29.07.2021

Öffentliche Ausgaben für Brückenbau steigen

Einst der Stolz des Wirtschaftswunders, sind sie in die Jahre gekommen: Deutschlands Brücken. Wie Straßen und Tunnel sind sie hoher Belastung ausgesetzt. Sie werden in Stand gesetzt, gesprengt oder neu gebaut. Bauherren sehen sich dabei erheblichen Preissteigerungen ausgesetzt.

Brückenbau

Salzbachtalbrücke bei Wiesbaden

Die Salzbachtalbrücke auf der A66 bei Wiesbaden – erst kürzlich musste sie gesprengt werden. Wie ihr geht es fortwährend Straßen, Brücken und Tunneln in Deutschland. Sie sind hoher Belastung ausgesetzt, sie müssen ständig ausgebessert, in Stand gesetzt oder kurzfristig gesprengt und neu gebaut werden.

Die Bauherren sahen sich dabei in den vergangenen zehn Jahren mit deutlichen Preissteigerungen konfrontiert. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, sind die Preise für Bauleistungen im Straßenbau in Deutschland im Jahr 2020 gegenüber 2011 um 29,1 Prozent gestiegen. Die Erstellung von Brücken verteuerte sich demnach im gleichen Zeitraum um rund ein Viertel (+24,1 Prozent). Baupreisindizes spiegeln hier die Entwicklung der Preise für den Neubau von Straßen und Brücken wider. Hierfür erfragen die Statistiker die Preise repräsentativer Bauleistungen z. B. im Rahmen von:

  • Erdarbeiten
  • Betonarbeiten
  • Oberbauschichten aus Asphalt im Verkehrswegebau.

Gut jede zehnte Brücke in schlechtem Zustand

Viele Brücken stammen aus den Jahren 1965 bis 1985. Nach Angaben der Bundesanstalt für Straßenwesen befinden sich aktuell 39.928 Brücken im Netz der Bundesfernstraßen. Je nach Bauart und Brückenquerschnitt sind demnach insgesamt in 52.130 Brücken-Teilbauwerke mit einer Gesamtfläche von über 31 Millionen Quadratmetern in Stand zu halten. Dabei ist der Zustand der Brücken oder Brücken-Teilbauwerke (1. September 2020) unterschiedlich:

  • 12,9 Prozent gut oder sehr gut
  • 42,5 Prozent befriedigend
  • 33,1 Prozent ausreichend
  • 9,9 Prozent gravierend mangelhaft
  • 1,6 Prozent ungenügend.

Öffentliche Ausgaben für Straßenbau

Um Straßenschäden auszubessern sowie neue Straßen und Brücken zu bauen, wendet der Staat jedes Jahr mehrere Milliarden Euro auf. Der Öffentliche Gesamthaushalt (Bund, Länder und Gemeinden einschließlich ihrer jeweiligen Extrahaushalte) hat nach den Ergebnissen der vierteljährlichen Kassenstatistik im Jahr 2020 ausgegeben:

  • für den Straßenbau rund 14,2 Milliarden Euro oder 0,8 Prozent der Gesamtausgaben des Öffentlichen Gesamthaushalts, 40,2 Prozent mehr als 2011 mit nur 10,1 Milliarden Euro bzw. 0,9 Prozent.

Verfallsdatum für Straßen

Eine gut ausgebaute Straßeninfrastruktur stellt ein erhebliches Vermögen dar. Aufgrund der gestiegenen Investitionen hat der Zeitwert der Straßen von 2011 bis 2020 um rund ein Viertel (24,5 Prozent) zugenommen. Er betrug zum Jahresende 2020 rund 394,2 Milliarden Euro. Zehn Jahre zuvor waren es 316,5 Milliarden Euro. Den Zeitwert von Bauten berechnen die Statistiker in Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) nach der international empfohlenen Kumulationsmethode. Dafür setzen sie die heutigen Anlagegüter aus den Investitionen der Vergangenheit zusammen.

Investitionen in den Straßenbau werden in den VGR nicht separat ausgewiesen, sondern stellen neben dem Neubau werterhöhender Reparaturen mit gut 55 Prozent gegenüber 47,3 Prozent 2011 einen bedeutenden Anteil an denen für den öffentlichen Tiefbau in Höhe von 30,7 Milliarden Euro dar. Als Ursachen maroder Straßen und in den VGR anhand von Abschreibungen erfassten Wertverlusten nennt Destatis:

  • starke Beanspruchung der Straßen,
  • Alterungsprozesse,
  • Extremwetter wie Hitze oder Starkregen.

Ende 2020 lag das jährliche Abschreibungsvolumen für Straßen bei 14,8 Milliarden Euro und damit um 29,7 Prozent höher als 2011 mit 11,4 Milliarden Euro.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)