12.09.2017

Rheintalbahn: Logistik-Branche fordert Task-Force der Europäischen Union

Die Delle in der Rheintalbahn ist noch nicht behoben, da beginnt schon die politische Aufarbeitung. 24 Verbände aus ganz Europa haben sich an Verkehrsminister Dobrindt und die EU-Kommission gewandt. Sie fordern eine europäische Task-Force. Unterdessen gehen die Bauarbeiten an der Delle in die heiße Phase.

Rheintalbahn

Task Force auf EU-Ebene mit Krisenkompetenz

Vertreter von insgesamt 24 Verbänden aus ganz Europa haben sich vorige Woche an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) und die Europäische Kommission gewandt. Das berichtet „SWR Aktuell“.

Die Verbände fordern die Einsetzung einer Task Force auf EU-Ebene. Diese soll Krisenkompetenz haben und die Netzbetreiber sollen einbezogen werden. Die weiteren Forderungen lauten: eine kurzfristige Verstärkung des Lokführerpools und dringend ein vereinfachtes Betriebsverfahren auf den Umleitungsstrecken.

Gesamter Nord-Süd-Schienenverkehr unterbrochen

Vor knapp zwei Monaten ist an der Bahnstrecke in Niederbühl bei Rastatt (Baden-Württemberg) eine Delle im Schienenstrang aufgetreten. Seither ist die Strecke zwischen Rastatt und Baden-Baden für den Zugverkehr gesperrt.

Grund hierfür war eine Panne beim Tunnelbau. Wasser und Erde waren eingedrungen, daraufhin sackten die Schienen ab. Die Bahn versucht, mit aufwendigen Bauarbeiten die Trasse zu reparieren. Durch die Baustelle ist der gesamte Schienenverkehr auf der wichtigen Nord-Süd-Verbindung unterbrochen.

Bahn-Logistik vor dem Kollaps

Dadurch könne nur noch ein Viertel der Güter-Transporte bewältigt werden, erklärten die europäischen Umwelt- und Logistik-Verbände in einem offenen Brief. Die europäische Bahn-Logistik stehe vor einem Kollaps. Betriebe nördlich und südlich der Alpen seien bereits von Lieferausfällen betroffen.

Europäische Güter-Verkehrsunternehmen hätten finanziell unter der Sperrung zu leiden. Sie müssten zeitnah unterstützt werden. Eine Sonderkommission solle schnellstmöglich das „Rastatt-Desaster“ aufarbeiten.

Dritter Brief an Dobrindt

Es ist dies bereits der dritte Brief an Dobrindt. Zuvor hatten schon die Schweizer Bundespräsidentin und die Verkehrsministerin Doris Leuthard einen Brandbrief an Dobrindt geschrieben.

Auch Logistikbranche und Deutsche Bahn hatten sich bereits mit einem Schreiben an Dobrindt gewandt und wegen der Sperrung der Rheintalbahn Druck gemacht. Sie forderten finanzielle Unterstützung für betroffene Eisenbahn-, Speditions- und Logistikunternehmen.

Unbürokratische finanzielle Hilfe

Das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen und der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen wollen eine unbürokratische finanzielle Hilfe des Bundes, ungeachtet noch offener Fragen zum Schadensersatz. Viele Eisenbahnunternehmen würden sonst bald vor einer existenzbedrohenden Situation stehen. Den Firmen entgingen Einnahmen. Sie hätten zudem durch die Umleitungen Mehrkosten.

Der Dienstleister Kombiverkehr AG, ein Gemeinschaftsunternehmen von 230 Spediteuren und der Deutschen Bahn, fordert 250 Millionen Euro staatliche Soforthilfe.

Existenzbedrohende Situation

Vor dem Hintergrund der Rheintal-Sperrung beendet die Bahn die Baustelle auf der Gäubahn zwischen Herrenberg und Böblingen früher als vorgesehen. Knapp eine Woche vor dem ursprünglich geplanten Termin steht die Strecke abends wieder für den internationalen Fernverkehr zur Verfügung. Außerdem für diese Umleitung von Güterzügen: im Abschnitt Singen (Hohentwiel) – Horb – Herrenberg – Böblingen und weiter über Renningen–Leonberg nach Kornwestheim. Dies teilte die Deutsche Bahn dem Sender zufolge mit.

Rheintalbahn: Bauarbeiten in heißer Phase

Unterdessen gehen die Reparaturarbeiten am unterbrochenen Streckenabschnitt in die heiße Phase. Wie „Spiegel Online“ berichtete, haben die Bautrupps den Unfalltunnel stabilisiert. Jetzt kämen die Reparaturarbeiten an der Rheintalstrecke einen wichtigen Schritt voran.

Die Bahn hat damit begonnen, über dem beschädigten Tunnelabschnitt eine erste Betonplatte zu gießen. Insgesamt würden 1100 Kubikmeter Beton in den rund 100 Meter langen und zehn bis elf Meter breiten Abschnitt eingearbeitet, so zitiert die Nachrichtenplattform Projektabschnittsleiter Frank Roser. Die Platten sollen den Tunnel stabilisieren. Sie dienen auch als Grundlage für die neuen Gleise.

Autor: Franz Höllriegel