17.03.2021

Rohstoffpreise steigen weiter ungebremst an

Wann ist der Peak erreicht? fragt Wolfgang Ernhofer von der Chemie-Fachzeitschrift „Prozess“ – und meint damit den ungebremsten Anstieg der Rohstoffpreise. Motor der Entwicklung ist die Hoffnung auf eine Belebung der Weltwirtschaft bei gleichzeitiger knapper Marktversorgung.

Rohstoffpreise

Preishöhenflüge setzen sich fort

Die Weltrohstoffpreise setzten im Februar 2021 ihren Höhenflug weiter fort. Das geht aus der Marktbeobachtung durch die Industriebank IKB hervor, auf die sich „Prozess“ bezieht. Auf Dollarbasis stiegen sie in fast allen Warengruppen zum Vormonat um 7,4 % an oder um 7,9 %, da sich der Dollar im Vergleich zum Euro fast nicht bewegte. Die Experten machen zwei Faktoren für die Entwicklung verantwortlich:

  • Hoffnung auf eine Belebung der Weltwirtschaft und
  • teilweise noch knappe Marktversorgung.

IGB stellt anziehende Preise in allen Rohstoffsparten fest

Einmal monatlich analysieren die Experten der Industriebank IKB die Situation der Rohstoffmärkte. Aktuell stellen die Experten anziehende Preise fest:

  • Die Weltrohstahlproduktion sank 2020 um 0,9 Prozent auf 1,83 Milliarden Tonnen (t), davon1,05 Milliarden t China (+5,2 Prozent). Für 2021 sehen die Experten einen Zuwachs um sechs Prozent, wobei die Erzeugung in China geringer steigt. Für Deutschland erwartet die IKB eine um sechs Prozent bis sieben Prozent höhere Erzeugung.
  • Die Preise für Warmbreitband sind im Januar 2021 um rund elf Prozent auf im Schnitt 690 Euro je t angestiegen. Auch die übrigen Stahl- sowie Schrottpreise zogen kräftig an. Bei festeren Erzpreisen und Preisen für Emissionszertifikate dürfte dies nach Ansicht der IKB-Experten zu steigenden Stahlpreisen führen.
  • Der Grenzübergangspreis für Erdgas zog nochmals um rund 150 Euro an, unterschreitet aber das Niveau aus dem Jahr 2019 um rund 15 Prozent.
  • Die weltweite Produktion von Primäraluminium stieg 2020 um 3,1 Prozent auf 65,3 Millionen t. Hinzu kommen noch rund 11,8 Millionen t Recyclingaluminium. Für das laufende Jahr erwartet die IKB einen Ausstoß von 65,7 Millionen t und rund 13 Millionen t.
  • Bis Ende Oktober 2020 sank die globale Kupferminenproduktion um 0,5 Prozent, während der Kupferverbrauch um zwei Prozent anzog. Infolgedessen lief ein Angebotsdefizit von 482.000 t auf. Deswegen gehen die IKB-Experten jetzt für das Gesamtjahr 2020 von einem Angebotsdefizit von wenigstens 0,5 Millionen t aus.
  • Ende Januar 2021 betrugen die Rohölvorräte in den USA rund 476 Millionen Barrel und damit mehr als im Vorjahr. Die Bestände an Benzin und den übrigen Destillaten bewegten sich laut IKB weiterhin auf einem hohen Niveau. Die Propanvorräte hätten dagegen um 25 Prozent unter dem Vergleichsniveau 2020 gelegen. Die Rohölversorgung sei unverändert sehr gut. Die deutsche Erdgasförderung liege weiter unter dem Vorjahresniveau; ein hoher Rückgang der Exporte überkompensiere dies jedoch.

Robuste Konjunkturdaten in China

Die Ölpreise sind nach robusten Konjunkturdaten in China leicht gestiegen. Am Montagmorgen wurde Rohöl aus der Nordsee der Sorte Brent bei 69,54 US-Dollar je Barrel (159 Liter) gehandelt und damit 32 Cent höher als am Freitag. Der Preis für amerikanisches Erdöl der Marke West Texas Intermediate (WTI) stieg um 34 Cent auf 65,95 Dollar.

Nach Einschätzung von Marktbeobachtern wurden die Ölpreise zum Wochenauftakt durch Konjunkturdaten aus China gestützt. In der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt sei die Industrieproduktion in den ersten beiden Monaten des Jahres stark angestiegen. Auch der Einzelhandel konnte sich weiter vom Corona-Einbruch ein Jahr zuvor erholen.

Verstärkte Spekulation auf Nachfrage aus Volksrepublik

Generell zeigen die Wirtschaftsdaten aus China eine kräftige konjunkturelle Erholung. Die Zahlen zur Industrieproduktion verstärkten am Ölmarkt die Spekulation auf eine stärkere Nachfrage aus der Volksrepublik. Die IKB erwartet bis Ende des zweiten Quartals 2021 eine Bewegung des Wechselkurses um die Marke von 1,22 Dollar je Euro.

Die Weltrohölmärkte hätten im Januar 2021 voll im Bann der OPEC-Konferenz gestanden. Sie beschloss für die Monate Januar und Februar 2021 eine Kürzung der Fördermenge um gut 1,4 mbd (million barrel per day). Nach dem Nachfrageeinbruch von knapp 10 mbd im Jahr 2020 erwarten die Experten einen Anstieg von sechs mbd. Dieser werde zu rund 85 Prozent von der OPEC gedeckt. Allerdings lag die Fördermenge im Dezember 2020 noch über dem im ersten Quartal 2021 notwendigen Niveau. Von daher bewirkte die Förderkürzung eine deutliche Stabilisierung des Preisniveaus. Ein Erreichen des Peaks der Rohstoffpreise vorerst also nicht in Sicht.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)