18.05.2021

Recycling-TÜV soll Kreislaufwirtschaft überwachen

Wiederverwendbar und – recyclingfähig. So soll Kunststoffverpackung in ihrer idealen Form ab 2030 in der Europäischen Union sein. Das geht nicht ohne gemeinsame Standards. Hat man die, braucht es noch etwas Wesentliches: Organisationen, die die Produkte zertifizieren, einen TÜV.

Recycling-TÜV

2030 – Schlüsseljahr für die ideale Kunststoffverpackung

Bis 2030 sollen alle in der EU in Verkehr gebrachten Kunststoffverpackungen wiederverwendbar und recycelfähig sein. Das hat sich die Europäische Union zum Ziel gesetzt, berichtet die Chemie-Plattform „Process“. Hierfür setzt sie dem Bericht zufolge unter anderem auf:

  • Schaffung von Qualitätsstandards für sekundäre Rohstoffe,
  • Förderung von Zertifizierungen,
  • verbindliche Vorschriften für den Mindestgehalt an recycelten Inhalten in bestimmten Produkten oder
  • Verfahren für die Reduktion von Einwegkunststoffen.

Doch was heißt „recyclingfähig“? Hersteller und Abfüller können sich die Kreislauffähigkeit ihrer Kunststoffprodukte bescheinigen lassen. Der TÜV Süd bietet zusammen mit Reclay einen neuen Standard „Recyclingfähigkeit von Verpackungen“.

Umsetzung gesetzlicher Vorgaben

Reclay setzt eigenen Angaben zufolge in Deutschland und anderen Ländern gesetzliche Vorgaben für den Verpackungsbereich gesamthaft um. Dort sieht sich das Unternehmen als Systembetreiber. Man erfülle Beteiligungspflichten verantwortungsbewusst und vollumfänglich als Anlaufstelle für Kunden bei allen Fragen im Zusammenhang mit der Umsetzung von Vorgaben oder selbst gesteckten Umweltzielen.

So öffnet das Unternehmen seine dualen Systeme und sei bereit, in allen Bereichen den geschlossenen Kreislauf kundenindividuell zu organisieren. Bei der Suche nach besten Lösungen begleite Reclay Kunden auch im Ausland. Dort böten internationales Know-how und Netzwerke die Grundlage für Beratungsleistungen oder bei Konzeption, Implementierung und Betrieb von Systemlösungen.

Recyclingfähigkeit von Verpackungen im neuen Standard

Die Bewertung der Recyclingfähigkeit von Verpackungen samt allen Einzelkomponenten erfolgt in dem neuen Standard, wie die Plattform Dr. Robert Hermann, Geschäftsbereichsleiter Umwelttechnik & Klimaschutz bei TÜV Süd in Österreich, zitiert. Das geschehe unter Berücksichtigung

  • regionaler Sammel- und Verwertungsstrukturen,
  • Sortierfähigkeit als Grundvoraussetzung für Recycling sowie
  • dem Marktpotenzial von Sekundärrohstoffen, um Primärrohstoffe zu ersetzen.

In Kombination mit einer genauen Materialprüfung erziele man damit ein Höchstmaß an Genauigkeit für die Zertifizierung, so Hermann.

Zertifizierte Kreislauffähigkeit

Oft führten schon kleine Veränderungen zu wesentlichen Verbesserungen. Der Einsatz digitaler Technologie gewährleiste hier größtmögliche Transparenz und ganzheitliche Bewertung der Recyclingfähigkeit von Verpackungen.

Barbara Hettche, Senior Consultant bei der Reclay Gruppe: „Wir können damit auch deutlich aufzeigen, an welchen Hebeln für etwaige Optimierungen angesetzt werden sollte.“
Damit entstehe schon während des Prüfungs- und Zertifizierungsprozesses Mehrwert für Unternehmen.

Zertifizierungsprozess bis zu drei Monate

Der Prüfungs- und Zertifizierungsprozess dauert, abhängig vom jeweiligen Produkt, zwischen einem und drei Monaten. Nach einem entsprechenden Antrag holen die Prüfer Materialmuster sowie Produkt- und Prozessdaten ein. Auf Basis der Materialprüfung sowie der werkseigenen Produktionskontrolle erstellt das Expertenteam der Reclay Group einen digitalen Zwilling der Verpackung. Die Dokumentation umfasse:

  • Materialien,
  • Gewichte und
  • Abmessungen.

Das ermögliche die Berücksichtigung aller relevanten Einflussfaktoren für die Bewertung der Recyclingfähigkeit von Verpackungen. Auf Wunsch könne dieser Schritt zudem durch den Lehrstuhl für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft der österreichischen Montanuniversität Leoben wissenschaftlich begleitet werden.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)