01.10.2018

Reederei Hapag-Lloyd setzt auf Digitalisierung und Recycling

Immer mehr Container transportieren – und dennoch rote Zahlen schreiben: Hapag-Lloyd befindet sich in schwierigem Fahrwasser. Zu schaffen machen der Traditionsreederei harter Konkurrenzkampf und teurer Treibstoff. Digitalisierung und Recycling sollen jetzt für Besserung sorgen.

Hapag-Lloyd wurde wieder für seine Recycling-Aktivitäten ausgezeichnet.

Harter Konkurrenzkampf und teurer Treibstoff treiben Hapag-Lloyd in rote Zahlen

Um fast 40 Prozent auf 5,8 Millionen Einheiten steigerte die Reederei Hapag-Lloyd in den ersten sechs Monaten 2018 die Menge transportierter Container. Das Problem aber stellen sinkende Frachtraten dar. Deswegen fiel laut einem Bericht des „Manager Magazins“ das Umsatzplus deutlich niedriger aus. Höhere Preise für angemietete Frachter und der Anstieg der Treibstoffkosten sorgten zudem für den Anstieg der Verluste. Dem Bericht zufolge hatte die Reederei gerade vor sechs Wochen ihre Prognosen berichtigt.

Unterm Strich vergrößerte sich der Verlust im Jahresvergleich von knapp 43 Millionen auf fast 101 Millionen Euro. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) sei um zwei Prozent auf rund 89 Millionen Euro zurückgegangen. Als Grund für den hohen Verlust habe Hapag-Lloyd auf den harten Konkurrenzkampf und gestiegene Treibstoffpreise verwiesen. Sie hätten der Reederei schwer zu schaffen gemacht.

Mithilfe der Digitalisierung sollen jetzt Kosten gesenkt werden

Um die Kosten zu senken, will Konzernchef Rolf Habben Jansen die Digitalisierung des Geschäfts und die Entwicklung der neuen Strategie beschleunigen. Man überprüft die Wirtschaftlichkeit der Schiffssysteme und die Terminalverträge, um zusätzliche Entlastungen auf der Kostenseite zu erzielen. Für die kommenden Monate erwartet man bei Hapag-Lloyd eine langsame Verbesserung des Marktumfelds, allerdings könnten die geopolitischen Unsicherheiten dies erschweren. Eine schnelle Reaktions- und Anpassungsfähigkeit ist daher von großer Bedeutung.

Nach Habben Jansen könne sich das Ebit im Vergleich zum Vorjahr schlimmstenfalls auf 200 Millionen Euro halbieren, im günstigsten Fall aber auch auf 450 Millionen Euro steigen. Nur wenige Tage darauf wurde bekannt, dass der französische Konkurrent CMA CGM versucht hatte, Hapag-Lloyd zu übernehmen. Doch wie Großaktionär Klaus-Michael Kühne auf der Hauptversammlung Anfang Juli klarstellte, habe er das Angebot gekontert. Er sehe die Hamburger Reederei nicht als Übernahmekandidat, eher solle es andersherum laufen und Hapag-Lloyd könne CMA CGM übernehmen. Allerdings sieht das Magazin darin, wie die Hamburger den Branchendritten übernehmen wollten, eine große Herausforderung.

Mit dem Software-Tool Quick Quotes Angebotsprozess beschleunigen

Als ein erstes Ergebnis der neuen Digitalisierungsstrategie bietet die Reederei ein neues Werkzeug zur Beschleunigung des Angebotsprozesses an.

Frachtraten in Echtzeit

Wie „eurotransport“ berichtet, gibt die Reederei Versendern ab sofort die Möglichkeit, Frachtraten für ihre Container quasi in Echtzeit zu erhalten. Den Angebotsprozess übernimmt das Software-Tool „Quick Quotes“. Es ist weltweit für alle Kunden verfügbar.

Mit Quick Quotes will man den Angebotsprozess für weltweite Containersendungen rund um die Uhr schneller und transparenter machen. Dadurch soll sich der Anschluss an den landseitigen Transport per Lkw oder Bahn präzise und deutlich schneller planen lassen.

„Für uns ist es sehr wichtig, Kundenprozesse einfacher zu gestalten und unsere Dienstleistungen weiter zu digitalisieren“, so Habben Jansen.

Um ein Angebot zu erhalten, muss sich der Kunde auf der Website anmelden, den gewünschten Start- und Zielort angeben und den Fracht- oder Containertyp wählen. Innerhalb von Sekunden erhalte der Kunde ein bindendes Angebot und könne sofort über das Online-Portal buchen.

Hapag-Lloyd hat das neue Angebot für Containerladungen in sein Online-Geschäftsportal www.hapag-lloyd.com eingebunden. Damit können Kunden große Teile des Versandprozesses ihrer Container selbst überwachen. Das Angebot Quick-Quotes wird noch um eine mobile Buchungs-App für iOS und Android ergänzt.

Ausgezeichnetes Recycling von Hapag-Lloyd

Auch in Sachen Umwelt kann die Reederei Erfolge vorweisen. Von dem internationalen Schiffsklassifizierer DNV GL erhielt sie auf der Schiffbaumesse SMM 2018 in Hamburg den „DNV GL Excellence Green Star“ als Anerkennung ihrer Beachtung höchster Schiffsrecycling-Standards.

Bereits 2007 war laut einer DNV GL-Pressemitteilung Hapag-Lloyd die erste Container-Linie, die mit diesem Preis ausgezeichnet wurde. Das Recycling-Programm der Reederei verpflichtet Schiffswerften, die für sie arbeiten, zur Abfallentsorgung nach ISO-Standard 14001, gemäß den international geltenden Regeln der Hong-Kong-Vereinbarung und in Übereinstimmung mit der Schiff-Recycling-Richtlinie der EU (SRR).

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)