13.03.2017

Rohstoffpreise zwingen Farbenhersteller zu Preiserhöhungen

Beschichtungen – fast eine Selbstverständlichkeit wie Senf: ist gut, kostet nichts, gibt’s quasi gratis dazu? Ein Irrtum. Ob Anstriche für Schiffe, Schutzanstriche oder Pulverbeschichtungen, die Herstellung dieser Farben ist teuer geworden. Schuld sind die steigenden Rohstoffpreise.

Beschichtungen für Schiffe, Schutzanstriche oder Pulverbeschichtungen werden teurer

Gestiegene Rohstoffpreise für Beschichtungen

In den letzten zwölf Monaten sind die Preise für Rohstoffe zur Herstellung von Beschichtungen beträchtlich in die Höhe geschossen. Die Branche ist weltweit betroffen, berichtet das Unternehmen Jotun aus dem norwegischen Sandefjord.

Jotun ist eines der führenden Hersteller- und Vertriebsunternehmen von Holzschutzfarben. Außerdem produziert das Unternehmen Hochleistungsbeschichtungen wie See-, Schutz-und Pulverlacke. Es hat 36 Produktionsstätten in 21 Ländern, 70 Gesellschaften in 44 Ländern und Vertretungen in über 90 Ländern. Das Unternehmen erwirtschaftet mit 9.800 Beschäftigten weltweit einen Jahresumsatz von 1,58 Milliarden Euro.

In Deutschland rund 250 Branchenunternehmen

Auch die deutsche Lack-, Farben- und Druckfarbenindustrie leidet einem Bericht des „Journals für Oberflächentechnik – JOT“ zufolge unter stark steigenden Rohstoffkosten.

Für die rund 250 Branchenunternehmen hat sich seit dem Jahreswechsel die Situation massiv verstärkt, berichtet die Zeitschrift und beruft sich auf eine Umfrage des Verbandes der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie (VdL) bei seinen Mitgliedern.

Historische Höchstpreise

Für die Herstellung von Beschichtungen benötigt man Rohstoffe wie Epoxid, das Weißpigment Titandioxid und Kupfer.

Einige Rohstoffgruppen näherten sich preislich historischen Höchstständen:

  • Bindemittel rund 6 Prozent höher als im Sommer 2016
  • Lösemittel 12 Prozent
  • Titandioxid um rund 16 Prozent
  • Zinkstaub über 20 Prozent teurer
  • Zinkmetall sogar um 50 Prozent
  • Polyesterharz um ein Vielfaches teurer als noch vor einem Jahr

Hunderte Millionen Mehrbelastung

Auf rund 200 Millionen Euro schätzt laut JOT zufolge Dr. Martin Engelmann, Hauptgeschäftsführer des VdL, die Mehrbelastung für die Branche ein. Die Rohstoffhersteller hätten weitere Preiserhöhungen angekündigt.

Als Grund für die Entwicklung gibt Jotun die positive Entwicklung der Wirtschaft in China, USA, Japan und der EU an. Sie habe die Nachfrage für einige Rohstoffe erheblich angekurbelt. Gleichzeitig sehen sich die Anbieter solcher Materialien vor größere Herausforderungen gestellt. Das alles zusammen bildet eine Kombination, die zumal die Kosten für die Herstellung von Schiffs-, Schutz- und Pulverlacken bedeutend ansteigen ließ.

Rohstoffpreise: Verzweifelter Kampf gegen den Trend

Bei Jotun gibt man sich zwar kämpferisch. Geir Boe, Geschäftsführender Vizepräsident der Jotun-Gruppe, ist zuständig für Jotuns Hochleistungsbeschichtungen.

Er meint dazu: „Wir haben den Trend kommen sehen. Wir haben uns lange dagegen gewehrt, unsere Preise dieser Situation anzupassen.“

Schließlich habe man jedoch keine andere Option gehabt.

Wenn die Kosten für Schlüsselkomponenten über einen längeren Zeitraum derart ansteigen, komme man einfach nicht darum herum, die Preise für betroffene Produkte anzuheben.

Man sei weiterhin bemüht, Preisanpassungen so lange wie möglich zu vermeiden. Auch stehe man in ständigem Kontakt mit seinen Lieferanten, wie man die Auswirkungen für seine Kunden möglichst gering halten könne. Letztlich sehe man derzeit keine Möglichkeit, die wachsenden Kosten selber zu tragen.

Boe: „Wir glauben, dass unsere Kunden Verständnis für unsere Situation aufbringen werden.“
Autor: Franz Höllriegel