10.12.2020

Nvidia liefert KI-Prozessoren für Transport-Pod von Einride

Die Industrien wachsen zusammen. Jetzt meldet das schwedische Start-Up Einride, man werde KI-Prozessoren von Grafikkartenbauer Nvidia in seinen autonomen Schwer-Lkw einbauen. Damit soll der Transporter nicht mehr nur in eingezäuntem Gelände fahren, sondern auch auf Autobahnen.

Transport-Pod

Nächste Generation der Transportkapseln

Das schwedische Lkw-Startup Einride hat seine autonomen Transport-Lkw, sogenannte Pods der nächsten Generation vorgestellt. Die vollelektrischen, kabinenlosen Fahrzeuge verwenden für ihre KI-Rechenoperationen die Prozessoren der Nvidia-Plattform Drive AGX Orin. Das teilt Einride jetzt mit.

Das auf autonomen elektrischen Transport (AET) ausgerichtete Unternehmen will für die kommende Generation seiner Transportkapseln die Drive-AGX-Orin-Rechenplattform für autonomes Fahren einsetzen. Der Einride-Pod ist laut eigenen Angaben das erste Fahrzeug seiner Art, das einen völlig unbemannten und ausschließlich elektrischen Schwerlastbetrieb ermöglicht. Damit könnte es den Verkehr nachhaltig und kostengünstig verändern. Der Pod der kommenden Generation bringt die AET-Funktionalität auf die nächste Stufe, von AET 1 (Betrieb in eingezäunten Gebieten) auf AET 4 (Autobahnen). Das umfasst einen beträchtlichen Teil des weltweiten Transportbedarfs.

Selbstfahr-Einstufung nach AET

Die Einstufung der Selbstfahr-Fähigkeit erfolgt bei AET wie bei der für Pkw üblichen „SAE“-Klassifizierung über fünf Stufen beziehungsweise „Levels“:

  • AET 1: Automatisierungstechnik für abgesperrte Anlagen mit vorgegebenen, für autonomes Fahren gut geeigneten Routen
  • AET 2: Automatisierungstechnik für abgesperrte Anlagen sowie kurze Fahren von Einsatzort zu Einsatzort auf anliegenden öffentlichen Straßen
  • AET 3: Automatisierungstechnik für den Einsatz auf öffentlichen Nebenwegen und die Fahrt von Einsatzort zu Einsatzort auf wenig befahrenen Hauptstraßen mit bis zu 45 km/h
  • AET 4: Automatisierungstechnik für vollautonomes Fahren auf Schnell- und Hauptstraßen mit bis zu 85 km/h
  • AET 5 wird von Einride nicht näher beschrieben, dürfte aber für vollautonomes Fahren ohne Einschränkungen stehen – und damit für in absehbarer Zeit nicht auf öffentlichen Straßen erlaubte Technik.

Die zu Beginn angebotenen Lösungen reichen je nach gewünschtem Einsatzzweck von AET 1 bis AET 4. Pods mit Fähigkeiten nach AET 1 und 2 sollen ab nächstem Jahr an Kunden übergeben werden, Fahrzeuge nach AET 3 und 4 ab 2022/2023.

KI von Nvidia

Die notwendige KI-Rechenkapazität wird durch die Nvidia-Drive-AGX-Plattform und das Orin-SoC ermöglicht, das auf Nvidias GPU-Architektur basiert. Sie besitzt:

  • 17 Milliarden Transistoren
  • ARM-Hercules-AE-CPU-Kerne
  • neue Deep-Learning-Beschleuniger
  • weitere AV-Prozessoren.

Ein einziger Orin-SoC erlaubt den Angaben zufolge mehr als 200 Billionen Operationen pro Sekunde (TOPS) – das entspricht einer beinahe siebenmal höheren Leistungsfähigkeit sowie einer dreimal höheren Energieeffizienz als beim Nvidia-SoC der Vorgänger-Generation. Als Ergebnis liefert Orin die Fähigkeit, die softwaredefinierten kommerziellen Level-3- und AET-Lösungen von Einride zu unterstützen, die auf Nebenstraßen (AET 3 – Landstraßen) und Autobahnen (AET 4) betrieben werden.

Konkurrenz schläft nicht

Der Einride-T-Pod hat keine Fahrerkabine und keine Fenster. Der Laderaum steht offen und soll 15 Standard-Paletten Platz bieten. Die T-Pods sind mit Radar und Kameras ausgestattet. Sie können selbst fahren, aber auch ferngesteuert werden. Die Supermarktkette Lidl will mit ersten T-Pods die Lagerhäuser in Schweden verbinden. Einride ist nicht das einzige Unternehmen mit Plänen für den Lastwagen der Zukunft. Der US-Motorenhersteller Cummins will einen E-Laster bauen, genauso Navistar, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Daimler präsentierte einen vollelektrischen Lkw mit einem zulässigen Gesamtgewicht von bis zu 26 Tonnen. Bewegung gibt es auch bei autonomen Trucks. Der Fahrdienstvermittler Uber hat das Start-up Otto gekauft, das sich auf selbstfahrende Laster spezialisiert hat. Allerdings stecken Uber und Otto in einem Rechtsstreit mit der Google-Schwesterfirma Waymo um Patente. Amerikanische Start-ups wie Starsky Robotics und Embark arbeiten genauso an Selbstfahrtechnik wie große Lkw-Bauer wie Daimler und MAN.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)