ansteigen.

Rhein, Neckar und Co.

Die Nebenflüsse des Rheins sind ebenfalls von den hohen Wasserständen betroffen. So ist auf der Mosel, der Saar und Teilen des Neckars die Schifffahrt eingestellt. Auf dem Neckar finden lediglich in der chemischen Großindustrie in Heilbronn Verkehrsverlagerungen auf den Lkw statt, da diese unabhängig vom Hochwasser beliefert werden muss.

In den anderen relevanten Gütergruppen auf dem Neckar (Baustoffe, Kohle, Schrott) ist dieser Effekt nicht in größerem Ausmaß festzustellen. Am Neckar wird mit einer Wiederaufnahme der Schifffahrt in der ersten Hälfte der dritten Kalenderwoche gerechnet.

Keine Hochwassergefahr auf der Elbe

Auf der Elbe besteht hingegen keine Hochwassergefahr. Betroffen ist lediglich die Verladung in Richtung Rheingebiet. Es wird damit gerechnet, dass sich die Wettersituation kurzfristig wieder entspannt und die Transporte zum Rhein ab Mitte der dritten Kalenderwoche wieder aufgenommen werden können.

Die Mittelweser ist derzeit aufgrund der Überschreitung der relevanten Hochwassermarken an zahlreichen Pegeln für die Schifffahrt gesperrt. Deshalb finden dort keine Durchgangs- oder Ortsverkehre mehr statt. Mit einer Entspannung der Situation ist in den nächsten Tagen zu rechnen.

Naturgemäß halten sich die Auswirkungen von Hochwasser in den Kanälen im westdeutschen Kanalgebiet in Grenzen. Zu Beeinträchtigungen kann es aber im Wechselverkehr mit dem Rhein und anderen Nebenflüssen kommen.

Main und Donau unter Beobachtung

Teile des oberen Mains sind derzeit nicht mehr schiffbar. Aufgrund des vorerst zu erwartenden weiteren Wasseranstiegs ist davon auszugehen, dass die Sperrung der Schifffahrt auf weitere Teile des Flusses ausgeweitet wird.

Auch auf Teilen der deutschen Donau wurde die Schifffahrt mittlerweile eingestellt. Die dort ansässigen Unternehmen beobachten die Lage, um die Berechnung des Scheitelpunkts des Hochwassers vornehmen zu können.

Verlagerungseffekte bei den Güterströmen bei einer Sperrung von wenigen Tagen sind auch hier nicht zu erwarten.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)