08.07.2021

Robotikindustrie befindet sich weltweit im Aufschwung

Ahming – die Markierung an Bug, Mitte oder Heck eines Schiffes zeigt den Tiefgang an. Für Anwohner der Elbchaussee in Hamburg ein Hinweis, wie gut es der Wirtschaft geht. Ein anderes Zeichen ist die Auftragslage für Industrieroboter. In China zieht sie gerade wieder an, berichtet die IFR.

Robotikindustrie

China Maß aller Industrieroboterverkäufe

2020 gingen die Roboterinstallationen weltweit zurück – um zwei Prozent. Insbesondere unter dem Einfluss der Corona-Pandemie. Das Ergebnis fiel damit moderater aus als erwartet. Nun geht es weiter aufwärts – stärker als gedacht. In China ist die Zahl der verkauften Industrieroboter im Jahr 2020 um 19 Prozent gestiegen. Das berichtet der internationale Robotikverband (International Federation of Robotics, IFR) anhand der vorläufigen Zahlen für „World Robotics 2021“.

Bei „World Robotics“ handelt es sich um jährliche Statistiken des weltweiten Einsatzes jeweils von:

  • Industrierobotern und
  • Servicerobotern im betrieblichen und privaten Anwendungsbereich in Zusammenarbeit mit Fraunhofer IPA, Stuttgart.

„World Robotics Industrieroboter“ enthält Daten aus 40 Ländern, aufgeschlüsselt nach

  • Anwendungsbereichen,
  • Industriesektoren,
  • Roboterarten und
  • anderen technischen und wirtschaftlichen Aspekten.

World Robotics Maß für Automationsgrad

Für ausgewählte Länder sind Produktions-, Export- und Importdaten aufgeführt. Mit der Roboterdichte, d.h. der Anzahl von Robotern je 10.000 Beschäftigten, bietet „World Robotics“ ein Maß für den Automationsgrad.

„Der Ausblick für die Robotikindustrie ist optimistisch“, sagt IFR-Präsident Milton Guerry.
In China trat der Coronavirus-Lockdown als erstes in Kraft trat – in China startete die wirtschaftlichen Erholung der Robotikindustrie bereits wieder im Jahr 2020. Insgesamt wurden Guerry zufolge 167.000 Industrieroboter ausgeliefert.

Weltweit, Nordamerika und Europa

Der dynamische Markt in China wirkt sich positiv auf die Konjunktur ausländischer Anbieter aus. Mit einem Absatzplus von 24 Prozent wurden 123.000 Industrieroboter ausländischer Unternehmen verkauft. Japanische Firmen verzeichnen dabei einen dominanten Marktanteil. Chinesische Anbieter lieferten 44.000 Einheiten in ihren Heimatmarkt. Das entspricht einem Plus von acht Prozent im Vergleich zu 2019.

Für 2021 prognostiziert die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Organization for Economic Co-operation and Development, OECD) ein globales Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 5,5 Prozent und vier Prozent 2022. Allerdings sei die Situation in den verschiedenen Volkswirtschaften uneinheitlich.

Weltweiter Anstieg an Aufträgen iin der Robotikindustrie
Weltweiter Anstieg an Aufträgen iin der Robotikindustrie

Aufgrund der Auftragseingänge der Robotikindustrie erwarten die Marktforscher 2021 ein starkes Wachstum für Nordamerika und Europa. Die Auftragsbücher in den USA füllten sich bereits schnell. In Deutschland prognostizieren sie eine starke Erholung für das laufende Jahr und eine Trendwende für die Branche. Noch bessere Umsatzzahlen seien erreichbar, wenn es gelänge, die derzeitigen Lieferengpässe bei Schlüsselkomponenten schnell zu überwinden.

CO2-Fussabdruck verkleinern

Zudem sorgt laut IFR der globale Weg zur Klimaneutralität für Neugeschäft. Um die ehrgeizigen Klimaziele zu erreichen, hätten die Volkswirtschaften begonnen, erneuerbare Energien und Umwelttechnologien in nie dagewesenem Umfang hochzufahren. Robotik und Automatisierung ermöglichten es Unternehmen aller Größenordnungen, die benötigten Komponenten zu produzieren. Dazu zählen die IFR-Marktforscher beispielsweise

  • Brennstoffzellen für wasserstoffbetriebene Autos,
  • Batterien für den Transportsektor oder
  • Solarzellen im Energiesegment.

Eine neue Generation einfach zu bedienender Robotik helfe dabei, Produktionsprozesse zu verbessern und die Fertigung zu wettbewerbsfähigen Kosten näher an die regionalen Märkte zu bringen.

Die Robotik habe bewiesen, dass sie eine schnelle Anpassung der Produktion möglich mache und flexibel auf Nachfrageänderungen sowie kleinere Losgrößen reagiere.

Guerry: „Die Vorteile der erhöhten Produktivität sichern Arbeitsplätze und halten Unternehmen wettbewerbsfähig.“

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)