26.09.2017

Rheintalstrecke: Unterschlug die Bahn risikoärmere Variante?

Rheintalstrecke: Das Bahndesaster von Rastatt war hausgemacht. Diesen Verdacht legen jetzt bekannt gewordene Unterlagen nahe. Ein ehemaliger Bahningenieur soll schon 1991 eine risikoärmere Variante vorgeschlagen haben.

Rheintalstrecke

Rheintalstrecke bei Rastatt fünf Tage früher wieder frei

Die Rheintalstrecke der Bahn bei Baden-Baden soll schon am 2. Oktober 2017 wieder befahrbar sein. Bislang war die Wiedereröffnung der Strecke fünf Tage später für den 7. Oktober geplant. Das erfuhr einem Bericht des Manager Magazins zufolge die Deutsche Presse-Agentur am Donnerstag aus Kreisen des Bahn-Konzerns in Berlin.

Die für den gesamten europäischen Bahnverkehr wichtige Nord-Süd-Verbindung ist seit dem 12. August wegen einer Baupanne gesperrt.

Beim Rastatter Tunnelbau Schienen abgesenkt

Damals hatten sich beim Tunnelbau bei Rastatt die Schienen abgesenkt. Wasser und Erdreich waren zuvor eingedrungen. Seither ist der Bahnverkehr auf dem Streckenabschnitt unterbrochen. Busse bringen Bahnreisende weiter.

Kürzlich gab es eine weitere Sperrung auf der viel befahrenen Strecke, etwas südlich von der bereits gesperrten Strecke bei Rastatt. Nach Angaben der Bahn fiel am Morgen ein Baum aus einem Privatgelände auf die Oberleitung. Der Baum legte die Bahnstrecke bei Emmendingen in beiden Richtungen für Stunden lahm.

Sperrung bei Emmendingen

Die Rheintalstrecke nördlich von Freiburg wurde in beiden Richtungen für Stunden gesperrt. Die Sperrung bei Emmendingen sollte noch am Donnerstag wieder aufgehoben werden. Verletzt wurde niemand.

Die Bahnsperrung sorgt nicht nur für Unmut bei Reisenden. Auch Güterverbände sind sauer. Sie sprechen laut dem Magazin von „riesigen Löchern in den Kassen“ wegen der Sperrung.

Auch andere Eisenbahnunternehmen leiden unter der Sperrung. Sie fordern jetzt von der Deutschen Bahn Schadenersatz, wie „Spiegel online“ berichtet.

Kritik an der Planung der Bahn

Unterdessen wird Kritik an der Planung der Bahn für die betroffene Strecke laut. Sie habe beim Bau des ersten Tunnels in Rastatt absichtlich auf die risikoreichere Variante gesetzt, schreibt die „Welt“.

Rheintalstrecke: risikoärmere Variante

Aus Unterlagen, die der „Welt am Sonntag“ vorliegen, geht hervor, dass es für den viergleisigen Ausbau der Neubaustrecke Karlsruhe–Basel im Bereich Rastatt eine risikoärmere Variante gegeben hätte. Statt eines Tunnels unter dem Stadtgebiet hatte ein Bahningenieur in einer bahninternen Stellungnahme vom Juni 1991 eine unterirdische Variante vorgeschlagen. Sie hätte weiter entfernt von der Wohnbebauung gelegen.

Der Ingenieur hatte seinerzeit die Leitung für die Konstruktion von Tunneln und Brücken der Neubaustrecke inne. „Im Interesse der DB, aber auch im wohlverstandenen eigenen Interesse, halte ich es für meine Pflicht, auf mögliche prekäre Situationen bei diesem Vorhaben rechtzeitig hinzuweisen“, zitiert die „Welt“ aus dem Gutachten des Ingenieurs.

Optimum für alle Beteiligten

Der Bau der Variante abseits der Stadt wäre risikoärmer und günstiger gewesen. Zudem hätte er für die Anwohner keine Belastung dargestellt. Zwar seien im Raumordnungsverfahren aus dem Jahr 1983/84 mehrere oberirdische Trassen geprüft worden. Doch habe man niemals die neue Variante geprüft. Sie hätte nach Einschätzung des Ingenieurs für alle Beteiligten sowie die Bahn ein Optimum dargestellt.

Andere Varianten unter Deckel gehalten

Aus den internen Kreisen der Bahn drang die Lösung offenbar niemals heraus. In dem Schreiben eines anderen Ingenieurs vom August 1992 an den damaligen Vorstandvorsitzenden der Deutschen Bundesbahn, Heinz Dürr, zitiert das Blatt: „Ein weiterer Punkt, der mich ärgerlich stimmt, ist die Tatsache, dass die betroffenen Gemeinden von einer Alternative, sei sie nun billiger oder teurer, überhaupt nichts wissen und somit auch nicht ihren Einfluss geltend machen können.“

In seiner Amtszeit, so in dem Bericht Klaus-Eckhard Walker, sei es nur noch um die Frage gegangen: Kommt der Tunnel unter Rastatt, oder kommt er nicht? Walker war von 1991 bis 2007 Oberbürgermeister der Stadt. Eine andere unterirdische Variante sei ihm nicht bekannt gewesen.

Autor: Franz Höllriegel