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19.02.2018

Green Public Procurement: Öffentliche Hand kauft noch zu wenig umweltbewusst ein

Umwelt und öffentliche Beschaffung – in Deutschland liegen oft noch Welten dazwischen. Nur 2,4 Prozent aller Beschaffungsverträge werden nach umweltfreundlichen Kriterien vergeben. Das zeigt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).

Umweltfreundliche öffentliche Beschaffung

Green Public Procurement  

Umweltfreundliche öffentliche Beschaffung, Green Public Procurement oder GPP genannt, ist in Deutschland noch rar. Die öffentliche Hand vergibt Verträge für Produkte und Dienstleistungen meistens noch nur nach Preis. Kriterien der Umweltfreundlichkeit finden dabei noch viel zu wenig Berücksichtigung.

Das zeigt eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). Diese Praxis ist demnach in den letzten Jahren zwar zunehmend angewendet worden. Ihr Einsatz bleibt aber insgesamt marginal: Im Jahr 2015 berücksichtigten lediglich 2,4 Prozent der öffentlichen Vergaben „grüne“ Kriterien, zeigt die DIW-Analyse. Dafür werteten die Wissenschaftler umfangreiches Datenmaterial aus.

Potenzial für grüne öffentliche Beschaffung ungenutzt

„Die Tendenz ist ermutigend aber insgesamt bleibt das Potenzial für grüne öffentliche Beschaffung (Green Public Procurement) weitgehend ungenutzt“, so Olga Chiappinelli, Ko-Autorin der Studie.

Dabei wäre grüne Beschaffung für die öffentliche Hand ein vielversprechender Beitrag zur Dekarbonisierung der Wirtschaft.

Es erlaube „dem Staat, die negativen Umwelteinflüsse seiner Anschaffungen zu verringern, einen Markt für grüne Technologien und Produkte zu schaffen und mit gutem Beispiel voranzugehen“, so die Forscherin.

Zentrales staatliches Handlungsfeld

Die öffentliche Beschaffung ist sowohl ein bedeutendes Wirtschaftsphänomen als auch ein zentrales staatliches Handlungsfeld. Öffentliche Beschaffung macht in Deutschland 18 Prozent des gesamten Konsums und elf Prozent der Investitionen aus. In manchen Branchen hält die öffentliche Hand bedeutende Marktanteile, etwa:

  • im Gesundheitswesen 74 Prozent,
  • im Bildungswesen 91 Prozent und
  • bei Verkehrsinfrastruktur, Telekommunikation und Verteidigung jeweils 100 Prozent.

Erhebliche Marktmacht

Angesichts dieser erheblichen Marktmacht können Regierungen ihre Einkaufsentscheidungen zur Verfolgung strategischer Ziele nutzen, von denen Nachhaltigkeit eines der wichtigsten ist. Die Einkäufe des Staates eignen sich daher, um die Wirtschaft Richtung mehr Nachhaltigkeit einzulenken – angesichts der Gefahr einer Verfehlung der Klimaziele für 2020 in Deutschland dringend geboten.

Mitverantwortlich für Treibhausgasemissionen

Die öffentliche Hand gibt große Anteile des Bruttoinlandsprodukts für Waren und Dienstleistungen aus. Sie ist somit für einen erheblichen Anteil der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Angesichts dieser beträchtlichen Auswirkungen sehen die Verfasser der Studie den Staat einerseits in der Verantwortung, möglichst emissionsarm einzukaufen.

Andererseits verfüge er über die Möglichkeit, Märkte zu mehr Nachhaltigkeit zu bewegen. Umweltfreundliche öffentliche Beschaffung zeichne sich dadurch aus, dass umweltrelevante Kriterien bei der Auftragsvergabe berücksichtigt werden.

Umweltkriterien zu teuer?

Deutschland ist Europas größte Volkswirtschaft. Für knapp eine halbe Billion Euro kauft die öffentliche Hand hier jährlich ein. Staatliche Einkäufe machen damit 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Trotz steigender Zahlen bleibt GPP (Green Public Procurement) in der öffentlichen Auftragsvergabe jedoch weiterhin die Ausnahme. Einer weitergehenden Umsetzung stehe vor allem die Wahrnehmung entgegen, dass die Berücksichtigung von Umweltkriterien zu höheren Beschaffungskosten führe.

Außerdem fehlt es der Verwaltung an Kapazitäten, um sich die juristische und technische Expertise für Green Public Procurement anzueignen. Ein klares politisches Mandat zur Finanzierung der durch die Umweltauswirkungen der beschafften Waren und Dienstleistungen entstehenden Mehrkosten sowie spezielle Fortbildungen für das Personal der Beschaffungsstellen fehlt. Es könnte dazu beitragen, dass GPP zukünftig vermehrt zur Anwendung kommt.

Autoren: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport),

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