23.11.2020

Recycling von Mobiltelefonen: Riesiges CO2-Einsparpotenzial!

Rohstoffe sind rar. Dabei liegen sie so nah: im Handy. Gold, Silber, Palladium, Platin und Kupfer mit einem Verkaufswert von 1,9 Milliarden Euro schlummern in nicht mehr genutzten Mobiltelefonen. Würden sie ordnungsgemäß recycelt, ließen sich zudem Unmengen an CO2 einsparen.

Recycling von Mobiltelefonen

Elektronikschrott in 27 Ländern

Deutschland hat die zweithöchste Anzahl an abgelegten Mobiltelefonen, insgesamt 84,7 Millionen Stück. Diese Zahl u.a. fördert eine Studie des Online-Shops für gebrauchte Elektronik- und Medienartikel ReBuy zu dem durch Mobiltelefone anfallenden Elektronikschrott in 27 Ländern zutage.

Die Datensammlung für diese Analyse beruht auf dem EU-Rahmenwerk zur Berechnung von Elektronikschrott. Ergänzt werden die Daten durch die Ergebnisse einer Onlinebefragung. Danach könnte man 77,3 Tonnen CO2 und 28.949 kg Giftstoffe einsparen, wenn man diese ordnungsgemäß recyceln oder wiederverwenden würde. Alle abgelegten Mobiltelefone in den 27 Ländern im Index beinhalten zusammen Edelmetalle, etwa Gold, Silber, Palladium, Platin und Kupfer, mit einem Verkaufswert von 1,9 Milliarden Euro.

Mobiltelefone Schrott
Top 10 der Länder mit der höchsten und der niedrigsten CO2-Menge

Start mit Recycling von Videospielen

Die reBuy reCommerce GmbH betreibt einen Online-Shop für An- und Verkauf gebrauchter Elektronik- und Medienartikel. Das Unternehmen startete 2004 als trade-a-game GmbH mit dem Handel von gebrauchten Videospielen. 2009 erfolgte die Umfirmierung und nach und nach eine Ausweitung des Sortiments.

Das Unternehmen mit Hauptsitz in Berlin ist eigenen Angaben zufolge mit rund 550 Mitarbeitern neben Deutschland aktiv in Österreich, Niederlande, Frankreich, Italien, Spanien und Großbritannien. Es hat eigene Refurbishment- und Aufbereitungsprozesse entwickelt und vergibt eine 36-monatige Garantie auf alle verkauften Elektronikartikel.

Schweden legen die meisten Mobiltelefone zum alten Eisen

Hauptergebnisse der Studie laut einer Pressemitteilung von Rebuy:

  • Schweden hat pro Kopf die meisten abgelegten Mobiltelefone, im Durchschnitt 1,31. Damit gebe es in Schweden mehr abgelegte Mobiltelefone als Einwohner.
  • Finnland belegt mit 1,29 abgelegten Mobiltelefonen pro Kopf den zweiten Platz.
  • Das Vereinigte Königreich, Litauen und Estland teilen sich den dritten Platz. In diesen Ländern haben die Einwohner pro Kopf im Schnitt 1,24 abgelegte Mobiltelefone.
  • Neuseeland hat die wenigsten abgelegten Mobiltelefone pro Kopf (0,54), gefolgt von Kanada (0,60) und den USA (0,68).
  • Deutschland belegt mit 1,02 abgelegten Mobiltelefonen pro Kopf den Platz 13 von 27 im Index.

Kaputt, nicht mehr genutzt, Endstation Schrott

In der Vergangenheit bestand die Masse des Elektronikschrotts aus Produkten, die kaputtgegangen waren oder nicht mehr genutzt wurden. Technologietrends und der Druck, die neueste Technik besitzen zu müssen, hätten besonders bei Mobiltelefonen zu einer wachsenden Zahl von Produkten im Elektronikschrott geführt, die nur aus der Mode gekommen sind, aber noch funktionieren.

Würden Mobiltelefone ordnungsgemäß entsorgt oder weiterverwendet, so die Forscher, ließe sich eine Menge an in den abgelegten Mobiltelefonen enthaltenen Giftstoffen wie Blei, Arsen und Quecksilber vermeiden. Bei unsachgemäßer Entsorgung würden sie frei werden und können ins Erdreich gelangen.

So viel CO2 wie 17 Jahre Pkw-Betrieb

Zum Vergleich: Ein typischer Personenkraftwagen erzeugt etwa 4,6 Tonnen CO2 pro Jahr. Der durchschnittliche Deutsche trägt 9,6 Tonnen CO2 pro Jahr bei. Wenn man drei- bis fünfmal pro Woche Schweinefleisch isst, werden dafür 375 kg CO2 pro Jahr aufgewendet, wenn man den Transport, die Produktion und die Zucht einberechnet.

Setzt man die Zahlen ins Verhältnis, entspreche die gesparte Menge an CO2 jener, die ein Personenkraftwagen in fast 17 Jahren erzeugt. Ebenso entspreche sie den durchschnittlichen CO2-Emissionen, die ein Deutscher in acht Jahren erzeugt oder dem CO2, das durch 206 Jahre regelmäßigen Schweinefleischkonsum erzeugt würde.

Mobiltelefonverkauf Black Friday und Weihnachten

Der Global E-Waste Monitor schätzt die 2019 weltweit erzeugte Menge Elektronikschrott auf 54 Millionen Tonnen. Zu den beiden Verkaufsdaten „Black Friday“ und Weihnachten werden alljährlich Mengen an Elektronikartikeln gekauft, etwa neue Smartphones, E-Reader, Tablets und Videospielkonsolen.

Mit dem Index möchte Philipp Gattner, CEO von reBuy, über Elektronikschrott aufklären. Gleichzeitig hat er potentielle Kunden für aufgearbeitete Technikprodukte im Blick. So könne man dazu beitragen, bei Investition in neue Elektronik alte Geräte nicht einfach in den Müll zu werfen, sondern ordnungsgemäß bei ihrer örtlichen Sammelstelle für Elektronikschrott zu entsorgen.

Gattner: „Fast jeder Elektronikschrott enthält eine Art von wiederverwertbarem Material wie Kunststoff, Glas und Metall.“
Bei richtigem Recycling gelangten weniger giftige Chemikalien, Blei und Chrom ins Erdreich.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)