08.08.2019

P2B-Verordnung soll E-Commerce transparenter machen

Onlineplattformen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Große Netzwerke wie Unite trumpfen mit umfassenden Beschaffungslösungen auf. Doch geht es bei solchen Plattformen immer mit rechten Dingen zu? Um das zu gewährleisten, ist jetzt eine EU-Verordnung in Kraft getreten, die P2B-Verordnung.

Die europäische P2B-Verordnung für mehr Transparenz und Sicherheit im E-Commerce ist am 31.07.2019 in Kraft getreten.

Mehr Transparenz und Fairness auf Onlineplattformen, mehr Wettbewerb und mehr Rechtssicherheit

Die erste Stufe der neuen Verordnung ist am 31.07.2019 gezündet worden, die zweite soll 2020 folgen. Die Rede ist von der europäischen Platform-to-Business-Verordnung (P2B-Verordnung). Unter anderem legt diese Transparenzregeln für Plattformen und Suchmaschinen fest. Nach ihrem jetzigen Inkrafttreten wird die P2B-Verordnung dann ab dem 12.07.2020 in der gesamten EU verpflichtend sein.

Wie die Geschäftsführerin des Branchenverbands Bitkom, Susanne Dehmel, mitteilt, soll die Verordnung die drängenden regulatorischen Fragen auf EU-Ebene beantworten.

Erfolgreiche Plattformen international aufgestellt

Digitale Plattformen verändern nahezu jede Branche grundlegend. Die P2B-Verordnung soll hier mehr Sicherheit schaffen. Sie soll für eine bessere Balance zwischen den Plattformen und ihren Geschäftskunden sorgen. Diese sollen sich künftig beispielsweise darauf verlassen können, dass Plattformen interne Beschwerdemechanismen einrichten. Damit könne man, so Dehmel, Streitigkeiten einfacher beilegen – etwa über die Platzierung von Produkten oder bei einer Sperre von Angeboten.

Die neuen Transparenzregeln sollen zum einen für mehr Vertrauen sorgen. Zum anderen sollen sie den Geschäftsverkehr zwischen Plattformen und ihren Geschäftskunden in der EU vereinheitlichen.

Der Bitkom-Verband begrüßt die P2B-Verordnung, weil sie für diese erstrebenswerten Ziele sorgen soll:

  • zusätzliche Transparenz
  • Vereinheitlichungen für harmonisierte Bedingungen auf den Plattformmärkten

Der Bitkom-Verband warnt allerdings auch vor einer Überregulierung. Er plädiert dafür, dass Regulierung immer nur dort eingreifen solle, wo ein tatsächliches Marktversagen vorliege.

Dehmel: „Im Vordergrund muss stets stehen, die europäische Plattformwirtschaft zu stärken und den Aufbau neuer Geschäftsmodelle im Sinne der Kunden zu fördern.“

Digitale Plattformen für Geschäftskunden

Ob Wohnungssuche, Online-Shopping, Jobsuche oder soziale Netzwerke – digitale Plattformen sind inzwischen in allen Lebens- und Arbeitsbereichen verbreitet. Industrieunternehmen nutzen die Plattformen für ihre Geschäftskunden, indem sie dort ihre Produkte, Dienstleistungen und Herstellungsprozesse zusammenbringen.

Zu den digitalen Plattformen hat Bitkom nun eine repräsentative Befragung durchgeführt. Dieser zufolge fordert eine große Mehrheit der Bundesbürger, den Markt nicht den großen Playern aus den USA oder China alleine zu überlassen:

  • 73 Prozent der Befragten sagen, deutsche Unternehmen sollten selbst Plattformanbieter sein.
  • 90 Prozent wünschen mehr Einsatz der Politik und Förderung des Aufbaus deutscher und europäischer digitaler Plattformen.
  • 45 Prozent wollen eine stärkere Regulierung digitaler Plattformen.

Allerdings gibt es hier deutliche Unterschiede zwischen den Generationen. So sprechen sich jeweils 60 Prozent der Befragten zwischen 50 und 64 Jahren sowie 58 Prozent ab 65 Jahren für mehr Regulierung aus. Nur eine Minderheit der jüngeren Teilnehmer ist auch pro Regulierung, nämlich 33 Prozent der Altersgruppe von 30 bis 49 Jahren und 29 Prozent von 16 bis 29 Jahren.

Deutschland zum Plattform-Vorreiter machen

Deutschland müsse vom Nachzügler zu einem Vorreiter der Plattformökonomie werden, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. Es lohne sich, auf die junge Generation zu hören: weg von einer Verhinderungs- und Verbotsdebatte hin zu einer smarten Regulierung, die Innovationen ermöglicht und unterstützt.

Wie eine solche smarte Regulierung digitaler Plattformen aussehen könnte, hat der Bitkom-Verband nun in einigen Vorschlägen zusammengefasst:

  • Innovationscheck der Gesetzgebung
  • stärkere Einbindung von Digitalexperten
  • differenzierte Betrachtung von Plattformen, deren Geschäftsmodellen und Geschäftstätigkeit auf unterschiedlichen Märkten
  • kontinuierliche Marktbeobachtung
  • Prüfung jedes möglichen Instruments der Regulierung auf Erreichung des Zieles und eventueller alternativer Maßnahmen

Unangemessene Regulierung könne einerseits in ihrem Zielbereich wirkungslos bleiben, andererseits unbeabsichtigte Folgen haben. Zu selten beachte man, dass gerade erfolgreiche Plattformen unter starkem Wettbewerbsdruck stünden.

Berg: „Regulierung gehört zur traditionellen deutschen und europäischen Wirtschaftspolitik, smarte Regulierung zur digitalen Welt.“

Eine Regulierung müsse die Wettbewerbsfähigkeit und den Markteintritt deutscher und europäischer Plattformanbieter unterstützen, so Berg.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)