06.10.2020

Photovoltaik: Kfz-Zulieferer ZF bezieht seinen Strom vom Parkplatzdach

Strom kommt aus der Steckdose. Der einstige Claim der Grünen wird Wirklichkeit – allerdings vom Dach bei Automotive-Zulieferer ZF. Auf dem Firmenparkplatz in Schweinfurt entsteht die größte Photovoltaik-Anlage Deutschlands. Der Strom daraus geht in die Produktion von Kfz-Teilen.

Photovoltaik

Herstellung von Kfz-Teilen unter Umweltaspekten

Über 1.200 Tonnen CO2 will ZF pro Jahr mit der Anlage einsparen. Mit ihr leiste man einen wichtigen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz, heißt es in einer Pressemitteilung von Münch Energie. Münch baut diese eigenen Angaben zufolge größte Photovoltaik-Anlage Deutschlands auf einem überdachten Parkplatz.

Noch diesen Herbst soll sie bei der ZF Friedrichshafen AG am Standort Schweinfurt in Betrieb gehen. Auf einer Dachfläche von über 14.000 Quadratmetern und mit über 8.000 verbauten Modulen erzeugt die Anlage demzufolge in der Spitzenleistung über 2,5 Megawatt Strom. Damit ließen sich bis zu vier Prozent des gesamten jährlichen Energiebedarfs des Werkes Nord durch Sonnenenergie decken. Die Photovoltaik-Anlage wird auf einer bereits versiegelten Fläche errichtet. Vorhandene Parkplätze würden durch die Maßnahme saniert und überdacht. Das schütze die abgestellten Autos. Zudem bau Münch hier weitere 80 Ladepunkte für Elektroautos.

Versorgung mit günstiger nachhaltiger Energie

Gegründet 2004, sieht sich Münch Energie heute als einer der größten dezentralen Energieversorger Deutschlands. Das Geschäftskonzept: Versorgung mit günstiger nachhaltiger Energie. Dafür hat das Unternehmen eine Energie-Intelligenz gegründet. Damit will es:

  • die Stromkosten von Unternehmen halbieren,
  • Heizkosten im Vergleich zu Heizöl vierteln und
  • Fortbewegungskosten im Vergleich zu Benzin zu achteln.

Jährlich erweitere man zusammen mit seinem Tochterunternehmen den Ausbau der regenerative Energieproduktion um etwa ein halbes Gigawatt. Münch Energie hat die Photovoltaik-Anlage gemeinsam mit dem kommunalen Energieversorger N-Ergie Aktiengesellschaft, Nürnberg, umgesetzt. Die beiden Partner aus der Region entwickelten zusammen mit ZF das Konzept. Das Investitionsvolumen beziffern die Unternehmen auf rund 3,6 Millionen Euro.

Strom aus der Region

Die N-Ergie Aktiengesellschaft, Nürnberg, blickt auf eine über 100-jährige Geschichte zurück. Sie zählt sich zu den großen kommunalen Energieversorgern in Deutschland mit langjährigem Einsatz für Klimaschutz und Energiewende mit starker regionaler Prägung in einer Vielzahl von Projekten im nordbayerischen Raum. Das Unternehmen versorgt eigenen Angaben zufolge mehrere hunderttausend Menschen und tausende von Unternehmen mit Energie und Trinkwasser. 2018 erwirtschafteten die rund 2.600 Mitarbeiter mehr als 2,8 Milliarden Euro Umsatz.

Weltweiter Zulieferer für die Autoindustrie

ZF ist ein weltweit tätiger Technologiekonzern und Zulieferer für die Autoindustrie. Das Technologieportfolio bietet ganzheitliche Lösungen für Automobilhersteller sowie Mobilitätsanbieter und neu entstehende Unternehmen in Transport und Mobilität. Ein Schwerpunkt der Weiterentwicklung der ZF-Systeme ist die digitale Vernetzung und Automatisierung. ZF lässt Fahrzeuge sehen, denken und handeln. ZF ist mit 149.000 Mitarbeitern an rund 230 Standorten in 40 Ländern vertreten. 2018 hat ZF laut Pressemitteilung einen Umsatz von 36,9 Milliarden Euro erzielt und wendet jährlich mehr als sechs Prozent seines Umsatzes für Forschung und Entwicklung auf.

PV-Leuchtturm-Projekt bei ZF

Hans-Jürgen Schneider, Standortleiter ZF Schweinfurt, sieht in der Anlage ein „Leuchtturm-Projekt“. Die Anlage sei ein wesentlicher Baustein für die Energiewende im Unternehmen.

Schneider: „Wir nutzen diesen zu 100 Prozent ökologisch erzeugten Strom in unsrem Werk, werten damit gleichzeitig bereits versiegelte Flächen auf und leisten einen wichtigen, praktischen Beitrag zur Elektromobilität.“

Für Rainer Kleedörfer von N-Energie ist die Anlage eine Möglichkeit:

  • die Energiewende voranzubringen,
  • CO2-Emissionen nachhaltig zu senken und
  • ZF Friedrichshafen über einen sehr langen Zeitraum konstante Energiepreise zu sehr interessanten Konditionen bieten zu können.

Mario Münch, Gründer und Geschäftsführer von Münch Energie, spricht von wegweisenden Plänen. Das Projekt mit ZF sieht er ökonomisch und ökologisch als zukunftsweisend. Es stärke die Nachhaltigkeit des Produktionsstandorts Schweinfurt und sorge für eine bessere wirtschaftliche Planbarkeit.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)