Fachbeitrag | Logistik
20.01.2015

Outsourcing: Partner gesucht!

Wenn ein Unternehmen fest definierte Aufgaben an ein Drittunternehmen vergibt, so wird das als Outsourcing bezeichnet und ist mittlerweile zur gängigen Praxis geworden. Die Gründe dafür sind vielfältig: ein Unternehmen spart Kosten, erreicht eine höhere Flexibilität oder setzt Kapazitäten bei Mitarbeitern frei. Doch welche Risiken bringt die Zusammenarbeit mit einem Partner mit sich? Und wie soll die Gemeinsamkeit denn überhaupt aussehen?

Outsourcing Partersuche© Tim Reckmann /​ pixelio.de

Kontraktlogistik-Partnerschaften machen mittlerweile am Logistikmarkt einen großen Anteil aus. Bereits 2011 belief sich nach einer Studie des Fraunhofer SCS die Outsourcing-Rate in Deutschland auf 49%. Gleichzeitig gehen Unternehmen bei einem Outsourcing ihrer Logistik erhebliche Risiken ein:

  • Findet man den richtigen bzw. besten Dienstleister?
  • Wickelt der Dienstleister das Geschäft genauso gut ab wie man selbst?
  • Erfährt man rechtzeitig von Problemen, und kann man noch gegensteuern?

Diese Risiken steigen – ebenso wie die dabei zu erzielenden Kosten- oder Leistungsvorteile – mit zunehmender Komplexität der outgesourcten Dienstleistungen. Die Steuerung bzw. das Controlling dieser Partnerschaften wird deshalb immer wichtiger, aber auch schwieriger.

Outsourcing-Beziehungen effektiv gestalten

Um die Zusammenarbeit mit einem externen Dienstleister möglichst erfolgreich zu gestalten und Risiken klein zu halten, bietet sich folgendes schrittweise Vorgehen an:

1. IST-Analyse

Ein erster Schritt ist die Ist-Analyse bestehender bzw. outzusourcender Logistikprozesse. Hier ist zu beachten, dass es wichtig ist, die eigenen Kompetenzstufen und das Kostenverhalten der Logistikprozesse zu kennen, bevor (!) man die Leistung auszulagern plant.

2. Outsourcing-Konzeption

Wie soll eine  Kontraktlogistik-Beziehung überhaupt aussehen? Dabei ist es wichtig, nicht nur die reinen logistischen Prozesse zu betrachten. Man sollte sich die Frage stellen, wann und unter welchen Konstellationen eine logistische Leistung als eine wirkliche strategische Leistung angesehen werden kann. Und wie kann darauf aufbauend das Anreizsystem, die Schnittstelle und das Controlling als wesentliche Elemente eines Outsourcing-Konzepts gestaltet werden?

3. Ausschreibung

Wenn seitens eines Verladerunternehmens, das ein Outsourcing logistischer Leistungen plant, eine Ausschreibung durchgeführt werden soll, sind diverse Fragen zu beantworten und Entscheidungen zu treffen. Auf welche (logistischen) Leistungen sollen sich Outsourcing und Ausschreibung beziehen? Geht es um ein umfassendes Leistungsbündel oder um ein einfaches Transport- oder Lagergeschäft? Weiterhin gilt es, über das Preisgefüge zu entscheiden, innerhalb dessen die Logistikdienstleister anbieten sollen: einfache Pauschalsätze oder differenziertere Preisstrukturen? Wie viele Anbieter werden in die Ausschreibung einbezogen? Schließlich ist im Rahmen eines Outsourcings und einer Ausschreibung noch über die Laufzeit eines resultierenden Vertrags zu entscheiden.

4. Angebotsprüfung und Anbietervergleich

Liegen seitens der einbezogenen Logistikdienstleister die entsprechenden Leistungs- und Preisangebote vor, so gilt es, diese zu vergleichen, um den geeignetsten und günstigsten Anbieter herauszufinden. Ein solcher Anbietervergleich umfasst sowohl eine quantitative als auch eine qualitative Bewertung: In quantitativer Hinsicht wird analysiert, welcher Anbieter der günstigste ist. In qualitativer Hinsicht wird geprüft, welcher Anbieter der beste oder der am besten auf die eigenen Leistungsanforderungen passende ist.

5. Verhandlung und Vertragsschluss

In der Praxis sollte bei komplexen Logistikleistungen bereits bei Beginn der Verhandlung ein möglichst umfassender Vertrag vorliegen bzw. dem oder den potenziellen Dienstleister(n) ein Vertragsentwurf als Verhandlungsgrundlage zugesandt werden. Dies ermöglicht dem Verlader, den Verhandlungsprozess besser steuern zu können. Je nachdem, welche Leistungen von einem Dienstleister zu erbringen sind, können in einem Logistikvertrag verschiedene gesetzlich geregelte Vertragstypen zur Anwendung kommen: Speditionsvertrag, Lagervertrag, Frachtvertrag, Dienstvertrag  oder Werkvertrag. Logistikverträge sind in den meisten Fällen typengemischte Verträge, da sie mehrere Einzelleistungen verbinden.

Das Outsourcing von Logistikleistungen bietet Chancen, aber auch Risiken und Herausforderungen. Um Letzteren möglichst gut begegnen zu können, kommt es auf eine gute Vorbereitung und Anbahnung einer Outsourcingbeziehung an.

 

Bild: © Tim Reckmann/pixelio.de

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Autor: Thomas Liebetruth 

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