20.11.2017

Preise für Industriemetalle gehen durch die Decke

Die Preise für Industriemetalle wie Kupfer, Zink und Palladium sind ungewöhnlich stark gestiegen. Das hat auch die Kurse vieler Aktien beflügelt. Ist das jetzt vorbei? Die Analysten sind sich in der Bewertung uneins.

Kupferkabel - Preise für Industriemetalle steigen

Rekordpreise für Industriemetalle

Industriemetalle sind teuer wie lange nicht mehr. Ein Rekord folgt dem anderen. Im August 2017 erreichte einem Bericht der „FAZ“ zufolge der Preis von Kupfer ein Drei-Jahres-Hoch. Kupfer benötigt man beispielsweise zur Herstellung von Kabeln für elektrische Geräte. Zink, das für die Stahlherstellung verwendet wird, notierte auf einem Zehn-Jahres-Hoch. Palladium wird unter anderem in der Produktion von Katalysatoren für Autos eingesetzt – es war so teuer wie zuletzt im Jahr 2001.

Seit Anfang 2016 hat der Preis von Kupfer damit um 40 Prozent zugelegt, von Palladium um 67 Prozent und von Zink gar um 95 Prozent.

„Eine Rallye, die auch auf die Aktienmärkte ausstrahlt, weil sie den Kurs von so manchem Rohstoffunternehmen hochtrieb“, notiert die Zeitung.

Spekulative Preisblase

Die große Frage lautet: Ist dieser Preisanstieg gerechtfertigt? Spiegelt der Anstieg der Rohstoffpreise einfach die gute Entwicklung der Industrie in aller Welt wider, vor allem in China? Oder ist eine spekulative Preisblase entstanden, die nun zu platzen droht?

Ob Schwächen in der Preisentwicklung eine Wende andeuten, muss sich zeigen. Sicher hingegen ist: Ein erhebliches „spekulatives Element“, wie die Analysten es nennen, war beim Preisanstieg der Metallpreise zuletzt dabei.

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China und spekulative Impulse

„Die Primärmetalle waren in jüngster Zeit fast alle etwas aus dem Häuschen“,

kommt Heinrich Peters, Rohstoffanalyst der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), in dem Zeitungsbericht zu Wort. Spekulanten setzten auf die Chinesen. Sie würden alles tun, um ihre Wachstumsziele bis zum Ende des Jahrzehnts zu erreichen. Inzwischen nähmen sie dafür auch spekulative Exzesse in Kauf.

Die Helaba gibt den Metallpreisen noch maximal zehn bis 15 Prozent nach oben.

„Allerdings ist das Rückschlagpotential mindestens genauso hoch“, wird Peters zitiert.

Das Kupferangebot werde in den kommenden sechs bis zwölf Monaten wieder spürbar steigen. Die spekulativen Impulse dürften sich seiner Ansicht nach im Gegenzug umkehren.

Preisanstieg wegen oder trotz Trump?

Einen anderen möglichen Schuldigen macht dem Bericht zufolge Jan Edelmann, Rohstoff-Analyst der HSH-Nordbank, aus: US-Präsident Donald Trump. Auch wegen dessen Versprechen seien die Rohstoffpreise Ende vorigen Jahres gestiegen. Jetzt stiegen sie trotz Trump.

Grundsätzlich sei eine starke Preisentwicklung bei Rohstoffen nicht untypisch für die derzeitige Situation der Weltwirtschaft:

„Aus der Historie haben wir gelernt“, so Edelmann.

Wenn sich die Produktionslücken in den großen Volkswirtschaften schließen und der inflationäre Druck zu steigen beginnt, bedeute dies ein Kaufsignal für Rohstoffe.

Edelmann hält den Anstieg beim Kupferpreis von 5.600 bis 6.300 Dollar je Tonne für fundamental gerechtfertigt – weitere 300 Dollar seien „spekulativ getrieben“.

Gediegenes Kupfer aus Arizona/USA
Gediegenes Kupfer aus Arizona/USA

Industriemetalle: absurde Züge des Preisanstiegs

Besonders warnende Worte kommen von der Commerzbank. Der Preisanstieg bei den Industriemetallen habe mittlerweile absurde Züge angenommen. Das sagte Eugen Weinberg, Leiter Commodity Research der Commerzbank AG, jetzt auf dem Solution Forum „Stabil statt volatil – Wie entwickeln sich die Rohstoffpreise?“ des BME.

„Das ist schon lange übertrieben“, so Weinberg.

Die Preise seien zu einem Großteil spekulativ getrieben. Der Anstieg stehe daher auf wackeligen Beinen. Weinberg erwartet deshalb in den nächsten Monaten eine deutliche Preiskorrektur.

Preisanstieg bei den Metallen gerechtfertigt?

Spezifische Nachrichten in den vergangenen Monaten hätten zwar durchaus einen Preisanstieg bei den Metallen gerechtfertigt. Diese Nachrichten seien auch konsequent zu Käufen genutzt worden. Preisbelastende Nachrichten seien dagegen bis zuletzt ignoriert worden. Das Ausmaß des Preisanstiegs halte er daher für überzogen.

Zu den wesentlichen Preistreibern zählt Weinberg den Risikoappetit der Marktteilnehmer. Dieser spiegele sich bis in den August hinein auch in steigenden Aktienmärkten wider. Zudem habe der schwache US-Dollar den Preisen Auftrieb gegeben.

Rohstoffbedarf aus den Emerging Markets

Die Nachfrage nach Industrierohstoffen sei in den vergangenen Monaten sehr gut gewesen. Das dürfte auch so bleiben. Problematisch sei dabei, dass das Wirtschaftswachstum in den westlichen Industriestaaten nicht zu einer stärkeren Nachfrage nach Rohstoffen, insbesondere Metallen, führe. Dafür seien diese Länder zu sehr dienstleistungsorientiert.

Wenn, dann komme der zusätzliche Rohstoffbedarf aus den Emerging Markets. Allerdings ergäben die Konjunkturdaten ein gemischtes Bild.

Zinkbarren - Industriemetalle
Zinkbarren

Preise für Industriemetalle: Das kann der Einkauf tun

Angesichts steigender Datenmengen und immer unberechenbarer werdender Märkte könnten insbesondere Rohstoffeinkäufer den Überblick verlieren.

Wie aber lassen sich Rohstoffmärkte optimal scannen? Beispielsweise lesen die großen OEMs tagtäglich die Rohstoffberichte der Bankenanalysten. Dagegen suchen kleinere Mittelständler immer gezielt in den Schlagzeilen nach einem einzigen Rohstoff, von dem sie abhängig sind.

Weinbergs Rat an Rohstoff-Einkäufer

Ständig weiterbilden und das Marktgeschehen kontinuierlich verfolgen. Mit Kenntnis der Inhalte täglicher, wöchentlicher und monatlicher Marktberichte finden Sie den richtigen Kaufzeitpunkt für Ihre Rohstoffe. Zudem stärkt es Ihre Position in Verhandlungen mit Lieferanten. Wissen macht eben stark – vor allem hier.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)