25.06.2019

Politik: So viele Güter wie möglich auf die Wasserstraße

Rostende Schleusen, marode Brücken, stagnierender Wasserbau – lange vernachlässigte die Politik das Transportmittel Wasserstraße. Spätestens seit dem Jahrhundertniedrigwasser 2018 weiß sie: ohne Wasserstraße keine Wirtschaft. Ein Masterplan soll jetzt Abhilfe bringen.

Das Jahrhundertniedrigwasser von 2018 hat die Bedeutung unserer Wasserstraßen als Transportmittel deutlich gemacht.

Verlagerungspotential der Binnenschifffahrt

So viele Güter wie möglich auf die Wasserstraßen – mit diesem Bekenntnis will Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) das enorme Verlagerungspotential der Binnenschifffahrt heben. Zusammen mit dem Parlamentarischen Staatssekretär MdB Enak Ferlemann (CDU), dem Präsidenten des Bundesverbands Öffentlicher Binnenhäfen (BÖB) Joachim Zimmermann und dem Präsidenten des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) Martin Staats stellte er jetzt den „Masterplan Binnenschifffahrt“ vor.

Scheuer betonte den seiner Ansicht nach wichtigen Beitrag dieses Transportträgers zur Reduktion von CO2, Stickoxiden und Feinstaub. Entscheidend sei es, die Wettbewerbsfähigkeit des Systems Hafen-Schiff-Wasserstraße nachhaltig zu stärken.

Zufrieden mit ihrem Masterplan Binnenschifffahrt (vlnr): Joachim Zimmermann (BÖB), Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, Staatssekretär Enak Ferlemann, Martin Staats (BDB)
Zufrieden mit ihrem Masterplan Binnenschifffahrt (vlnr): Joachim Zimmermann (BÖB), Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, Staatssekretär Enak Ferlemann, Martin Staats (BDB)

Strategie für das System Wasserstraße

Der Masterplan geht auf Anregungen des BÖB und anderer Verbände und Institutionen zurück. Diese hatten vorgeschlagen, eine Strategie für das System Wasserstraße zu entwickeln. Geleitet wurden sie bei diesem Gedanken von den vielfältigen verkehrs- und umweltpolitischen Herausforderungen. Sie sehen den neuen Plan auch als Ergänzung zum Masterplan Schienengüterverkehr.

Zimmermann (BÖB) sieht darin die einzige Möglichkeit, die zur Bewältigung des Klimawandels notwendige Verlagerung weg von der Straße nur mit Schiff und Bahn zu schaffen. Beide dürfe man nicht gegeneinander ausspielen, beide müssten

„ihre jeweiligen Stärken nutzen und kombinieren“, so Zimmermann.

Masterplan Binnenschifffahrt umfasst fünf Handlungsfelder

  • Infrastruktur: Investitionen in Milliardenhöhe sollen für ausreichend finanzielle, strukturelle und personelle Kapazitäten im Bereich der Wasserstraßen sorgen.
  • Umweltfreundlichkeit und Flottenstruktur: Hier will Scheuer die Branche bei der Umstellung auf effizientere und emissionsärmere Schiffe unterstützen.
  • Digitalisierung: Mit „Binnenschifffahrt 4.0“ soll der Masterplan die Vernetzung der Häfen, Digitalisierung der Schleusen und Schiffe sowie die Automatisierung der Umschlagplätze vorantreiben.
  • Stärkung multimodaler Transportkette: Ziel ist es laut Bundesverkehrsministerium, den Anteil der Verkehrsleistung der Binnenschifffahrt am Modal Split auf zwölf Prozent zu erhöhen.
  • Mehr Fachkräfte: Das Verkehrsministerium will die Verbände bei der Nachwuchsgewinnung und bei der bundesweiten Offensive auf Jobmessen unterstützen.

Den Masterplan Binnenschifffahrt können Sie von der Website des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur als PDF kostenlos downloaden.

80 kurz- und mittelfristige Maßnahmen

Für alle Handlungsfelder habe das Verkehrsministerium gemeinsam mit der Wirtschaft über 80 kurz- und mittelfristige sowie bereits laufende Maßnahmen erarbeitet, heißt es in einer Mitteilung des BÖB dazu.

Der Masterplan Binnenschifffahrt soll das Nationale Hafenkonzept und den Masterplan Schienengüterverkehr ergänzen und damit einen klaren Fahrplan für das System Hafen-Schiff-Wasserstraße der kommenden Jahre vorgeben. Damit wolle man einer integrierten Strategie im Güterverkehr näher kommen.

Wichtige Akteure der Binnenschifffahrt beteiligt

Die Arbeiten am Masterplan Binnenschifffahrt haben vor knapp einem Jahr gestartet. Beteiligt sind alle relevanten Akteure der Branche. Mitgewirkt haben unter anderem Vertreter verschiedener Verbände, von Unternehmen aus dem Binnenschifffahrtsgewerbe, der Häfen, der Bauindustrie, der Verlader, der Werftindustrie, der Motorenhersteller sowie von Forschungseinrichtungen.

Infrastruktur für Häfen vorrangig

Für die Binnenhäfen ist das Handlungsfeld Infrastruktur prioritär. Ohne eine zuverlässige Infrastruktur laufen die anderen Handlungsfelder ins Leere. Vor allem muss man schneller ins Bauen kommen, sowohl auf der Wasserstraße als auch in den Häfen.

Die Hafenwirtschaft wittert durch den Masterplan Rückenwind für die Binnenhäfen, um die große Bedeutung der Binnenhäfen bei Landesentwicklung und Stadtplanung festzuschreiben. Die deutschen Binnenhäfen sehen in dem Masterplan Binnenschifffahrt den Auftakt zu einem Prozess, den es zu verstetigen gelte. Man erhofft sich davon eine Dynamik mit zunehmenden Investitionen in umweltfreundlichere Transport- und Umschlagtechnologien und man will das Potential der Digitalisierung zu nutzen. Schließlich werde der Masterplan auch die Berufsbilder im System Hafen-Schiff-Wasserstraße attraktiver machen.

Zimmermann: „Der Kurs stimmt.“
Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)